securPharm

„Diebstahl bleibt große Herausforderung“

Frankfurt/M. - 22.07.2015, 13:10 Uhr

Aus Sicht des BMG muss bei securPharm noch gearbeitet werden. (Foto: R. Hoemke)

Aus Sicht des BMG muss bei securPharm noch gearbeitet werden. (Foto: R. Hoemke)


Das geplante Arzneimittel-Sicherheitssystem securPharm kann nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums das Einschleusen gestohlener Arzneimittel in die legale Lieferkette nicht zuverlässig verhindern. Gerade in diesen in letzter Zeit vermehrt auftretenden Fällen habe das System Schwächen, sagte ein Ministeriumsvertreter heute in Frankfurt am Main.

„Bei ausreichend krimineller Energie kann das System das Einschleusen gestohlener Arzneimittel nicht verhindern“, sagte Dr. Oliver Onusseit vom Referat 114 des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), zuständig für Arzneimittelentwicklung, -zulassung und -qualität, Großhandel sowie Klinische Prüfung. „Diebstahl bleibt die große Herausforderung für securPharm“, folgert Onusseit daraus.

Denn die gestohlene Packung trägt eine Seriennummer (Unique Identifier) und stammt von einem legalen Hersteller, der diese Seriennummer in das System eingetragen hat. Wenn der Hersteller nicht nachvollziehen kann, welche individuellen Seriennummern gestohlen wurden, können diese in der Datenbank nicht als illegale Ware markiert werden. Das System, das zum Schutz vor gefälschten Arzneimitteln entwickelt wurde, habe hier eine Schwachstelle, so Onusseit. Vor 2011 habe man sich schlicht nicht vorstellen können, welche Ausmaße das Problem in den letzten Jahren angenommen hat.

Doch Track & Trace?

Onusseit rief die securPharm-Beteiligten zur Eigeninitiative auf, Maßnahmen gegen den „in letzter Zeit in Mode gekommenen Weg“ des Einschleusens illegaler Arzneimittel in die legale Lieferkette zu entwickeln. Vielleicht, so Onusseit, würden die Hersteller selbst anfangen, über die Aggregation von Daten nachzudenken, um die Lieferwege ihrer Arzneimittel nachvollziehen zu können. „Dann sind wir aber fast beim Track & Trace“, also der Nachverfolgbarkeit einzelner Packungen auf allen Handelsebenen.

Das sollte aber bei der Entwicklung von securPharm ausdrücklich ausgeschlossen werden, weswegen in Deutschland auf getrennte Hersteller- und Apothekendatenbanken gesetzt wird. Zu Beginn der heute in Frankfurt stattfindenden securPharm-Infotagung hatte der Sprecher der Initiative, Dr. Reinhard Hoferichter, sich überzeugt gezeigt, dass securPharm in der Lage sei, „alle bekannt gewordenen Fälschungsfälle zu verhindern“. In seiner Aufzählung der seit 2012 stark angestiegenen Fälschungsfälle waren mehrere Diebstähle hochpreisiger Arzneimittel aufgeführt.


Dr. Benjamin Wessinger (wes), Apotheker / Herausgeber / Geschäftsführer
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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