Infektionsforschung

Zwei neue Typhus-Superbakterien entdeckt

Remagen - 06.02.2019, 09:00 Uhr

Zwei arzneimittelresistente Typhuserreger wurden in Bangladesch gefunden. (Foto: imago)

Zwei arzneimittelresistente Typhuserreger wurden in Bangladesch gefunden. (Foto: imago)


In Bangladesch wurden zwei neue, äußerst arzneimittelresistente Typhuserreger gefunden. Sie besitzen mehrere unzusammenhängende Genmutationen, die in Stämmen unterschiedlicher geografischer Herkunft Resistenzen herbeiführen. Dies könnte die schnelle globale Ausbreitung beschleunigen, so die Befürchtung

Ein Team von Wissenschaftlern aus Bangladesch, den Niederlanden und Frankreich hat im Rahmen des EU-finanzierten Projekts COMPARE (COllaborative Management Platform for detection and Analyses of (Re-)emerging and foodborne outbreaks in Europe) in Bangladesch zwei neue höchst arzneimittelresistente Typhuserreger entdeckt. Die Ergebnisse ihrer Forschung wurden in der Online-Fachzeitschrift „mBio“ veröffentlicht.

Resistent gegen Fluorchinolone und Ceftriaxon

„Zum ersten Mal wird eine neue Linie von Salmonella typhi beschrieben die eine starke Resistenz gegenüber Fluorchinolon-Antibiotika zeigt,“ berichtet die Mérieux Foundation, Projektpartner von COMPARE in einer Pressemitteilung. Außerdem sei ein neuer Stamm gefunden worden, der äußert resistent gegenüber Ceftriaxon ist. Das Cephalosporin der dritten Generation werde bei Typhus am häufigsten verschrieben. Die beiden Stämme sprächen jedoch immer noch auf Azithromycin an, das einzige verbleibende orale Antibiotikum mit einer belegten Wirksamkeit gegenüber Salmonella typhi.

Ungeachtet dessen seien in Südasien aber bereits Azithromycin-resistente Stämme gefunden worden und ein breiter Einsatz des Antibiotikums könnte zu einer raschen Resistenzentwicklung führen, so die Befürchtung. Dann blieben nur noch kostspielige intravenöse Therapien, etwa mit Carbapenem-Antibiotika, die jedoch in Entwicklungsländern nicht zugänglich seien.

Vorboten einer beginnenden globalen Pandemie?

Beide neuen Stämme unterscheiden sich nach Angaben der Forscher von demjenigen, der nachweislich für den höchst arzneimittelresistenten Typhus-Ausbruch Anfang 2018 in Pakistan verantwortlich war. „Es existieren mehrere unzusammenhängende Genmutationen, die Resistenzen in Stämmen unterschiedlicher geografischer Herkunft herbeiführen“, erläutern die Autoren. Dabei halten sie eine Epidemie, die auf verschiedene Quellen zurückgeht, für eine erheblich größere Bedrohung, denn die schnelle globale Ausbreitung wird damit beschleunigt. „Das Aufkommen dieser extrem resistenten Stämme in Pakistan und nun auch in Bangladesch könnte Vorbote einer beginnenden globalen Pandemie von höchst arzneimittelresistenten Stämmen sein“, warnt Hubert Endtz, Direktor der Angewandten Forschung bei der Mérieux Foundation, in der Mitteilung. „Angesichts der schwindenden Therapieoptionen ist es dringend geboten, die Impfprogramme für Risikopopulationen zu beschleunigen.

Laut Weltgesundheitsorganisation erkranken jedes Jahr etwa 11 bis 20 Millionen Menschen an Typhus. Zwischen 128 000 und 161 000 sterben daran. Impfungen bieten einen gewissen Schutz, und die Erkrankung kann meist mit Antibiotika behandelt werden. Die vermehrt beobachteten Arzneimittelresistenzen geben jedoch Anlass zu großer Sorge.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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