Personalisierte Medizin

Große Hoffnungen, aber auch Hindernisse

Remagen - 19.01.2015, 09:33 Uhr


Im vergangenen Jahr hat die personalisierte Medizin vor allem in der Onkologie dramatische Fortschritte gemacht, dank der genetischen Stratifizierung, der Identifizierung von Biomarkern zur Diagnose, prognostischer Tests und zielgerichteter Therapien. In diesem Jahr soll die Latte noch höher gelegt werden, wie aus einer aktuellen Prognose in „Genetic Engineering & Biotechnology News“ (GEN) hervor geht.

Hiernach könnten die folgenden vier Schwerpunkte die Ausrichtung der Entwicklung von Krebswirkstoffen und die Zukunft der personalisierten Medizin im Jahr 2015 maßgeblich bestimmen: Big Data und Datenqualität, Immuntherapie, Kombinationsbehandlungen und prädiktive Biomarker.

Die Nachfrage zur Nutzung von „Big Data“, das heißt die Auswertung und Verarbeitung großer, komplexer Datenmengen zu Patientenpopulationen im Rahmen der klinischen Entwicklung nimmt laut GEN stark zu. So gibt es bereits Sammlungen von Genomdaten, auf die Forscher und Ärzte für die Wirkstoffentwicklung zugreifen können sollen. Dieser Wunsch kollidiert allerdings zunehmend mit den Persönlichkeitsrechten des Einzelnen. Wer wie viel von Big Data wofür nutzen darf, bleibt demnach noch abzustecken. Daneben kämpft die Branche mit der unzureichenden Standardisierung der Art und Weise, wie Daten gesammelt, gemeinsam genutzt und analysiert werden. Auch hier ist noch einiges zu tun.

Kombinationstherapien sollen im Jahr 2015 ebenfalls an Bedeutung zunehmen. In klinischen Studien – insbesondere für späte Brustkrebs-Stadien – haben sie sich als sehr vielversprechend erwiesen. Allerdings gelten das regulatorische Umfeld und das Zulassungsverfahren für Kombinationen derzeit nicht als optimal. Trotzdem haben die Unternehmen die Herausforderung nach Einschätzung von GEN angenommen und vor allem Kombinationstherapien gegen Melanome sowie Brust-, Lungen- und Prostatakrebs im Visier.

In diesem Jahr soll auch das Rennen um Arzneimittelzulassungen von Immuntherapeutika härter werden. Erhebliche F&E-Mittel sollen in diesen Sektor fließen. Die Branche rechnet für das nächste Jahr zwar mit einem „explosiven Wachstum“, kämpft allerdings noch mit  Standardisierungsproblemen, um klinische Daten mit einer adäquate Qualität zu erzeugen. Hier geht es unter anderem um die standardisierte und reproduzierbare Erfassung von Immunprofilen der Patienten und die Entwicklung valider Biomarker. Die angestrebten Immunotherapien sollen im Übrigen eher Früh- als auf Spätstadien von Krebserkrankungen ausgerichtet sein.

Die Begeisterung für Biomarker hat im letzten Jahr weiter zugenommen. Und dabei wird es nach der Prognose von GEN auch in diesem Jahr bleiben. Ein kleiner Dämpfer wird allerdings vermerkt, denn ihre Entwicklung hat sich als schwieriger erwiesen als ursprünglich angenommen. Zwar werden die Methoden zur ihrer Identifizierung immer ausgefeilter, aber Verbesserungen sollen trotzdem nur schrittweise zu erwarten sein.


Dr. Helga Blasius


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