Pharma-Untersuchung

Immer mehr Studienergebnisse veröffentlicht

13.05.2015, 08:45 Uhr

Laut einer Untersuchung werden Studienergebnisse immer häufiger veröffentlicht. (Foto: Dreaming Andy/Fotolia)

Laut einer Untersuchung werden Studienergebnisse immer häufiger veröffentlicht. (Foto: Dreaming Andy/Fotolia)


Remagen – Die Transparenz bezüglich Industrie-gesponserter klinischer Studien hat weiter zugenommen. 90 Prozent der Zulassungsstudien für neue Arzneimittel, die im Jahr 2012 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zur Genehmigung empfohlen wurden, wurden innerhalb eines Jahres offen gelegt. Dies zeigt eine Untersuchung des britischen Verbandes der forschenden Arzneimittel-Hersteller (ABPI). Die Ergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift „Current Medical Research and Opinion“ veröffentlicht.

Die Studie von Livewire Editorial Communications im Auftrag der ABPI ist ein Follow-up zu einer ähnlichen Erhebung aus dem Jahr 2013. Hiernach haben sich die Offenlegungsraten innerhalb von zwölf Monaten seit 2009 (71 %) kontinuierlich verbessert. Die neue Betrachtung erfasst die vor Ende 2014 abgeschlossenen 340 Industrie-gesponserten Studien zu allen 23 neuen Medikamenten, die die EMA 2012 genehmigt hat. 307 davon waren innerhalb eines Jahres nach der Marktgenehmigung oder nach Abschluss der Studie in einem Studienregister, wie dem des National Institute of Health (ClinicalTrials.gov), dem EU-Register (https://eudract.ema.europa.eu/) oder in der wissenschaftlichen Literatur publiziert. 

Dabei liegen die Offenlegungsraten für größere Phase-III-Studien mit 96 Prozent nach zwölf Monaten noch höher. Die Geschäftsführerin der ABPI für Forschung, Medizin und Innovation Dr. Virginia Acha ist mit dem erreichten Status quo recht zufrieden: „Die Studie zeigt einen ermutigenden Trend zu mehr Transparenz seitens der Industrie bezüglich klinischer Studien. Sie liefert außerdem einen greifbaren Beweis für eine größere Offenheit der Beziehungen mit allen Beteiligten, einschließlich der Patienten und dem medizinischen Fachpersonal. Wir wissen aber, dass es immer noch einiges zu tun gibt.“

Warum bislang noch keine 100 Prozent-Deckung bei den Veröffentlichungen erreicht wird, versucht Bryan Deane, Co-Autor der Studie, zu erklären: „Im Allgemeinen sind es die älteren, kleineren Studien aus frühen Phasen, deren Ergebnisse noch nicht bekannt gemacht sind. Dies ist eigentlich nicht überraschend, denn viele dieser Studien zu den neuen Medikamenten wurden schon vor rund zehn Jahren durchgeführt. Damals gab es noch keine Register, in die sie hätten eingespeist werden können, und kleine Phase I und II Studien wurden allein kaum veröffentlicht. Nun, da die Registrierung und Berichterstattung bei klinischen Prüfungen zur Routine geworden ist, dürfte sich die Transparenz hinsichtlich solcher Industrie-gesponserter Studien sicher noch weiter verbessern."

Quelle: Rawal B, Deane BR. Clinical trial transparency update: an assessment of the disclosure of results of company-sponsored trials associated with new medicines approved in Europe in 2012. Curr Med Res Opin. 2015 May 5:1-22. [Epub ahead of print]


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Ein Einblick in die Entwicklung und Zulassung von Orphan Drugs

Hilfe bei seltenen Krankheiten

„Gute Praxis“ der Berichterstattung unerwünschter Ereignisse

Was klinische Studien künftig leisten müssen

Monoklonaler CD52-Antikörper zugelassen

Alemtuzumab bei multipler Sklerose

Mit der Prä-Expositions-Prophylaxe die Zahl der HIV-Neuinfektionen reduzieren

90 - 90 - 90 ist das Ziel

Von Constanze Rémi, Dominik Bauer, Johannes Rosenbruch und Hartmut Derendorf

Ein Palliativ-Patient

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.