Kammer Berlin rät

Impfzertifikate grundsätzlich erst am nächsten Tag!

13.12.2021, 16:10 Uhr

Die Kammer Berlin empfiehlt einen Prozess zu etablieren, bei dem die Ausgabe der Impfzertifikate grundsätzlich erst am nächsten Tag erfolgt. (c / Foto: IMAGO / Jochen Tack)

Die Kammer Berlin empfiehlt einen Prozess zu etablieren, bei dem die Ausgabe der Impfzertifikate grundsätzlich erst am nächsten Tag erfolgt. (c / Foto: IMAGO / Jochen Tack)


Gefälschte Impfnachweise fluten derzeit die Apotheken. Ihnen fehlen jedoch die Tools, diese zeitnah und zuverlässig zu verifizieren. Die Apothekerkammer Berlin rät nun in ihrem Rundschreiben dazu, Kund:innen, die ein digitales Impfzertifikat möchten, generell auf den nächsten Tag zu vertrösten. Die Aussicht den Impfpass in der Apotheke zu lassen, soll Fälscher:innen abschrecken.

Der Handel mit gefälschten Impfpässen floriert. Gelegentlich gibt es Meldungen von Ermittlungserfolgen. So wurden laut einer Mitteilung der Deutschen Presseagentur zuletzt 400 gefälschte Impfausweise und Tausende Chargenaufkleber für Corona-Impfstoffe bei einem Mann in Nürnberg gefunden. Mindestens 34 Kunden des 31-Jährigen sollen in Apotheken der Region versucht haben, mit gefälschten Pässen ein digitales Impfzertifikat zu bekommen, wie die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Montag mitteilte. Aber das ist nur ein Fall von vielen.

Die Apothekerkammer Berlin hat daher vor kurzem bereits davon abgeraten, im Notdienst digitale Impfzertifikate zu erstellen. Denn dann könne noch schlechter als sonst die Echtheit der vorgelegten Dokumente überprüft werden, zum Beispiel durch einen Anruf beim Arzt. Laut Kammer werde das bewusst ausgenutzt, um mit gefälschten Impfnachweisen digitale Zertifikate zu erlangen.

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Da das Geschäft mit gefälschten Impfdokumentationen weiter auf Hochtouren läuft, hat sich die Berliner Kammer vergangene Woche erneut zu der Thematik geäußert. Sie empfiehlt einen Prozess zu etablieren, bei dem die Ausgabe der Impfzertifikate grundsätzlich erst am nächsten Tag erfolgt. Die Rationale dahinter: Fälscher:innen werden „ihren teuren Impfpass“ nur ungern aus der Hand geben. Neben der Vermeidung von Fälschungen ermögliche das außerdem eine bessere Strukturierung des Apothekenbetriebs und reduziere Störungen, so die Kammer weiter. So könne sich die Apotheke wieder auf ihre eigentliche Aufgabe fokussieren, die Arzneimittelversorgung. Denn bei allem „Run“ auf die Impfzertifikate gebe es hier keine „Notfälle“.

Achillesferse Impfzentren

Darüber hinaus gibt die Kammer weitere Hinweise: Bei Anhaltspunkten für eine Fälschung sollte die betreffende Person an den Arzt oder die Ärztin verwiesen werden, der oder die die Impfung vorgenommen hat. Denn den Arztpraxen seien die geimpften Personen ja bekannt und dokumentiert, sodass ein Fälschungsrisiko ausgeschlossen sei. Bei vermeintlich in Impfzentren ausgestellten Impfnachweisen funktioniert dieser Tipp der Kammer allerdings nicht.

Ganz grundsätzlich rät die Kammer dringend, bei Anhaltspunkten für eine Fälschung der vorgelegten Impf- bzw. Genesenendokumente kein digitales Impfzertifikat auszustellen. Das entspreche auch der Intention von § 22 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Infektionsschutzgesetz, der ausdrücklich die Vermeidung der Ausstellung eines unrichtigen COVID-19-Impfzertifikats zum Ziel habe.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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2 Kommentare

gefälschte Impfzertifikate

von Sven Larisch am 13.12.2021 um 19:12 Uhr

Nachdem zuerst eine Sicherheitslücke in der schnell gestrickten Seite zur Erstellung der Impfnachweise geschlossen werden musste und die Server keine ausreichende Kapazität bieten bei erhöhter Nachfrage, sollen die Apotheker also für die mickerigen € 6,00 nicht nur vielen Menschen erklären, wie sie den QR Code richtig ins Smartphone bekommen, teilweise sogar langwierig Apps runterladen helfen etc, sondern auch noch am nächsten Tag mit Ärzten telefonieren. Na noch besser: mit Impfzentren, Wochenendimpfzentren von Ärzten und dem Gesundheitsamt bzw. mobilen Impfstellen? Wie sieht es dann mit Freitags aus . Kein Impfzertifikat für Kunden am Mittwoch Nachmittag, Freitags nachmittags nicht, Samstag nicht, Notdienst nicht (das verstehe ich sogar), nicht zu den Mittagszeiten der Ärzte/Ämter und sonstigen impfenden Einrichtungen. Nicht vor oder nach den telefonischen Sprechzeiten der Ärzte (schon mal versucht, in letzter zeit Arztpraxen zu erreichen?).
Also wieso gibt es nicht die Pflicht! das die Impfenden die Charge und Daten zentral einstellen müssen und aus dieser Datenbank ein Abgleich zu den Apotheken erfolgt. Datenschutzkonform und vielleicht auch für jeden erst am 1. oder 2. Werktag nach seiner Impfung. Verpasst der Zug rollt ungebremst und hat Betrügern Tür und Tor geöffnet. Ich könnte eine Fälschung spontan nicht erkennen und versuche über die impfenden Ärzte im Umkreis, die den Großteil der Impflinge ausmacht, mich selber sicher zu fühlen. kann ich Fälschungen ausschließen ? - Nein.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Nicht mehr nachvollziehbar

von Stefan Haydn am 14.12.2021 um 19:06 Uhr

Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, dass Ärzte und Impfzentren nicht sofort nach der Impfung auch das Zertifikat ausstellen.
Die wissen wer geeimpft wurde, da muss dann nicht ein Apotheker für den Hungerlohn noch telefonieren und Detektivarbeit betreiben.
Es fehlt alleine am Wille!

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