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NARZ: Mehr Honorar gegen "Apothekenkrise" nötig

Erneut gutes Ergebnis beim NARZ

HAMBURG (tmb). Trotz der schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken präsentierte die Unternehmensgruppe des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ) für 2011 erneut ein hervorragendes Geschäftsergebnis. Die Eigenkapitalquote der NARZ-Gruppe stieg auf 93 Prozent (Vorjahr: 91 Prozent). Bei der Mitgliederversammlung des NARZ am 30. Juni in Hamburg betonte der NARZ-Vorsitzende Dr. Jörn Graue die wirtschaftlich schwere Lage der Apotheken und verwies zugleich auf die Leistungen des NARZ.
Dr. Jörn Graue, NARZ-Vorsitzender: "Überraschung findet meistens statt, wo man es nicht erwartet hat." (Zitat: Wilhelm Busch) Foto: DAZ/tmb

Graue sprach von einer "Apothekenkrise", die eine bedrohliche Qualität angenommen habe. Das System der freiberuflich geführten Apotheken habe sich bewährt und könne künftig sogar noch leistungsfähiger werden, meinte Graue mit Blick auf das ABDA/KBV-Modell. Doch dies alles setze eine zumindest auskömmliche wirtschaftliche Basis voraus. Die Diskussion dazu konzentriere sich offenbar auf die Erhöhung des Fixaufschlages von 8,10 Euro, der Rezepturgebühren und des Notdienstaufschlages. "Effektvoller wäre es sicher, wenn der variable Prozentsatz angehoben würde", regte Graue an.

Härtere Gangart gegenüber Politik

Als jüngstes "gruseliges" Beispiel aus der Politik verwies Graue auf einen Vorschlag aus der FDP, die Lieferung von Zuckerteststreifen und enteraler Ernährung auszuschreiben. Die Standesführung müsse sich jetzt nicht nur an Bemühungen, sondern auch an Ergebnissen messen lassen. Kein Apotheker werde sich künftig mit dem Satz zufrieden geben, es hätte alles noch schlimmer kommen können. Nach der bisherigen Appeasementpolitik müsse gegenüber der Politik jetzt eine härtere Gangart folgen.

Die Apotheker würden nun auf die Änderung der Arzneimittelpreisverordnung warten. "Kommt dann wieder nichts, allen Versprechungen zum Trotz, werden wir schlicht vom Glauben abfallen", so Graue. Jetzt gelte es, "dem desaströsen Treiben der Politik Einhalt zu gebieten und eine angemessene Honorierung der apothekerlichen Leistungen in allen Bereichen durchzusetzen."


Arbeit des NARZ

Zur Arbeit des NARZ erklärte Graue, das wiederholt glänzende Ergebnis dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, "dass die Auswirkungen der apothekerfeindlichen Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre nicht spurlos an uns vorübergehen werden". Denn die Zahl der Apotheken und damit auch die Zahl der Abrechnenden sinke. Außerdem sei der Abrechnungsmarkt intensiv umkämpft. Dagegen stelle das NARZ sein Leistungsspektrum, die Zuverlässigkeit und die Tätigkeit ohne Gewinnerzielungsabsicht in den Vordergrund. Die im Berichtsjahr neu angeschafften Belegleser würden eine Rezeptverarbeitung auf höchstem Niveau garantieren.

Hanno Helmker, Geschäftsführer des NARZ Foto: DAZ/tmb

Eine relevante finanzielle Herausforderung ergebe sich aus der zeitlichen Differenz zwischen Abzug und Erstattung der Herstellerrabatte. Da die Politik bisher keine gesetzliche Lösung angehe, habe das NARZ damit begonnen, sofort nach Lieferung der Rezepte die Herstellerrabatte in Rechnung zu stellen, um Zinsverluste zu vermeiden. Wesentlich erfreulicher sei die Entwicklung bei den Retaxationen. Die Hartnäckigkeit des Hamburger Apothekervereins in einem jahrzehntelangen Prozess habe sich ausgezahlt. Nach der Entscheidung des Bundessozialgerichts liefen die Kassen Gefahr, ihren gesamten Rabatt zu verlieren, wenn sie auch nur einen Teil der Rechnung zu Unrecht kürzen. Kassen und Prüfinstitute würden es sich daher künftig zweimal überlegen, ob sie dieses Risiko wegen einer zweifelhaften Retaxation eingehen würden. Im Zusammenhang mit dem Datenschutz verwies Graue auf die klaren Regelungen beim NARZ. "Wir als NARZ stehen in engem Kontakt zur Bremer Landesdatenschutzbeauftragten, die über alle Datenströme im NARZ vollumfänglich informiert ist und mit der jede datenschutzrechtlich relevante Maßnahme abgestimmt wird", so Graue. Datenverarbeitung und -lieferung würden unter striktester Beachtung des Anonymisierungsgebots und nur in einem Umfang durchgeführt, der auch von der Datenschützerin akzeptiert werde. Dies gelte auch für das neueste Projekt, eine Clearingstelle für Hilfsmittelabrechnungen.

Uwe Hansmann (li.), wiedergewähltes Mitglied des NARZ-Vorstandes und Berend Groeneveld, Vorsitzender des NARZ-Verwaltungsrates für das Geschäftsjahr 2011. Foto: DAZ/tmb

Erfolgreiche Geschäftsergebnisse

Geschäftsführer Hanno Helmker bestätigte in seinem Bericht den hohen Arbeitsaufwand aufgrund immer wieder neuer Vorschriften. Das Berichtsjahr 2011 sei wesentlich durch den nun abgeschlossenen Umbau beeinflusst worden, der die Kosten künftig senken werde. Die Unternehmen der NARZ-Gruppe erzielen nur vergleichsweise geringe Jahresüberschüsse, weil sie ohne Gewinnerzielungsabsicht tätig sind. Diese Überschüsse werden dem Eigenkapital zugeführt. Dies stieg im Berichtsjahr auf 93 Prozent für die NARZ-Gruppe an.

Neben der hohen Eigenkapitalquote hob Berend Groeneveld, Vorsitzender des NARZ-Verwaltungsrates für 2011, auch die hohe Liquidität hervor. Zugleich betonte er die Komplexität der Abrechnungsleistungen, insbesondere im Hilfsmittelbereich. Doch trotz der schwierigen Bedingungen sei das NARZ wirtschaftlich gut aufgestellt. Bei der Mitgliederversammlung wurden Dr. Peter Froese und Uwe Hansmann im Rahmen der turnusmäßig anstehenden Wahlen als Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt.

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