TK-Innovationsreport 2017

Überschaubarer Nutzen zu hohen Preisen

Berlin - 20.09.2017, 16:35 Uhr

Die TK beschwert sich darüber, dass die Preise neuer Arzneimittel ansteigen, während nur wenige wirkliche Innovationen entstehen. (Foto: avarand/fotolia)

Die TK beschwert sich darüber, dass die Preise neuer Arzneimittel ansteigen, während nur wenige wirkliche Innovationen entstehen. (Foto: avarand/fotolia)


Wie sind die Preise in den Griff zu bekommen?

Angesichts der mageren Innovationskraft wurmen die hohen Preise natürlich besonders. Baas verwies darauf, dass er schon im vergangenen Jahr von einer Verdoppelung der durchschnittlichen Preise für neue Arzneimittel berichtet habe. Aktuell sei der durchschnittliche Preis pro Packung noch einmal um etwa 1000 Euro auf rund 2500 Euro gestiegen – ein Plus von 73 Prozent. Die Umsätze der neuen Arzneimittel im Jahr nach der Markteinführung hätten sich fast verfünffacht.

Baas: „Wir gehen davon aus, dass die Industrie in den kommenden Jahren die Preise noch weiter nach oben treiben wird. Daher muss die Politik gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode Nägel mit Köpfen machen und weitere kostendämpfende Maßnahmen ergreifen.“ Damit meint er eine Anhebung des Herstellerabschlags von sieben auf zehn Prozent. Das sei zwar ein „Knüppel“ – aber er sei gar nicht so dumm, da er jedenfalls sicher treffe. Andere Instrumente, insbesondere das Schließen von Lücken im AMNOG-Verfahren hält er zwar auch für nötig – aber sie wirken nicht so schnell.  

Zu schnell in den Leitlinien?

Baas und Glaeske beklagten überdies, dass neue Arzneimittel sehr früh in Leitlinien übernommen werden. „Das wird oft missverstanden als Empfehlung“, so Glaeske. Dabei zeigten sich im wirklichen Leben, im Versorgungsalltag, dass noch so manche Tücken auftreten können. So wurden für sechs der aktuell bewerteten Arzneimittel Rote-Hand-Briefe ausgesendet; für zwei davon (Dimethylfumarat und Idelalisib) sogar zweimal innerhalb der ersten beiden Behandlungsjahre. Auch der Ende 2016 eingeführte Einsatz von Blaue Hand- Schulungsmaterialien traf vier Arzneimittel  (Cholsäure, Delamanid, Elosulfase alfa und Macitentan).

Glaeske sieht zudem ein Problem in der zunehmenden Zahl beschleunigter Zulassungen. Hier seien die unerwünschten Wirkungen ein noch größeres Problem – was auch nicht weiter verwundert, da die Zulassungsregelungen hier weniger Studien einfordern. 36 solcher Arzneimittel gebe es schon auf dem deutschen Markt. Gerade sie bedürften einer besonderen Beobachtung nach der Zulassung.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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