Analyse des „Handelsblatt“

Wer sind die Top 30 in der Pharma-Branche?

Berlin - 20.04.2017, 13:45 Uhr

Das Handelsblatt hat eine Liste der 30 weltweit größten Pharmaunternehmen erstellt. (Foto: dpa)

Das Handelsblatt hat eine Liste der 30 weltweit größten Pharmaunternehmen erstellt. (Foto: dpa)


Die 30 größten Pharmakonzerne der Welt stehen wirtschaftlich gut da. Zusammen genommen haben sie ihre Umsätze im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent auf 600 Milliarden Dollar gesteigert, die Rendite ist üppig. Doch auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind im Vergleich zu anderen Branchen hoch. Als einziges Familienunternehmen spielt Boehringer Ingelheim in der Top Liga mit.

Von solchen Zahlen können andere Branchen nur träumen: 22 Prozent betrug die operative Durchschnittsrendite der 30 weltweit größten Pharmaunternehmen im vergangenen Jahr; zusammengenommen brachten sie es auf einen Nettogewinn von 130 Milliarden Dollar. Das zeigt, dass die Forschung, Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln ein hochprofitables Geschäft sein kann. Es ist aber auch ein hochriskantes Geschäft, in das die Konzerne viel Geld für Forschung und Entwicklung stecken müssen.

Nach Berechnungen und einem Artikel des Handelsblatts lagen die Ausgaben hierfür im vergangenen Jahr addiert bei 122 Milliarden Dollar oder 17 Prozent vom Umsatz. Angesichts des steigenden Drucks der Kostenträger müssten die Arzneimittel einen immer größeren Fortschritt und Nutzen bieten, während sich die Unternehmen zunehmend auf unbekanntes wissenschaftliches Terrain wagten – beispielsweise im Bereich der Zell- und Gentherapie oder sie schließen Allianzen mit der IT-Welt.

Pfizer an der Spitze

Pfizer, Novartis und Roche sind der Statistik nach im vergangenen Jahr nach Umsatz die drei größten Pharmakonzerne weltweit gewesen. Je nachdem, welche Geschäfte man in derartigen Rankings betrachtet, steht aber auch Johnson & Johnson an der Spitze der Liste. In diesem Fall wurden auch die Konsumgütergeschäfte des US-Konzerns mit berücksichtigt.

Zusammengenommen brachten es die vom Handelsblatt betrachteten 30 größten Pharmakonzerne 2016 auf einen Umsatz von 600 Milliarden Dollar, ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man das akquisitionsbedingte Wachstum heraus, lag der Zuwachs nach Berechnungen des Blatts bei rund drei Prozent. Allerdings verzeichneten längst nicht bei alle Unternehmen einen Anstieg beim Umsatz. Bei immerhin acht Unternehmen – Novartis, Sanofi, Gilead, Astra Zeneca, Allergan, Valeant, Otsuka und Merck KGaA - lag der Erlös niedriger als im Jahr zuvor.

Boehringer Ingelheim einziges Familienunternehmen

Bemerkenswert ist laut Handelsblatt auch die Akquisitionswelle, die – mal wieder – durch die Pharmabranche rollt. Große Aufmerksamkeit erregte dabei im vergangenen Jahr die Übernahme des Schweizer Biotechkonzerns Actelion durch Johnson & Johnson für 30 Milliarden Dollar. Novartis und GlaxoSmithKline strafften bereits vor zwei Jahren ihre Portfolios durch den Tausch von Impfstoffen gegen Krebsmittel und die Bündelung ihres Geschäfts mit frei verkäuflichen Arzneimitteln. Der US-Konzern Merck & Co verkaufte sein OTC-Geschäft an Bayer.

Pfizer allein stemmte im vergangenen Jahr vier Akquisitionen mit einem Gesamtvolumen von 21,3 Milliarden Dollar, der israelische Teva-Konzern verleibte sich für 38,8 Milliarden Dollar Allergans Generika-Geschäft ein. Und auch an der Generikabranche geht das Übernahmefieber nicht vorüber, wie der aktuelle Übernahmeversuch von Stada durch die Kapitalgesellschaften Bain und Cinven zeigt.   

Boehringers Sonderrolle

Während Bayer, Boehringer Ingelheim, und Merck KGaA als einzige deutsche Unternehmen in der Liga der Top-30 mitspielen, verfügt Boehringer noch über die zusätzliche Besonderheit, dass es das einzige familiengeführte Unternehmen in dieser Kategorie ist. Das 1885 in Ingelheim am Rhein gegründete Unternehmen befindet sich komplett im Besitz der Gründerfamilie. Seit Mitte vergangenen Jahres wird es an der Spitze von Hubertus von Baumbach geleitet, dem 49-jährigen Urenkel des Firmengründers.

Das Umsatzwachstum der Ingelheimer lag im vergangenen mit einem Plus von 7 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Auch hinsichtlich der frei verfügbaren Finanzmittel steht Boehringer bestens da: Mit einer Nettoliquidität von knapp 12 Milliarden Euro verfügte der Konzern 2016 über die zweitstärkste Cashposition in der Pharmaindustrie nach Johnson & Johnson. Wenngleich Anfang 2017 rund 4,7 Milliarden Euro für das von Sanofi übernommene Tiermedizin-Geschäft abgeflossen sind, sitzt das Unternehmen nach wie vor auf einem dicken Finanzpolster. Im vergangenen Jahr hatte Boehringer das Selbstmedikationsgeschäft an Sanofi abgegeben und dafür die Tiermedizinsparte Merial der Franzosen übernommen. Boehringer ist damit zur Nummer zwei im Bereich der Tiermedikation aufgestiegen.

Der Betriebsgewinn von Boehringer ist hingegen auf zweierlei Weise zu betrachten. Zum einen kletterte dieser im vergangenen Jahr um gut 25 Prozent auf den Rekordwert von 2,9 Milliarden Euro. Bereinigt man diesen aber um den außerordentlichen Ertrag von 600 Millionen Euro aus dem Verkauf der US-Generikatochter Roxane, so liegt die operative Marge von Boehringer nur bei 15 Prozent und damit laut Handelsblatt klar unter dem Branchendurchschnitt.



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