Arzneimittel-Bilanz 2015

vfa meldet 36 neue Wirkstoffe

Berlin - 22.12.2015, 07:35 Uhr

Unter den neu zugelassenen Arzneimitteln sind solche gegen Krebs, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf- und Entzündungskrankheiten. (Foto: atira - Fotolia)

Unter den neu zugelassenen Arzneimitteln sind solche gegen Krebs, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf- und Entzündungskrankheiten. (Foto: atira - Fotolia)


36 Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen haben Pharmahersteller im ablaufenden Jahr in Deutschland auf den Markt gebracht, meldet deren Branchenverband. Dies seien acht mehr als im Vorjahr und auch weit mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. 

Die 36 neuen Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen dienen nach vfa-Angaben der Behandlung von Krebs, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf- und Entzündungskrankheiten der Haut, ererbten Stoffwechselkrankheiten, Augenkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Diabetes Typ 2 und Schmerzen. So sei die Möglichkeiten erweitert worden, das körpereigene Immunsystem gegen mehrere Arten von Krebs zu aktivieren – durch Medikamente, die Immunzellen „einsatzbereit“ halten (PD-1-Hemmer) oder sie direkt an Krebszellen heranführen (BiTEs = bispezifische T-Cell Engager).

Für einigen Patienten, denen Herzinfarkte oder Schlaganfälle drohen, böten Cholesterin-senkende PCSK9-Hemmer eine neue Möglichkeit, die Risiken zu senken. Gegen multiresistente Bakterien sind zwei neue Antibiotika verfügbar geworden. Erstmals wurde auch ein Arzneimittel mit adulten Stammzellen zugelassen – es dient zur Wiederherstellung einer geschädigten Augen-Hornhaut.

13 Medikamente kamen für die Krebstherapie heraus. Davon jeweils drei gegen den Knochenkrebs Multiples Myelom und den nichtkleinzelligen Lungenkrebs, zwei gegen fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs. Von den fünf Arzneimitteln gegen Infektionskrankheiten erweitern zwei das Sortiment zur Heilung von Hepatitis C.

Zwei neue Antibiotika sind gegen unterschiedliche multiresistente Keime (sogenannte gramnegative Keime und MRSA) wirksam. Sieben Medikamente sind im Sinne der personalisierten Medizin erst zu verordnen, wenn ein Gen- oder zytologischer Test ihre Eignung beim jeweiligen Patienten angezeigt hat. Damit hat sich die Zahl der Arzneimittel der Personalisierten Medizin in Deutschland auf 45 Arzneimittel erhöht. 12 der 36 Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen haben den Orphan Drug-Status, weil sie für Menschen mit seltenen Erkrankungen entwickelt wurden. Zu diesen Erkrankungen zählen unter anderem die Erbkrankheiten Hypophosphatasie, Morbus Gaucher und der Mangel an lysosomaler saurer Lipase, aber auch einige seltene Krebsarten.

Wirkstoffe in neuer Darreichungsform

An zwei neuen Wirkstoffen haben deutsche Labors von Pharma-Unternehmen maßgeblich mitgewirkt. Sie dienen der Behandlung von akuter lymphatischer Leukämie und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs / Lungenfibrose. Die meisten neuen Arzneimittel wurden zudem unter Beteiligung deutscher Kliniken erprobt.

2015 haben Pharma-Unternehmen eine Reihe bewährter Wirkstoffe in neuen Darreichungsformen herausgebracht, etwa um sie auch für kleinere Kinder anwendbar zu machen. So ist nun ein AIDS-Arzneimittel als Granulat bereits bei HIV-positiven Kindern ab vier Wochen einsetzbar. In mehreren Arzneimitteln wurden auch häufig gemeinsam eingesetzte Wirkstoffe in einer Tablette kombiniert.  


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