Bundestagswahl

Gröhe: „Offensive ländlicher Raum“ auch für Apotheken

Berlin - 12.09.2017, 09:25 Uhr

Steht zum Rx-Versandverbot: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will insbesondere Apotheken in ländlichen Gebieten schützen. (Foto: Schelbert)

Steht zum Rx-Versandverbot: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will insbesondere Apotheken in ländlichen Gebieten schützen. (Foto: Schelbert)


Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe rückt von seiner Positionierung im Versandhandels-Konflikt nicht ab. Im Rahmen des „Wahlradar Gesundheit“, der PR-Aktion der ABDA zur Bundestagswahl, kündigt Gröhe an, insbesondere Apotheker auf dem Land zu unterstützen und auch das Apothekenhonorar „im Auge zu behalten“.

In dieser letzten, finalen Wahlkampfphase macht Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Zukunft der Arzneimittelversorgung zu einem seiner Lieblingsthemen. In der vergangenen Woche hielt der Minister eine Rede beim Apothekerverband Nordrhein, in der er zum wiederholten Male ankündigte, sich weiterhin für das Rx-Versandverbot einzusetzen. Am morgigen Mittwoch steht Gröhe auf der Bühne des Deutschen Apothekertages. Auch bei diesem Auftritt dürfte Gröhe leichtes Spiel haben.

Und auch die Antworten des Ministers auf die Fragen seines Wahlkreis-Apothekers entsprechen genau dem Kurs, den Gröhe schon vor Monaten, also kurz nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung, eingeschlagen hatte. Laut der Antwort, die die ABDA am gestrigen Montagabend auf der Internetseite des „Wahlradar Gesundheit“ veröffentlicht hat, fordert der Minister, dass jeglicher Preiswettbewerb im Arzneimittelmarkt vermieden werden müsse. Gröhe wörtlich: „Es darf keinen aggressiven Preiswettbewerb geben, der die flächendeckende Rundum-Versorgung mit Präsenz-Apotheken gefährdet. Wir treten als Union für ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln ein. Das wird für uns ein ganz wichtiger Punkt bei den Koalitionsverhandlungen werden.“

Doch der Wahlkreis-Apotheker aus dem Wahlkreis Neuss 1, in dem Gröhe bei den vergangenen drei Bundestagswahlen immer das Direktmandat holte, wollte noch mehr wissen. Auf die Frage, wie der Minister die Honorierung der Gemeinwohlpflichten der Apotheker bewertet, antwortet der CDU-Politiker zunächst, dass die Einführung der Notdienstpauschale richtig gewesen sei. Gröhe erwähnt auch die Anpassung der Vergütung im Rezepturbereich und bei der BtM-Abgabe. Konkrete Versprechen macht der Minister nicht. Aber: „Wir werden die angemessene Vergütung der Versorgungsleistungen auch weiterhin im Blick behalten.“

Wie werden Apotheker aufs flache Land gelockt?

Schließlich geht es noch um die Nachwuchssorgen der Apotheker. Der Wahlkreis-Botschafter fragt, welches Rezept Gröhe dafür habe, mehr Apotheker auch in ländliche Regionen zu locken. Gröhe antwortet: „Die Zahl der Beschäftigten in öffentlichen Apotheken ist in den letzten 10 Jahren stetig gestiegen – das zeigt, dass die Apotheke ein attraktiver Arbeitsplatz ist. Und dabei spielen das hohe Fachwissen der Apothekerinnen und Apotheker und die unmittelbare persönliche Verantwortung in der Apotheke eine ganz entscheidende Rolle. Deshalb werden wir uns weiter für die inhabergeführte Apotheke stark machen – überall in Deutschland.“

Aus Sicht des Ministers müssen für mehr Fachkräfte „gute Rahmenbedingungen“ geschaffen werden. Gröhe wörtlich: „Gibt es etwa einen Arbeitsplatz für die Partnerin oder den Partner, gute Kitas und Schulen für die Kinder bis hin zur schnellen Internetverbindung? Hier greifen viele Bereiche ineinander. CDU und CSU wollen durch eine ‚Offensive Ländlicher Raum‘ in den kommenden vier Jahren die Voraussetzungen für eine gute Entwicklung in allen Regionen schaffen.“

Auf die letzte Frage antwortet Gröhe eher unkonkret. Es geht darum, welche Rolle die Apotheker in der zunehmend älter werdenden Gesellschaft spielen sollen. Wie schon in anderen Beiträgen zur Arzneimittelversorgung weist der CDU-Politiker darauf hin, dass pro Jahr etwa 250.000 Menschen aufgrund unerwünschter Neben- oder Wechselwirkungen ins Krankenhaus kommen. Außerdem gebe es sehr viele Menschen, die Gesundheitsinformationen nur schwer verstehen könnten. Dass die ABDA der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ beigetreten sei, erfreue ihn, erklärt Gröhe. Welche neuen Aufgaben oder Dienstleistungen die Apotheker in der Versorgung übernehmen könnten, beantwortet Gröhe allerdings nicht.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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