Pharmaverband zu Lunapharm-Affäre

Weg mit den Parallelimporten?

Stuttgart / Berlin - 31.08.2018, 15:15 Uhr

Schiebt ein Verbot des Parallelimportes von Arzneimitteln kriminellen Machenschaften wie bei Lunapharm einen Riegel vor? (s / Foto: picture alliance)

Schiebt ein Verbot des Parallelimportes von Arzneimitteln kriminellen Machenschaften wie bei Lunapharm einen Riegel vor? (s / Foto: picture alliance)


Die Lunapharm-Taskforce hat dieser Tage ihre Ergebnisse für mögliche Konsequenzen aus dem Arzneimittelskandal präsentiert. Unter anderem befürworten die Experten um Professor Martin Schulz (AMK) und Professor Wolf-Dieter Ludwig (AkdÄ) die Streichung der Importquote und ein Verbot des Parallelvertriebs. Eine gute und konstruktive Idee? DAZ.online hat sich beim Pharmaverband vfa umgehört.

Am Dienstag hat die Lunapharm-Taskforce ihren vorläufigen Untersuchungsbericht vorgelegt. Das Expertengremium, darunter Dr. Ulrich Hagemann, Professor Martin Schulz (AMK), Professor Wolf-Dieter Ludwig (AkdÄ), erachten unter anderem die Abschaffung der Importförderung (§ 129 Abs. 1 Satz Nr. 2 SGB V) für sinnvoll, um künftig kriminelle Arzneimittelzwischenfälle wie bei Lunapharm zu vermeiden. Auch ein Verbot des Parallelimports sollte man ihrer Meinung nach diskutieren. Doch: Hilft dies wirklich, kriminelle Machenschaften wie bei Lunapharm zu verhindern? Die Meinung hierzu ist in der Pharmabranche – verständlicherweise – nicht einheitlich. Aber was sagen die Hersteller selbst dazu? Was denkt der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) darüber? DAZ.online hat sich die Position des vfa genauer angeschaut.

vfa: Parallelimport gefährdet Arzneimittelsicherheit

Erst jüngst hatte sich die Geschäftsführerin des vfa, Birgit Fischer, in der Tageszeitung „Welt" zum praktizierten Parallelimport von Arzneimitteln im Zusammenhang mit der Arzneimittelsicherheit geäußert: „Dieser sogenannte Parallelimport kann die Sicherheit von Arzneimitteln gefährden“, erklärte Fischer. Auch gegenüber DAZ.online bestätigt der Verband diese Position. Handelswege über verschiedene Gesundheitssysteme seien manipulationsanfälliger als die direkte Belieferung eines Gesundheitssystems, erklärt ein vfa-Sprecher. Zusätzlich bringt der Verband forschender Arzneimittelhersteller einen weiteren Aspekt auf den Tisch: Der vfa sieht den Parallelimport auch deswegen kritisch, weil er immer wieder zu Versorgungsengpässen in Ländern führe, aus denen Medikamente parallelexportiert werden. Und das trifft nach Ansicht des vfa auch zunehmend Deutschland.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Via Forderung

von Jörg Geller am 31.08.2018 um 16:31 Uhr

Arzneimittel werden in allen Ländern dieser Welt gestohlen. Es ist noch nicht so lange her, dass in Deutschland ein Logistiker beraubt wurde und alle Arten von Arzneimitteln, Originale, Generika und auch Importe betroffen waren. Wer stiehlt wird auch einen Absatzkanal haben. Das kann ein unseriöser Apotheker, ein unseriöser Großhändler oder letztlich auch ein Importeur sein. Alles das hat es schon gegeben. Die Fakten im Falle Lunapharm liegen noch nicht alle auf dem Tisch. Lückenlose Aufklärung tut Not. Wenn der vfa nun die ganze Branche an den Pranger stellt, disqualifiziert er sich als Verband. Zu offensichtlich ist sein Interesse. Der vfa ist nicht an Einsparungen interessiert sondern an den Gewinnen seiner Mitglieder. Das ist legitim. Aber seine unsachliche Argumentation zeigt nur eins. Importe wirken noch immer preisdämpfend. Ohne sie gäbe es Monopole, die niemand wollen kann.

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