GWQ-Arzneimittelforum

Max Müller und Andreas Kiefer wollen sich nicht streiten

Düsseldorf - 29.09.2017, 11:30 Uhr

Keine Eskalation: Bei einer Veranstaltung des Kassen-Dienstleisters GWQ diskutierten BAK-Präsident Andreas Kiefer (3.v.l) und DocMorris-Vorstandsmitglied Max Müller (re.) erstaunlich konstruktiv, waren aber in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung. (Foto: GWQ)

Keine Eskalation: Bei einer Veranstaltung des Kassen-Dienstleisters GWQ diskutierten BAK-Präsident Andreas Kiefer (3.v.l) und DocMorris-Vorstandsmitglied Max Müller (re.) erstaunlich konstruktiv, waren aber in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung. (Foto: GWQ)


Kiefer hofft auf „Renaissance der Idee Freiberuflichkeit“

Auch Kiefer sieht das heutige Vergütungsmodell „an eine Grenze gekommen“. Denn die Honorierung der Packungsabgabe führe zu einer Mischkalkulation bei der Beratung: Wenn ein Patient eine sehr aufwendige Beratung benötigt, muss diese über mehrere unkomplizierte Abgaben mit weniger Beratung mitfinanziert werden. Diese Mischkalkulation bevorzuge aber zwangsläufig größere Apotheken – und Versandhändler ganz besonders.

GWQ-Vorstand Dr. Johannes Thormählen ist der Meinung, dass ein Verbot des Versands mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nicht nur unrealistisch, sondern auch unsinnig sei. Die Menschen wollten im Versand bestellen, und auch die Situation im viel beschworenen ländlichen Raum werde sich ändern.

Auch bei der Frage, wie die Arzneimittelversorgung im Jahr 2030 wohl aussehen werde, zeigten sich grundlegende Unterschiede zwischen dem Apothekerkammer-Präsidenten und dem DocMorris-Vorstand. Während Kiefer sich überzeugt gab, dass auch dann noch inhabergeführte Apotheken die Bevölkerung versorgen werden und sogar eine bevorstehende „Renaissance der Idee Freiberuflichkeit“ prognostizierte, sah Müller „immensen Druck“ auf das Gesundheitswesen zukommen. Vor allem die Sozialabagen in einem Hochlohnland wie Deutschland würden einen enormen Spardruck aufbauen, so Müller. Dazu komme der externe Druck durch neue Player – „ob sie nun Amazon, Google oder ganz anders heißen“. Für Thormählen schließen sich diese Entwicklungen nicht zwangsläufig aus: „Wir werden 2030 alles nebeneinander haben: Offizin-Apotheken, Versandapotheken und andere Player.“

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In einer früheren Version dieses Artikel stand, Max Müller habe prognostiziert, die zeitaufwändige Beratungsleistung in den Apotheken gerate aufgrund der hohen Arbeitskosten zukünftig unter Spardruck. Das war ein Missverständnis, Herr Müller meinte die steigenden Sozialausgaben allgemein, die das Gesundheitswesen belasten. Dieser bedauerliche Fehler wurde korrigiert.

Benjamin Wessinger, 29.09.2017, 22.00 Uhr



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