Mitgliederversammlung

NARZ blickt auf Zukunft mit E-Health

Hamburg - 29.06.2015, 12:00 Uhr

Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des NARZ. (Foto: tmb/DAZ)

Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des NARZ. (Foto: tmb/DAZ)


Mahnende Worte zur Gestaltung des Apothekenhonorars und die Vorbereitung auf ein digitalisiertes Gesundheitswesen waren die zentralen Themen im Bericht des NARZ-Vorsitzenden Dr. Jörn Graue bei der Mitgliederversammlung des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ) am 27. Juni in Hamburg.

Seit geraumer Zeit würden sich die Apotheker auf einer abschüssigen Ebene befinden, beklagte Graue. Jetzt räche sich, dass die Apotheker 2004 die alte degressive Preisspannenregelung auf den Müll der Geschichte geworfen hätten. Stattdessen wären intelligente Modifizierungen möglich gewesen. Doch mit dem neuen Honorarsystem könne die Politik das von so manchem gewünschte Regulativ gegen die Vermehrung der Apothekenzahl wieder einsetzen. „Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass hinter mehr oder weniger verschlossenen Türen ganz ungeniert über eine Reduzierung der Apothekenzahl auf 15.000 gesprochen wird“, so Graue.

Denn dies stärke die verbleibenden Apotheken und ermögliche dort wieder Einsparungen. So folgerte Graue. „Das Tafelsilber haben wir unwiderbringlich verschenkt.“ Daher sei er mit dem Deutschen Apothekerverband einig, dass es auf der Agenda der Apotheker ganz oben stehen müsse, auch künftig für das bestehende Leistungsspektrum auskömmlich honoriert zu werden. Honorarsteigerungen dürften nicht nach dem Vorbild des Nachtdienstfonds umgesteuert werden, um neue aufwendigere Leistungen zu honorieren. Auch die ohnehin niedrigen Großhandelsrabatte dürften dafür nicht angetastet werden, denn diese seien als Einkaufsvorteil und als Motor zur Prozessoptimierung überlebenswichtig.

NARZ auf IT-Zeitalter vorbereiten

Zur Digitalisierung erklärte Graue, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe treibe diese weiter voran und zeige dabei mehr Stringenz als seine Vorgänger. Dies liege auch an entsprechenden Bestrebungen auf europäischer Ebene. Daher sei im elektronischen Datenverkehr, bei der Vernetzung der Leistungsanbieter, beim Medikationsmanagement und bei der Einführung des elektronischen Rezepts eine Eigendynamik zu erwarten.

Um den NARZ-Verbund zukunftssicher zu machen, würden schon jetzt Lösungen für die zu erwartenden Szenarien entwickelt. Das zu erwartende IT-Sicherheitsgesetz könnte Apotheken und Rechenzentren neue Kosten aufbürden, befürchtet Graue. Er betonte die besondere Bedeutung des Datenschutzes und deutete an, die für den Datenschutz beim NARZ zuständige Firma „datenschutz nord“ werde künftig möglicherweise auch Seminare für Apotheken über datenschutzrechtliche Bestimmungen anbieten.

Trotz erschwerter Bedingungen zählte Graue 2014 „zu unseren ganz erfolgreichen Geschäftsjahren“. Obwohl die Apothekenzahlen sinken, berichtete NARZ-Geschäftsführer Hanno Helmker über gestiegene Umsätze der NARZ-Gruppe durch steigende Durchschnittswerte der Rezepte. Die Eigenkapitalquote des NARZ betrage außergewöhnliche 94 Prozent, womit sich das NARZ für Investitionen bestens gerüstet sieht. Außerdem berichtete Helmker, dass die NARZ-Gruppe den Warenwirtschaftsanbieter Prisma nun komplett übernehme, nachdem sie zuvor bereits einen Mehrheitsanteil innehatte.


Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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