NARZ-Mitgliederversammlung

Klare Worte – klarer Vertrauensbeweis

Hamburg - 30.06.2013, 15:21 Uhr


Der Kurs von Dr. Jörn Graue als Vorstandsvorsitzender des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ) wurde bei der Mitgliederversammlung am Samstag in Hamburg eindrucksvoll bestätigt. Im Rahmen der turnusmäßigen Wahl wurde er ohne Gegenstimme bei einer Enthaltung für eine neue Amtszeit von drei Jahren wiedergewählt. Zuvor hatte Graue in seinem Vorstandsbericht mit deutlichen Worten die Position des NARZ zum Datenschutz erläutert.

Graue betonte, dass die Diskussion über den Datenschutz bei den Rechenzentren in das Jahr 2010 zurückreiche und durch eine anonyme Anzeige ausgelöst worden sei. Interpretationen der Gesetzestexte hätten suggeriert, pseudonymisierte Verschlüsselungstechniken seien noch legal. Da dies über Jahre nicht beanstandet wurde, sei man möglicherweise in dem Glauben gewesen, nichts Unrechtmäßiges zu tun. Doch das Gesetz schreibe vor, dass nur anonyme Daten weitergegeben werden dürften. So sehe es auch die überwältigende Mehrheit der Landesdatenschützer, wenn auch mit abweichenden Sichtweisen in Bayern und Hessen. Doch „in allen anderen Bundesländern - so auch in Bremen - genießt der Datenschutz eine so hohe Priorität, dass den Rechenzentren eine Modifikation der Anonymisierungsverfahren auferlegt wurde“, so Graue. Für die NARZ-Gruppe sei allein die Position der Bremer Datenschützerin ausschlaggebend. Bereits der Verdacht, dass eine Deanonymisierung möglich sei, rechtfertige Einschränkungen der Datenlieferung. „Hier greift auch die Verantwortlichkeit des Apothekers, dessen Verschwiegenheitspflicht tangiert ist“, erklärte Graue. Letztlich gehe es darum, rechtliche Probleme von den Apothekern abzuwenden und Vorwürfe über „Apotheker als Datendealer“ zu verhindern.

Sowohl Geschäftsführer Hanno Helmker als auch Verwaltungsrat Gerd Welge dankten Graue in ihren Berichten für die unternehmerische Weitsicht, denn er habe die datenschutzrechtlichen Probleme frühzeitig erkannt. Allerdings werde das NARZ derzeit durch Einnahmeausfälle bei der Lieferung von Daten und durch Rückstellungen für einen laufenden Prozess mit einem datenauswertenden Unternehmen belastet, berichtete Helmker. Im Berichtsjahr 2012 sank die Eigenkapitalquote der GfI von 95 Prozent im Vorjahr auf 87 Prozent und des NARZ von 93 auf 92 Prozent. In der AVN blieb sie bei 88 Prozent. Dies seien weiterhin sehr hohe Eigenkapitalquoten und die Liquidität sei hoch. „Wir haben immer gespart, das kommt uns jetzt zu Gute“, so Helmker. Er zeigte sich zuversichtlich, die Einnahmeausfälle durch Rationalisierungen und Optimierungen der Zahlungsströme auszugleichen.

Die Vorgehensweise der NARZ-Führung wurde bei der Mitgliederversammlung von den etwa 50 anwesenden Mitgliedern klar bestätigt. Bei der turnusmäßigen Wahl wurden Graue als Vorstandsvorsitzender und Birger Peters, Greifswald, als Beisitzer im Vorstand ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Gert Fiedler kandidierte nicht mehr als Beisitzer. Andreas Haese, Magdeburg, wurde als Beisitzer neu in den Vorstand gewählt - ebenfalls ohne Gegenstimme.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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