Impfstoff-Entwicklung

Kandidaten gibt es, aber werden sie für alle bezahlbar sein?

Remagen - 27.10.2015, 08:15 Uhr

Wenig innovativ: Die Mehrheit der Neuentwicklungen soll verfügbare Vakzine optimieren (Bild: psdesign / Fotolia)

Wenig innovativ: Die Mehrheit der Neuentwicklungen soll verfügbare Vakzine optimieren (Bild: psdesign / Fotolia)


Die Access to Medicine Foundation hat die Impfstoff-Pipelines der 20 weltweit größten Pharmaunternehmen analysiert. Was tun die Konzerne, damit ihre Neuentwicklungen auch für ärmere Länder erschwinglich sein werden? Die Bilanz fällt eher trübe aus.

Die Access to Medicine Foundation aus den Niederlanden wollte es genau wissen und hat die Forschungsaktivitäten internationaler Pharmakonzerne in Sachen Impfstoffen überprüft. Nach der Erhebung befinden sich 70 potenzielle Impfstoffe in den Pipelines der Firmen, die sich auf dreizehn Krankheiten mit einer hohen Belastung beziehen. 19 Vakzine, und damit die größte Gruppe, gelten der Behandlung von Erkrankungen der unteren Atemwege wie Grippe und Pneumokokken-Erkrankungen. Gegen Durchfallerkrankungen zählte die NGO 14, gegen Meningitis neun Impfstoffe.

Mehr als die Hälfte davon wird entweder von GSK, Novartis oder Sanofi entwickelt. Dieses hohe Konsolidierungsniveau könnte Fragen zur  Versorgungssicherheit und einem Mangel an gesunden Wettbewerb im Impfstoffmarkt aufwerfen, meint die Access to Medicine Foundation.

Impfen gegen Chagas und Leishmaniose

Zwar sind von den insgesamt 16 neuen Impfstoffen einige wenige bereits in einem  fortgeschrittenen Stadium, wie etwa die RTS, S Malaria-Vakzine in der Zulassungsphase und der CYD-TDV Dengue-Impfstoff in Phase III der klinischen Erprobung, aber die meisten brauchen noch Zeit bis zum Marktzugang. Hierzu zählen Vakzine gegen die Chagas-Krankheit, gegen Leishmaniose, HIV/AIDS, Tuberkulose sowie weitere Kandidaten gegen Dengue und Malaria. Sie stehen allesamt noch in früheren Phasen der klinischen oder in der nicht-klinischen Erprobung.

Die Access to medicine-Experten stellen überdies fest, dass die Mehrheit der Impfstoff-Forschungs- und Entwicklungsprojekte (54 von 70) darauf abzielt, bereits verfügbare Vakzine zu optimieren oder neue Generationen zu kreieren. Acht sollen aus mehreren Antigenen bestehen – bis zu sechs in einem Impfstoff. Diese Art von Kombinationsimpfstoffen zielt traditionell auf Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten ab, neuere auch auf Meningitis und Hepatitis B.

„Bedarf an Impfstoffen immer größer“

Lediglich für zwölf der 70 Projekte soll es nach dem Bericht Hinweise geben, dass sie auch Maßnahmen für einen späteren erleichterten Zugang wie etwa Preisobergrenzen oder Lieferverpflichtungen beinhalten. Für die überwiegende Mehrheit ist offenbar nicht klar, ob und inwieweit die Firmen vorhaben, die Impfstoffe für ärmere Länder schnell, erschwinglich und in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Hier will die Access to Medicine Foundation nachhelfen.

„Wir wissen, dass die Immunisierung ein Eckpfeiler der öffentlichen Gesundheit ist und dass der Bedarf an wirksamen Impfstoffen immer größer wird,“ sagt Jayasree K. Iyer, Chef-Wissenschaftler der Initiative. Das bedeute, dass es mehr internationale Unterstützung für die Befüllung und Beförderung der Impfstoff-Pipelines brauche. Insbesondere müsse es klare Anreize für Unternehmen geben, in diese Pipelines zu investieren und bereits in frühen Phasen der Entwicklung spezielle Zugangsregelungen mit einzuplanen.


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