Doping-Bekämpfung

NADA vor neuen Herausforderungen

Bonn - 31.10.2014, 08:44 Uhr


„Alles geben, nichts nehmen“ – so lautet die Initiative, mit der die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) junge Athleten von der Einnahme leistungssteigernder Mittel abhalten will. Die Mahnung klingt überzeugend, aber kommt sie bei den ehrgeizigen Youngstern, die an den Leistungssport herangeführt werden sollen, auch gut an? Offenbar nicht, wie Dominic Müser von der NADA beim jährlichen Journalisten-Workshop der obersten Doping-Bekämpfer Deutschlands verlauten ließ.

Schon bei 80 Prozent der 12- bis 17-Jährigen im Jugendsport sei die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) an der Tagesordnung, ließ Müser wissen – im Hochleistungssport bei über 90 Prozent. Dabei seien diese keineswegs immer als unbedenklich anzusehen, erläuterte Apothekerin Dr. Anja Scheiff, die bei der Agentur im Bereich Medizin tätig ist. Sie verdeutlichte dies anhand von Beispielen für Wechselwirkungen untereinander oder auch zu Arzneimitteln, die die Sportler gleichzeitig einnehmen. Dabei wolle man erlaubte NEM im Sport nicht grundsätzlich „verteufeln“, stellte Müser klar, es gehe vielmehr darum, den Jugendlichen einen reflektierten Umgang damit zu vermitteln. Weitere Gefahren bergen sie zudem als Einstieg in die Einnahme unerlaubter Mittel. Die Prävention bleibt für die NADA vor diesem Hintergrund weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben.

Das Thema Nahrungsergänzungsmittel bildete eine von fünf Info-Stationen, an denen die Mitarbeiter der nationalen Agentur einen Einblick in die Schwerpunkte ihrer derzeitigen Aufgaben und Herausforderungen der nahen Zukunft gaben. Diese steht ganz im Zeichen der Anwendung des neuen Nationalen Anti Doping Code (NADC) 2015 in Umsetzung des revidierten Welt Anti Doping Codes (WADC). Der NADC gehöre zum ersten weltweit, betonte die NADA-Vorstandsvorsitzende Dr. Andrea Gotzman, der von der World Anti Doping Agentur (WADA) bereits als „compliant“ abgesegnet worden sei.

Ab dem kommenden Jahr wird die NADA nun nach den neuen Regeln auch die Wettkampfkontrollen bei allen nationalen Wettkämpfen übernehmen, ein langgehegter Wunsch der Agentur geht damit in Erfüllung. Mit dieser Praxis, die ansonsten in vielen Ländern bereits Gang und Gäbe ist, werden sich die Stringenz und Effektivität des Doping-Kontrollsystems deutlich steigern lassen, hofft Gotzman. Weitere wichtige Neuerungen des Codes sind die Anhebung der Regelsperre bei Dopingvergehen auf vier Jahre, die Lagerung von Dopingproben über zehn statt bisher acht Jahre und die Ausweitung der sogenannten intelligenten Kontrollen, das heißt die Fokussierung der Kontrollaktivitäten auf die Risikosportarten, die für Doping am anfälligsten sind. So wird zum Beispiel auch eine Mindestzahl von Zusatzuntersuchungen aus Blut und Urin sportartspezifisch festgeschrieben.


Dr. Helga Blasius


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