MDK-Behandlungsfehler-Statistik 2013

Mehr Vorwürfe – etwas weniger Fehler

Berlin - 06.05.2014, 14:36 Uhr


Rund 14.600 vermutete Behandlungsfehler haben die Gutachter der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) im Jahr 2013 unter die Lupe genommen – gut 2000 mehr als im Vorjahr. Die aktuelle MDK-Statistik zeigt aber auch, dass die Zahl der bestätigten Fehler leicht zurückgegangen ist.

Überwiegend richteten sich die Behandlungsfehlervorwürfe des Jahres 2013 gegen Krankenhäuser (10.183 bzw. 70 %), gut 30 Prozent (4402 Fälle) betrafen niedergelassene Ärzte. Wie bereits in den Vorjahren erhoben Patienten die meisten Vorwürfe im Zusammenhang mit Operationen. Die chirurgischen Fächer Orthopädie/Unfallchirurgie und die Allgemeinchirurgie waren am häufigsten mit Vorwürfen konfrontiert, gefolgt von Zahnmedizin und Gynäkologie. Die meisten Behandlungsfehler werden allerdings in der Pflege und in der Zahnmedizin bestätigt, erklärt Astrid Zobel, Leitende Ärztin Sozialmedizin des MDK Bayern.

Die Zahl der bestätigten Fehler ging im vergangenen Jahr leicht zurück: Knapp 3.700mal kamen die MDK-Gutachter bei der Überprüfung zu dem Ergebnis, dass ein Behandlungsfehler vorliegt – 2012 waren es 3.900. Ob dies ein Trend oder eine zufällige Schwankung sei, bleibe abzuwarten, so Gronemeyer. Er ist überzeugt, dass viele Behandlungsfehler vermeidbar wären: „Wir müssen endlich dahin kommen, dass auch in Deutschland die längst bekannten Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit flächendeckend und konsequent umgesetzt werden.“ Wenn dennoch ein Fehler passiere, tue der Medizinische Dienst alles dafür, geschädigte Patienten „interessenneutral zu unterstützen“.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), gab zu bedenken: „Angesichts von fast 700 Millionen Behandlungsfällen im ambulanten Bereich und mehr als 18 Millionen Fällen in den Kliniken jährlich bewegt sich die Zahl der festgestellten ärztlichen Behandlungsfehler im Promillebereich.“ Damit unterscheiden sich die Zahlen des MDK von denen der AOK, betont er, die vor einigen Monaten durch ihre veröffentlichten Zahlen mit „Uraltschätzungen zu Behandlungsfehlern“ Stimmung gegen Ärzte gemacht habe. Die BÄK will nach eigenen Angaben Ende Juni ihre Behandlungsfehlerstatistik veröffentlichen. Nach ersten Trendanalysen sei „eine signifikante Verschlechterung“ nicht festzustellen.

Wichtig sei, aus Fehlern zu lernen, betonte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn. Das Patientenrechtegesetz sei ein wichtiger Schritt zur Qualitätsverbesserung gewesen – als nächstes stehe die Gründung eines eigenen Daten-Instituts an. „Bei den Krankenhäusern werden wir den Behandlungserfolg dann auch bei der Vergütung berücksichtigen.“ Nach Meinung von Harald Weinberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, ist der Personalmangel in Kliniken die wesentliche Ursache von Behandlungsfehlern. Union, SPD und auch die Krankenkassen sähen im Wettbewerb aber „leider“ immer noch ein „Allheilmittel“. Ob die angestrebte Qualitätsreform bei Kliniken in dieser Wahlperiode kommen werde, sei ebenfalls „höchst ungewiss“. Bereits heute sei mehr Qualität erforderlich, betont er – „nicht erst in einigen Jahren“.


Juliane Ziegler


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