Weiterer Il-23-ANtikörper gegen Plaque-Psoriasis

Gute Daten für Risankizumab bei Schuppenflechte

Stuttgart - 02.03.2018, 17:30 Uhr

Die Zulassung für Risankizumab hat Abbvie noch nicht beantragt, aber die Studiendaten sind vielversprechend. (Foto: Ольга Тернавская / stock.adobe.com)

Die Zulassung für Risankizumab hat Abbvie noch nicht beantragt, aber die Studiendaten sind vielversprechend. (Foto: Ольга Тернавская / stock.adobe.com)


Interleukin 17A oder Interleukin 23? Oder vielleicht doch Interleukin 12?  Wogegen richten sich all die Antikörper Guselkumab, Ixekizumab, Tildrakizumab, Sekukinumab und Ustekinumab in der Behandlung der Psoriasis? Welche treffen zwei Targets und welche „Mabs“ haben nur eine Endstation? Und wäre es der Verwirrung nicht bereits genug: Abbvie möchte mit IL-Antikörpern bei Schuppenflechte auch „mitspielen“ – und hat erste Daten zu Risankizumab veröffentlicht. Das Ziel: Interleukin 23.

Es ist schwierig, den Überblick über all die Antikörper zu behalten: Ustekinumab, Sekukinumab, Ixekizumab, Guselkumab und vielleicht irgendwann noch Tildrakizumab. Allerdings auch positiv. Es bedeutet, es tut sich etwas in der Forschung. Als wichtige Interleukin-Targets wurden bei Psoriasis Interleukin 12, Interleukin 17A und Interleukin 23 identifiziert. Und mit Risankizumab gibt es in nicht allzu ferner Zukunft noch einen neuen Kandidaten in der Therapie der Psoriasis.

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Die Phase-III-Studie IMMhance untersuchte Risankizumab an 508 Patienten – doppelblind und randomisiert. Als primären Endpunkt der IMMhance-Studie definierte Abbvie eine:

  • PASI-Reduktion um 90 Prozent,
  • „Nahezu erscheinungsfreie beziehungsweise erscheinungsfreie Haut“ nach einer Therapiedauer mit Risankizumab von 16 Wochen.

PASI, was ist das?

Der PASI, Psoriasis Area Severity Index, bestimmt den Schweregrad der Schuppenflechte. Rötung, Verdickung, Schuppung und die Ausdehnung der von Psoriasis betroffenen Hautfläche fließen als Bewertungsparameter mit ein. Eine PASI 90-Reduktion entspricht einer Symptomverbesserung der Haut um 90 Prozent vom Ausgangswert.

Bei IMMhance litten die Patienten an mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis. Auffällig bei den Probanden der Studie war das hohe Körpergewicht (durchschnittlich 92 Kilogramm).

Risankizumab: 47 Prozent der Psoriatiker erscheinungsfreie Haut nach 16 Wochen

Mehr als die Hälfte der Psoriasis-Patienten hatte vor Risankizumab bereits Biologicals zur Therapie ihrer Erkrankung erhalten. Die Psoriatiker erhielten entweder Risankizumab 150 mg oder Placebo in Woche Null und Woche vier. Nach 16 Wochen erreichten unter Risankizumab 73 Prozent der Patienten ein PASI-90-Ansprechen, 47 Prozent eine komplett erscheinungsfreie Haut (PASI-100). Die mit Placebo-therapierten Patienten hatten ein PASI-90-Ansprechen von 2 Prozent, eine komplett erscheinungsfreie Haut wurde mit Placebo bei 1 Prozent der Psoriatiker erreicht.

Il-23 wichtiges Target bei Psoriasis

Risankizumab richtet sich gegen Interleukin 23, hier selektiv gegen die Untereinheit p19 (IL-23p19). Interleukin 23 spielt eine bedeutende Rolle im Entzündungsgeschehen der Schuppenflechte: Das Zytokin aktiviert eine bestimmte Subpopulation von T-Zellen, TH1 und TH17, welche – TNF-α-vermittelt – die Inflammation bei Psoriasis triggern. Untersucht man die Haut von Patienten mit Plaque-Psoriasis, lassen sich dort erhöhte Spiegel an IL-23 nachweisen.

IL-Antikörper bei Psoriasis: Von Ustekinumab über Sekukinumab und Ixekizumab zu Guselkumab

Bereits 2009 brachte Janssen Cilag den ersten IL-Antikörper bei Schuppenflechte auf den Markt: Ustekinumab  (Stelara®) neutralisiert neben IL-23 auch das Zytokin IL-12. 2012 zog Novartis mit Sekukinumab nach. Cosentyx® richtet sich selektiv gegen IL-17A. Seit 1. März 2017 mischt auch der Bad Homburger Pharmakonzern Lilly bei der Antikörper-basierten Therapie der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis mit, und erweiterte mit Ixekizumab (Handelsname Taltz®) das Portfolio für Schuppenflechte-Patienten. Wie bereits bei Sekukinumab richtet sich Ixekizumab gegen die Zielstruktur IL-17A. Jüngster Sprößling ist Guselkumab in Tremfya®. Guselkumab ist der erste selektive IL-23-Antikörper, der bei Schuppenflechte zum Einsatz kommt. Tremfya® erhielt im November 2017 die EU-weite Zulassung. Almiralls Tildrakizumab neutralisiert ebenfalls spezifisch IL-23. Allerdings hängt der humanisierte Antikörper seit März 2017 in der Zulassungsschleife bei der EMA und lässt derzeit noch auf sich warten.

Guselkumab war erster IL-23-Antikörper

Die Bedeutung von IL-23 bei Psoriasis haben auch andere Pharmakonzerne erkannt und nutzen IL-23 bereits als Target. Der erste selektive IL-23-Antikörper erhielt im November 2017 die EU-weite Zulassung: Guselkumab in Tremfya®. Janssen überholte mit Guselkumab den ebenfalls selektiven IL-23-Antikörper Tildrakizumab. Bereits vor einem Jahr, im März 2017, hatte Almirall Tildrakizumab bei der EMA zur Zulassung eingereicht – jedoch, bislang offenbar erfolglos.

Risankizumab testete Abbvie nicht nur gegen Placebo. In ultIMMA-1 und ultIMMA-2 verglich der Pharmakonzern seinen IL-23p19-Antikörper Head-to-Head mit Ustekinumab (Stelara®). Laut Abbvie erreichten die Patienten unter Risankizumab ein signifikant besseres Ansprechen als unter Ustekinumab. Ustekinumab richtet sich dual gegen IL-12 und IL-23.

Auch im direkten Vergleich (IMMvent) zu Abbvies hauseigenem TNF-α-Antagonisten Adalimumab (Humira®) zeigte sich nach Mitteilung des Unternehmens Risankizumab als signifikant überlegen.

Mit Patentablauf von Humira®: Kommt Abbvies neuer Psoriasis-Antikörper Risankizumab?

Abbvie ist somit kein neuer Player im Psoriasis-Markt: Das Pharmaunternehmen darf sich den Blockbuster Humira® mit dem Wirkstoff Adalimumab aufs Konto buchen. Nur der Patentschutz des humanen TNF-α-Antikörpers neigt sich dem Ende zu, im Herbst dieses Jahres ist Schluss. Biosimilar-Anbieter muss man nicht großartig suchen, die Frage nach dem „Warum?“ kann man sich sparen: Humira® war bislang eine Cash-Cow.

Umsatzsteigerung bei Humira® trotz Biosimilars

Der Antikörper verschaffte Abbvie 2017, laut Statista, einen Umsatz von über 18 Milliarden US-Dollar – und steigerte diesen damit nochmals um fast 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch auch in den Vereinigten Staaten wollen Adalimumab-Biosimilars Humira® Konkurrenz machen: Seit September 2016 ist Amgens Amjevita® zugelassen und seit August des vergangenen Jahres Cyltezo® von Boehringer. Doch Cyltezo® vermarktet Boehringer in den USA Medienberichten zufolge nicht – Abbvie ficht derzeit einen Patentstreit mit den Ingelheimern.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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