Medienbericht

Kassieren die KVen bei Corona-Schnelltests ab?

Berlin - 04.06.2021, 13:30 Uhr

Laut „Business Insider“ kassierten die 17 KVen in Deutschland für die Abrechnung von Sachkosten plus Durchführung von Corona-Schnelltests bis Mitte Mai insgesamt mehr als 20 Millionen Euro – für „simple Buchhaltertätigkeiten“. (c / Foto: IMAGO / Gutschalk) 

Laut „Business Insider“ kassierten die 17 KVen in Deutschland für die Abrechnung von Sachkosten plus Durchführung von Corona-Schnelltests bis Mitte Mai insgesamt mehr als 20 Millionen Euro – für „simple Buchhaltertätigkeiten“. (c / Foto: IMAGO / Gutschalk) 


Für „simple Buchhaltertätigkeiten“ streichen die Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Abrechnung der Bürgertests Millionenbeträge ein, berichtet „Business Insider“. Und das Branchenmagazin fragt: Wofür eigentlich? Denn für etwaige Kontrollen sind die KVen nicht zuständig. Lediglich in den Aufbau der nötigen IT-Infrastruktur mussten sie demnach nennenswert investieren.

Die Vergütung und Abrechnung für die Durchführung von Bürgertests ist für viele Apotheken ein Ärgernis. Nicht nur, dass sie vielerorts – wie in der Coronavirus-Testverordnung aus dem Hause Spahn vorgesehen – mit 12 Euro ein um 3 Euro geringeres Honorar erhalten als Ärztinnen und Ärzte: Hinzu kommt, dass die für die Abrechnung zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) auch noch eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 2 Prozent einbehalten. Bis Ende Mai waren es sogar 3,5 Prozent gewesen. Diesen Verwaltungskostensatz erhalten die KVen von allen Leistungserbringern, die sonst noch keine Leistungen über sie abgerechnet haben. Die 2 Prozent beziehen sich auf den Gesamtbetrag der Abrechnungen abzüglich der Sachkosten für die Tests. Dabei kommen unter Umständen stattliche Summen zusammen. 

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Jetzt greift das Branchenmagazin „Business Insider“ das Thema auf. Nach einem Bericht des Mediums kassierten die 17 KVen in Deutschland für die Abrechnung von Sachkosten plus Durchführung von Corona-Schnelltests bis Mitte Mai insgesamt mehr als 20 Millionen Euro – für „simple Buchhaltertätigkeiten“, wie es heißt. Denn: „Kontrolliert werden die Angaben der Testanbieter nicht. Die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder rechnen sie eins zu eins mit dem Bund ab, weil sie aus Datenschutzgründen gar nicht in die Tiefe gehen dürfen. Der Aufwand der KVen scheint also überschaubar zu sein — und doch verdienen mit den Test-Abrechnungen selbst Millionen.“

Für die KVen springen so nach Recherchen des Magazins sechs- bis siebenstellige Summen heraus. In Baden-Württemberg etwa rechnete die KV bis Mitte Mai laut „Business Insider“ insgesamt 106,3 Millionen Euro für Teststellen-Betreiber ab. Dafür kassierte die KV demnach als „Verwaltungskostenersatz“ knapp 3 Millionen Euro. In Bayern habe die KV bis Mitte Mai knapp 2,5 Millionen Euro erhalten, in Hessen etwa 1,9 Millionen Euro, in Berlin um die 1,1 Millionen Euro. Insgesamt rechneten die Kassenärztlichen Vereinigungen den Angaben zufolge bis Mitte Mai rund 730 Millionen Euro für Corona-Schnelltests ab – und bekamen dafür bis zu dem Stichtag insgesamt 20,5 Millionen Euro. „Angesichts der Summen stellt sich die Frage, ob die Höhe angemessen ist“, schreibt das Branchenblatt.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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