Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

07.11.2021, 07:30 Uhr

Es wäre doch wirklich ein Fortschritt, wenn Apotheken in die Covid-19-Impfungen bzw. Auffrischimpfungen mit einbezogen würden... (Foto: Alex Schelbert)

Es wäre doch wirklich ein Fortschritt, wenn Apotheken in die Covid-19-Impfungen bzw. Auffrischimpfungen mit einbezogen würden... (Foto: Alex Schelbert)


Bald wird geboostert, was die Spritzen hergeben. Aber es geht zu langsam voran, die Hausärzte ächzen schon. Die Politik macht mehr Druck und kann sich Covid-19-Impfapotheken vorstellen. Im Gegenzug beschließt der Ärztetag die Forderung, den Niedergelassenen das Dispensierrecht im Notdienst zu geben – aber sie wissen nicht, was sie da tun! Und beim E-Rezept sind wir doch noch nicht alle „ready“, aber bald „fix und fertig“, wenn es so weitergeht. Guter Froese-Vorschlag: Der ausgedruckte Token fürs E-Rezept muss ein Dokument sein. Es darf nicht durch die Versandhauswelt geistern. Guter Hasse- und Hoch-Vorschlag: Mehr Ehrlichkeit bei den Gehaltstarifverträgen. Und kommen auch Gehaltstarife für Filialleitungen? 

1. November 2021

Noch im Sommer hatte der Gesundheitsexperte der Grünen, Janosch Dahmen, keine Sympathien für den Vorschlag von uns Apothekers, dass wir gegen Covid-19 impfen. Mittlerweile hat er seine Einstellung dazu geändert: Jetzt hält er es für denkbar, sich auch in Apotheken impfen zu lassen. Grund für seinen Sinneswandel: Mit den Impfungen gegen Covid-19 geht es in Arztpraxen zu langsam voran. Mein liebes Tagebuch, mag sein, dass er seine Äußerung auch deshalb machte, um den Druck auf seine Heilberufskolleginnen und -kollegen zu erhöhen. Denn da scheinen die Niedergelassenen derzeit tatsächlich an ihre Kapazitätsgrenzen zu kommen: die Grippeschutz-Impfungen sind deutlich angestiegen und jetzt kommen noch die Booster-Impfungen hinzu – das überfordert die eine oder andere Praxis. Dahmen: „Nach der Schließung der meisten Impfzentren erfüllen die Praxen die in sie gesetzten Erwartungen erkennbar nicht, weder bei den Erst- noch bei den Booster-Impfungen.“ Übrigens, auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich bereits dafür ausgesprochen, in Apotheken gegen Covid-19 zu impfen. Und der neue Chef des Apothekerverbands Westfalen-Lippe, Thomas Rochell, hält es für denkbar, wie er im DAZ.online-Interview sagt, Corona-Auffrischimpfungen in Apotheken durchzuführen. Zwar noch nicht in diesem Herbst, aber künftig: „Vielleicht kommt die Politik also auf uns zurück. In jedem Fall stünden wir dafür bereit“, so Rochell. Mein liebes Tagebuch, klingt gut. Und es könnte doch gut möglich sein, dass sich in der Ampel-Koalition etwas in diese Richtung bewegt. Was hindert uns also daran, uns schon mal warmzulaufen und zumindest die geforderte Ausbildung zur Impfung zu absolvieren. Damit wir mit Überzeugung sagen können: Wir Apothekers stehen bereit.

 

Thomas Rochell, neuer Vorsitzender des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL), äußert sich im DAZ.online-Interview auch zur neuen Digitalgesellschaft GEDISA. 16 Apothekerverbände beteiligen sich bereits als Gesellschafter daran, und das, obwohl nach Ansicht von Rochell wichtige Informationen fehlen, „um eine Entscheidung über eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft, noch dazu mit solch einer finanziellen Tragweite, treffen zu können“. Die generelle berufspolitische Idee hinter GEDISA könne durchaus sinnvoll sein, so der AVWL-Chef, man wolle als AVWL aber keinen Freifahrtschein ausstellen. Mein liebes Tagebuch, da kann man ihm doch nur zustimmen. Aber heißt dies dann im Umkehrschluss, dass die 16 anderen Apothekerverbände diesen Freifahrtschein bereits ausgestellt haben? Und ja, Rochell spricht sich auch dafür aus, dass Nicht-Verbandsmitglieder in irgendeiner Form die Chance bekommen müssen, die Dienste der GEDISA in Anspruch zu nehmen. Mein liebes Tagebuch, da sollte in der Tat darüber nachgedacht werden: Wenn man schon so eine berufsständische Plattformlösung auf die Beine stellt, dann sollte sie allen Apotheken auch immer zugänglich sein. Über die Bedingungen kann man dann noch sprechen.

 

Der Vorschlag von Peter Froese, Chef des Apothekerverbands Schleswig-Holstein, hat was: Der Ausdruck des Zugangscodes fürs E-Rezept, der sogenannte Token, sollte als Dokument eingestuft werden. Diese Forderung könnte sogar in der noch ausstehenden Rechtsverordnung umgesetzt werden. Mein liebes Tagebuch, das wäre doch die Lösung für viele Fragen. Wenn sich da nämlich nichts tut, kann dieser Token ungeniert abfotografiert, ausgedruckt, kopiert und durch die Versandhauswelt der EU-Großhändler geschickt oder sogar damit gehandelt werden. Denn es ist doch so: Wer den Token hat, kann das Rezept einlösen. Also, da muss etwas geschehen, auch im Sinne der Patientensicherheit. Außerdem, wenn der Ausdruck des Tokens ein Dokument ist, so Froese, kann auf dieser Grundlage das Arzneimittel abgegeben werden, selbst wenn das Internet oder Technikkomponenten ausgefallen sind. Mein liebes Tagebuch, der Token als Dokument wäre eine Lösung, aber ist sie auch praktikabel? Einem Ausdruck sieht man nicht an, ob er bereits kopiert wurde…



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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4 Kommentare

Dispensierrecht im Notdienst

von Dr. Christoph Klotz am 09.11.2021 um 0:27 Uhr

Lieber Kollege Ditzel,
dass die Ärzte das Dispensierrecht fordern ist doch ein hausgemachtes Problem der Apotheker. Man betrachte nur die Apotheke einschließlich "Containerdienst", die der damalige AVWL Chef in Paderborn neben der Notarztpraxis in Paderborn hochgezogen hatte. In Paderborn dürfte er sich damit mehr als unbeliebt unter den Paderborner Kolleginnen und Kollegen gemacht haben. Also warum in so einem Fall nicht gleich "die letzte Meile" direkt in die Notfallpraxis verlegen, dann spart man wenigstens das böse Blut in der Kollegenschaft. Und dann funktioniert vielleicht die Bedarfsbefriedigung für den Patienten viel besser. Denn das ist ja das nächste Problem. Die Zusammenarbeit zw. Arzt und Apotheker für den Notdienst funktioniert nicht reibungslos. Wir haben einmal von unserer Regina gefordert, dass sie sich doch bitte darum kümmern möge, dass die Apotheken von den Ärzten eine Rückmeldung erhalten, auf was man sich im Notdienst einstellen muss, um sich entsprechend beim Großhandel zu bevorraten. Was ist passiert? Ach was soll sich eine Kammerpräsidentin oder jetzige ABDA-Präsidentin auch um so einen Scheiß kümmern..., das bringt ja nicht den ersehnten Glamor...3. Problem der Großhandel. Die NOWEDA, angeblich der beste Freund des Apothekers, wie konziliant reagiert der, wenn der Apotheker am Montag den bestellten Überschuss für den Notdienst zurückgeben will. Recherchieren Sie das einmal. 4. Problem: die Maschenstabilität unseres Apothekennotdienstes. Offizielle Stellen beteuern zwar, dass gegenwärtig die Arzneimittelversorgung in der Fläche im Notdienst unverändert gesichert sei, aber das Apothekensterben wird weitergehen und das Notdienstnetz in der jetzigen Form wird reißen. Wenn dann noch solche Kollegen, wie Friese und Nachwuchs, dabei sind, die meinen im Notdienst sich eine Extrawurst braten lassen zu müssen, dann zeigt das nur, dass auch der Notdienst als zentrale pharmazeutische Aufgabe nur eine Sprechblase aus dem Munde eines Standesfürsten war. Die eigentliche Schande, die Friese auf sein Haupt, das seiner Nachkommen und all derer, die sein Verhalten geduldet haben, geladen hat.
Die Ärzte müssen pro Patient denken und vorbauen, wenn die Apotheker drohen unzuverlässig zu werden.
Fazit: Die Forderung der Ärzte ist nur eine Konsequenz aus dem, was der Berufsstand der Apotheker berufspolitisch verbockt hat.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Dispensierrecht im Notdienst

von Dr. Christoph Klotz am 09.11.2021 um 0:49 Uhr

Nachtrag: Der Klimawandel wird uns noch mehr Situationen bescheren, die dafür sorgen werden, dass unsere Versorgungsstrukturen ganz leicht zusammenbrechen. Deswegen müssen wir lernen mit doppeltem Boden zu arbeiten. Da kann das Dispensierrecht für Ärzte im Notdienst sehr hilfreich sein.

Zweiter Kommentar

von Frank am 08.11.2021 um 6:18 Uhr

Ja echt schön hier mit Conny im Kids Club auf Jamaika.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kein einziger Kommentar

von Conny am 07.11.2021 um 22:12 Uhr

Dann wenigstens schöne Grüsse aus der Karibik. Das Leben kann so schön sein ohne Apotheke !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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