Falschabrechnungen

Kliniken weisen Vorwurf zurück

Berlin - 10.06.2014, 15:30 Uhr


Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wehrt sich gegen die Aussage des GKV-Spitzenverbands, den Kassen entstünden durch fehlerhafte Abrechnungen der Kliniken Schäden von 2,3 Milliarden Euro: Das sei „schlichtweg falsch“, erklärt Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Von gezielten Falschabrechnungen könne keine Rede sein.

Rund 70 Prozent der Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) stellen infrage, ob Patienten ins Krankenhaus hätten aufgenommen werden sollen bzw. ob sie früher hätten entlassen werden können, führt die DKG aus. Hier gehe es nicht um Abrechnungen, sondern um die Infragestellung der von den Kliniken umfassend geleisteten medizinischen Versorgung. Hinsichtlich dieser Fälle könne es aufgrund der Systematik des DRG-Systems dazu kommen, dass medizinische Sachverhalte unterschiedlich beurteilt werden – doch, so meint die DKG: „Ein Betrugsvorwurf kann darin nicht gesehen werden.“

Vielmehr sei es so, dass von den rund 18,6 Millionen Behandlungsfällen jährlich mehr als 95 Prozent der Klinikrechnungen unbeanstandet blieben. Bei den vom GKV-Spitzenverband als Schaden genannten 2,3 Milliarden Euro handle es sich allerdings um das von Kassen ausgelöste Prüfvolumen. Das tatsächliche Kürzungsvolumen belaufe sich auf weniger als die Hälfte. Und das sei auch nur so, weil die Kliniken vielfach Rechnungskürzungen akzeptierten, da sie – von der „überbordenden Flut von MDK-Prüfungen mürbe gemacht“ – kein Interesse an langwierigen Auseinandersetzungen mit den Kassen hätten. Zudem versuchten sie, damit den Verwaltungsaufwand zu minimieren und den Behandlungsfall endgültig abzuschließen.

Mit seiner Aussage „diskreditiert“ der GKV-Spitzenverband nach Meinung der DKG die „seriös und sozial verantwortlich arbeitenden Kliniken“. Sie fordert daher einen sachlichen Beitrag dort, wo das komplizierte Abrechnungssystem Anlass zu unterschiedlichen Einschätzungen gibt. Hierzu könne auch die neu eingerichtete Bundesschiedsstelle beitragen, die in den nächsten Wochen ihre Arbeit aufnehmen werde, so die DKG. Ihre Aufgabe sei, wiederkehrende medizinische Streitfragen im Schlichtungsverfahren für beide Seiten verbindlich zu klären. Die DKG appelliert gleichzeitig an den Gesetzgeber, klarzustellen, dass Patienten, die nicht vorzeitig aus den Krankenhäusern entlassen werden können, keine Fehlbelegungskürzungen auslösen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Harald Weinberg, ergriff Partei für die Kliniken: Es gehe den Kassen „nur darum, die Krankenhäuser noch knapper zu halten“, kritisierte er. „Viele Rechnungen, um die es in diesem Grabenkampf geht, sind strittig, weil von Seiten der Kassen etwa die aus ihrer Sicht zu lange Liegezeit bemängelt wird. Es prallen also medizinische Erwägungen direkt auf ökonomische Forderungen.“ Seiner Meinung nach müsste es ein Abrechnungssystem geben, das Krankenhausleistungen bedarfsgerecht finanziert, einfacher ist und den Wettbewerb unter den Krankenhäusern reduziert. „Solange wir das nicht haben, wird die Diskussion um Falschabrechnung immer weitergehen.“


DAZ.online


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