Pharmazie in Leipzig

Studenten enttäuscht über erneuten Aufschub

Berlin - 29.01.2015, 14:38 Uhr


Vergangene Woche trafen sich Sachsens neue Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange (SPD) und Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig, erstmals zu einem Gespräch. Dabei ging es auch um die Zukunft der Pharmazie in Leipzig – mit dem kurzfristigen Ergebnis, dass auch zum Wintersemester 2014/15 wieder Pharmazieinteressierte immatrikuliert werden. Nicht so richtig freuen können sich darüber allerdings die Pharmaziestudierenden. Sie hatten auf eine Dauerlösung gehofft und wurden abermals enttäuscht.

Einerseits sind die Studenten enttäuscht, dass es wieder nur 36 Plätze sind, die für neue Erstsemester zur Verfügung gestellt werden, obwohl Kapazitäten für 60 Studierende vorhanden seien. Mindestens 50 sollten es daher schon sein. Zum anderen ist es die Haltung der Universität: Es sei keine Errungenschaft, sondern eine notwendige Selbstverständlichkeit, dass weiterhin immatrikuliert werde, solange das Einvernehmen zur Schließung mit dem Sozialministerium nicht hergestellt sei, stellt Friederike Zühl, Sprecherin des Fachschaftsrats für Biowissenschaften und Pharmazie, klar. Die Suche nach einer Dauerlösung für das Institut sei also nur um ein weiteres Jahr verschoben.

Nicht nur die Studenten leiden unter der Situation, auch die Mitarbeiter des Instituts bekommen die nervenzehrende Schließungsdebatte zu spüren – durch Zeitverträge und fehlende Planungssicherheit. Das Rektorat habe sich in den letzten drei Jahren nicht bereit gezeigt, für den Erhalt der Pharmazie durch eine gemeinsame Kompromisssuche einzustehen, kritisiert Lisa Bellstedt, Mitglied des Fachschaftsrats. „Wir sind auf ein eindeutiges Signal durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst angewiesen, denn auf die Unterstützung des Rektorats können wir leider nicht zählen.“ Die Hoffnung der Studierenden auf die langersehnte Lösung ruht daher ganz auf Stange.

Die Zeit drängt

Allzu viel Zeit sollte man sich bei der Suche nach einer Lösung nicht lassen, denn Stange hat sich inzwischen zur Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters von Dresden aufgestellt. Gewählt wird Anfang Juni. So ist es zwar ein positives Zeichen, dass das erste Gespräch mit der Universitätsleitung dem Vernehmen nach gut verlief und Stange und Schücking einen guten Draht zueinander gefunden haben. Auch dass Unileitung und Ministerium das Ergebnis des Gesprächs gemeinsam verkündeten, kann als positiv gewertet werden. Dass dabei nur eine kurzfristige Entscheidung gefallen ist, könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Universität der Zulassungsstelle ihre Aufnahmekapazität mitteilen musste. Der weitere Dialog sollte angesichts der nahenden OB-Wahl aber zügig geführt werden.

Kooperation mit Uni Halle-Wittenberg?

Im Gespräch sind unterschiedliche Denkmodelle. So wird unter anderem eine Kooperation mit dem pharmazeutischen Institut der Universität Halle-Wittenberg diskutiert. Von dort wird die Prorektorin und Pharmazie-Professorin Birgit Dräger als Kanzlerin zur Universität Leipzig kommen, vermutlich noch im Februar. Ihr Nachfolger tritt sein Amt in Halle zum 1. März an. Die Leipziger Pharmaziestudierenden warnen jedoch, dass durch eine Zusammenlegung, welcher Art auch immer, beide Standorte „massiv an Attraktivität verlieren“ würden. Für die Zukunft appellieren sie daran, alle Beteiligten bei einer Entscheidung mit einzubeziehen, „um eine praktikable und sinnvolle Lösung für das Institut für Pharmazie zu finden“, so Bellstedt.


Juliane Ziegler


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