Diabetes mellitus Typ 2

Gewichtsreduktion kann Blutzucker normalisieren

01.04.2019, 14:15 Uhr

Besonders übergewichtigen Diabetikern fällt es schwer, Gewicht zu reduzieren, dabei ist der Nutzen auf den Blutzuckerspiegel enorm. (c / Foto: Yakobchuk Olena / stock.adobe.com)

Besonders übergewichtigen Diabetikern fällt es schwer, Gewicht zu reduzieren, dabei ist der Nutzen auf den Blutzuckerspiegel enorm. (c / Foto: Yakobchuk Olena / stock.adobe.com)


Nichtmedikamentöse Maßnahmen bilden die Basis der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Sie umfassen die Schulung der Betroffenen, eine Ernährungstherapie, die Steigerung der körperlichen Aktivität sowie gegebenenfalls eine Rauch-Entwöhnung. Doch die Motivation zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist besonders schwierig bei übergewichtigen Diabetikern, die bisher einen ungesunden Ernährungsstil pflegten.

Dabei hatte eine 2018 in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet publizierte Studie gezeigt, dass gerade übergewichtige Typ-2-Diabetiker von einer Gewichtsreduktion besonders profitieren können. In diese Untersuchung waren 298 übergewichtige Patienten eingeschlossen worden, deren Diabetes-Diagnose maximal sechs Jahre zurücklag. Sie unterzogen sich einer Abnehmkur, bei der sie über drei bis fünf Monate maximal rund 850 Kilokalorien pro Tag zu sich nehmen durften, überwiegend als Formuladiät. Ziel war es, mindestens 15 kg abzunehmen. Der Erfolg war beeindruckend: Bei 85 Prozent der Patienten, die dieses Ziel erreicht hatten, kam es zu einer Diabetes-Remission. Doch selbst bei denen, die dank der Diät nur zwischen 5 bis 10 kg verloren, gelang bei rund jedem Dritten (34 Prozent) eine Normalisierung des Blutzuckers. Insgesamt benötigten nach 12 Monaten fast die Hälfte der Teilnehmer (46 Prozent, N=68) keine Antidiabetika mehr.

Beratung zu Antidiabetika in der Apotheke

Wenn die Möglichkeiten der Basismaßnahmen ausgeschöpft sind, empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) „Therapie des Typ-2-Diabetes“ als nächsten Schritt eine Arzneimittel-Monotherapie. Dennoch sollten – und diese Empfehlung gilt auch für alle weiteren Therapiestufen – die Basismaßnahmen beibehalten werden. Wirkstoff der ersten Wahl ist Metformin. Ein großer Vorteil dieses Antidiabetikums: Es ist keine  Gewichtszunahme zu befürchten. In klinischen Studien war unter Metformin entweder ein stabiles Körpergewicht oder eine Gewichtsabnahme zu beobachten – was die Praxis bestätigt. Zu den unerwünschten Wirkungen von Metformin zählen Magen-Darm-Beschwerden. Ein hilfreicher Tipp im Beratungsgespräch: Nehmen Sie das Medikament zu einer Mahlzeit oder direkt vor dem Schlafengehen ein, das mildert die Nebenwirkungen.

Für Hypoglykämie-Symptome immer wieder sensibilisieren

Bei Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen von Metformin kommen Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid, Gliclazid, Glimepirid, Gliquidon) als Alternative infrage. Magen Darm-Beschwerden sind bei diesen Wirkstoffen kaum von Bedeutung, dafür drohen Unterzuckerungen. Jeder Diabetiker sollte die wichtigsten Hypoglykämie-Symptome (Zittern, Schwitzen, beschleunigter Herzschlag, Müdigkeit) kennen. Doch es schadet nicht, im Beratungsgespräch darauf hinzuweisen, dass für diesen Notfall Traubenzucker in Griffweite sein sollte.

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Auch bei einer Behandlung mit Alpha-Glukosidasehemmern (Acarbose, Miglitol) muss nicht mit einer Gewichtszunahme gerechnet werden. Ein wichtiger Beratungstipp bei diesen Wirkstoffen: Sie sollten mit dem ersten Bissen einer Hauptmahlzeit, jedoch spätestens 15 Minuten nach Beginn, eingenommen werden, denn dann wird die maximale Wirksamkeit erreicht. Hintergrund dafür ist das Wirkprinzip der Alpha-Glukosidasehemmer. Sie hemmen im Dünndarm Alpha-Glukosidasen, die am Abbau von Di-, Oligo- und Polysacchariden beteiligt sind. Dadurch erfolgt die Freisetzung und Resorption der Glukose langsamer. Die postprandialen Blutzuckerspiegel sind geringer, die Betazellen werden entlastet. Damit die Substanzen diese Wirkung entfalten können, ist die gleichzeitige Aufnahme mit der Nahrung obligat.



Dr. Claudia Bruhn, Apothekerin / Autorin DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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