Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz

Shop Apotheke erwartet Einspruch der EU-Kommission beim Boni-Verbot

Berlin - 05.11.2020, 14:45 Uhr

Die Coronakrise hat dem Versandhändler Shop Apotheke einen weiteren Schub beschert. (Foto: Shop Apotheke)

Die Coronakrise hat dem Versandhändler Shop Apotheke einen weiteren Schub beschert. (Foto: Shop Apotheke)


Wird die Europäische Kommission das mit dem VOASG im Sozialrecht neu geregelte Rx-Boni-Verbot akzeptieren? Stefan Feltens, CEO von Shop Apotheke, geht nicht davon aus. Er erwartet, dass die Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten wird. Der Arzneimittelversender boomt derweil weiter – auch durch eine fragwürdige Kooperation mit dem Telemedizinanbieter Zava.

Die Coronakrise beflügelt das Geschäft der europäischen Arzneimittelversender. Heute legte die Shop Apotheke mit Sitz in Venlo/Niederlande die Zahlen für das dritte Quartal 2020 vor. Laut Pressemitteilung steigerte der Versender seinen Konzernumsatz mit 239 Millionen Euro um fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate ergibt sich nach Angaben von Shop Apotheke somit ein Gesamtumsatz von gut 703 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von rund 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresumsatz in Höhe von 
509 Millionen Euro.

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Bei einem Pressebriefing zu den heute veröffentlichten Ergebnissen zum dritten Quartal der Shop Apotheke Europe sprach CEO Stefan Feltens auch das Verbot der Rx-Boni an: „Wir gehen davon aus, dass das VOASG im Dezember noch in Kraft tritt. Uns wundert, dass die Bundesregierung, der Bundestag und der Bundesrat bereit sind, in einen Konflikt mit der Europäischen Kommission einzutreten“, so Feltens.

Er sei fest davon überzeugt, dass das Gesetz europarechtswidrig ist und verwies dabei auf das EuGH-Urteil von 2016. Darin werde von einem strukturellen Wettbewerbsnachteil für EU-ausländische Marktteilnehmer gesprochen. Im Laufe der Jahre habe sich seit dieser Urteilsverkündigung faktisch nichts geändert. „Jetzt ist ganz entscheidend, wie sich die Europäische Kommission dazu positionieren wird“,  sagte Feltens. „Wir gehen davon aus, dass die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen den Bund einleiten wird.“

Positionierung der Kassen bleibt abzuwarten

Zudem bleibe abzuwarten, wie sich die Krankenkassen in Deutschland diesbezüglich positionieren werden, ergänzte Feltens. In der Vergangenheit habe es immer wieder Äußerungen gegeben, dass auch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) davon ausgehe, dass ein Boni-Verbot rechtswidrig sei. „Es gibt da noch einige Fragezeichen, Themen, die noch nicht abschließend geklärt sind“, sagte Feltens weiter. Deshalb habe man noch keine Entscheidung gefällt, wie man mit dem Boni-Verbot umgehen werde.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


Robert Hoffmann, Redakteur DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Das Gegenteil von Arzt

von Dr. House am 05.11.2020 um 15:40 Uhr

Zitat von der Seite der Shop Apotheke: "Indikation auswählen und Fragebogen ausfüllen
Beantworten Sie einen kurzen medizinischen Fragebogen und wählen Sie Ihr bevorzugtes Medikament.. Kommt man mit einer Diagnose dank Eigenanamnese des Patienten durch das medizinische Staatsexmen?
Also man kann mir ja viel erzählen, aber sorry Ärzte die sowas mitmachen sind einfach keine Ärzte. Ich kann mir auch beim besten WIllen nicht vorstellen wie man im Laufe seiner Karriere dort landet. Merkt man plötzlich , dass man misanthropisch veranlagt ist, oder wie?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Das Gegenteil von Arzt

von Alfons Neumann am 06.11.2020 um 2:24 Uhr

tja, solche "Ärzte"-Strolche (wie auch die "Attest-von-der-Masken-Pflicht-Befreiung-Fake-Aussteller") gehören eh strafrechtlich verfolgt. Unsereiner hätte da wohl schon längst ein Verfahren am Hals.
Aber mal das System weiter gedacht: Wir können ein solches "System" natürlich auch direkt als "niederschwelliges Angebot in der Apotheke vor Ort" anbieten, geht schneller als Versand. Derzeit ist eh eRezept-Wilder-Westen angesagt. jegliche Kammer-Behinderungen sind daher als illegale Beschränkung des freien EU-Wirtschaftsverkehrs zu werten, wir schaffen die Rezeptflicht somit "digitalisiert" und "convieniant" ab, entsprechende Ärzte-Honorare sind dann natürlich für uns zu bezahlen... nur, legen wir es auf ein solches System eigentlich an ??
Heutzutage Time is Money, alles hat seinen Preis, is halt Zeitgeist, Convieniance, Digitalisierung first Bedenken second.... Doctores, paßt bloß auf! Arbeitet einfach mit uns direkt vor Ort zusammen und gebt "DrEd" u.Co. die Rote Karte, sonst seit ihr auch bald obsolet ! Die generelle Einbahnstraße zu unseren Lasten funktioniert nicht mehr !!

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