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Erfolgreich im schwierigen Umfeld

BREMEN (tmb). Bei der Mitgliederversammlung des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ) am 6. Juni in Bremen berichteten der NARZ-Vorsitzende Dr. Jörn Graue und NARZGeschäftsführer Hanno Helmker wieder über ein erfolgreiches Geschäftsjahr im schwierigen gesundheitspolitischen Umfeld. Das breite Themenspektrum reichte von Rabattverträgen und Prävention über den Kassenabschlag bis zur eCard.

Graue wies auf die Belastung der Apotheken und die "babylonische Sprachverwirrung" im Patientengespräch durch die Rabattverträge hin. Doch "die von uns so ungeliebten Rabattverträge haben uns die Chance eröffnet, unsere pharmazeutische Qualifikation sichtbar zu machen", so Graue. Denn die Apotheker könnten nun pharmazeutische Bedenken geltend machen. Davon werde noch viel zu wenig Gebrauch gemacht. Die Krankenkassen seien von etwa zehn Prozent ausgegangen, doch die Apotheker würden bisher nur bei 2,5 bis drei Prozent aller Arzneimittelabgaben Bedenken anmelden.

Qualitätsoffensive

"Wir sind die Qualitätsmanager", erklärte Graue und verwies auf die große Bedeutung der Qualitätsoffensive der ABDA. Die Gesellschaft orientiere sich zunehmend an Zertifikaten. "Gehen wir diesen Weg der ausgeflaggten Qualitätskontrolle nicht mit, werden wir kaum noch mit dem Argument gehört werden können, alle Apotheken seien gleich zu behandeln", so Graue. Als Beispiel für eine Lösung des Problems führte er den kürzlich geschlossenen Qualitätssicherungsvertrag mit der AOK Rheinland/Hamburg an, der den Apothekern eine honorierte zukunftsweisende Kontrollfunktion einräume. Das zweite Standbein der pharmazeutischen Qualitätsoffensive sei die Prävention, bei der die einfache Zugangsmöglichkeit der Apotheken besonders hilfreich sei. "Prävention bietet auch die Chance, junge Menschen von der Werthaltigkeit pharmazeutischer Leistungen, die sich nicht im Unterbieten von Preisen darstellt, zu überzeugen", so der NARZ-Vorsitzende.

Gesundheitspolitischer Überblick

Graue ging auf weitere Aspekte des gesundheitspolitischen Umfeldes ein. Er wandte sich gegen den Versuch, Pick-up-Stellen als "Apotheke light" zu installieren. Die Standesorganisationen hätten sich einhellig nicht auf dieses Spiel eingelassen. In der Diskussion um den Fremdbesitz sollten sich die Apotheker nach dem positiven Luxemburger Urteil nicht zurücklehnen. "Wir dürfen nicht müde werden, unser bewährtes Apothekensystem zu verteidigen und immer wieder gegenüber der Politik argumentativ zu untermauern", forderte Graue. Zu den Verhandlungen über den gesetzlichen Kassenabschlag vor der Schiedsstelle berichtete Graue, eine weitere Verhandlungsrunde sei ohne Ergebnis geblieben. Er betrachte das Thema daher nur mit verhaltenem Optimismus. Das elektronische Rezept lasse erwartungsgemäß noch einige Jahre auf sich warten. "Das NARZ ist auf die Einführung des elektronischen Rezeptes vorbereitet, die Bedenken bleiben", so Graue.

Die erfolgreiche Arbeit des NARZ dürfe die Beteiligten nicht in Sicherheit wiegen, sondern das Unternehmen müsse stets weiterentwickelt werden. Ein neues Thema für die Rechenzentren ist der Umgang mit insolventen Geschäftspartnern. Aktuell wurde von der Insolvenz des Kostenträgers medi-convent GmbH berichtet (siehe Artikel "Insolvenzverfahren in der GKV: medi-convent GmbH ist pleite"). Doch auch die Vorgehensweise bei einer Apotheken-Insolvenz müsse geklärt werden.

Ergebnisse des NARZ

NARZ-Geschäftsführer Hanno Helmker beklagte, dass die Gesundheitspolitik ihren Orientierungssinn verloren habe. In der angespannten Lage des Gesundheitswesens könne die Finanzkrise zu weiteren Belastungen führen. Trotz des schwierigen Umfeldes habe das NARZ wieder erfolgreich gewirtschaftet. Die verringerte Zahl der Rezepte bei erhöhtem Durchschnittswert minderte die Umsatzerlöse aus der Rezeptverarbeitung geringfügig, durch die Neuordnung des Arztnummernsystems stieg der Aufwand für Korrekturen im Arztfeld. Außerdem führte eine Dachrenovierung zu erhöhten Belastungen. Der Jahresüberschuss betrug beim NARZ 378 (Vorjahr: 538), bei der Tochtergesellschaft AVN 604 (Vorjahr: 349) und bei der eigentlichen Produktionstochter GfI 1181 (Vorjahr: 1383) Tausend Euro. Das Eigenkapital der NARZ-Gruppe stieg um 1047 Tausend Euro auf 89 Prozent. Die Erhöhung hätte sogar noch größer ausfallen können, so Helmker. Doch habe die NARZ-Gruppe damit begonnen, den Firmenwert der Warenbewirtschaftungsgesellschaft Prisma GmbH abzuschreiben, weil dieses noch junge Tochterunternehmen bereits sehr erfolgreich ist. Mit dieser Kapitalstruktur sei das NARZ nicht von Banken abhängig und könne seine Investitionen aus Eigenmitteln finanzieren, betonte Helmker.

Fit für die Zukunft

Zur Zukunftsausrichtung des NARZ verwies Helmker auf eine organisatorische Umstrukturierung mit einer flacheren Hierarchie und den Beginn eines Neubaus. Zudem berichtete er über Nachforderungen von Krankenkassen in Millionenhöhe, die sich auf angeblich falsche Kennzeichnungen der Hersteller von Generika als Originalpräparate stützen. Sollte die Nachbelastung der Hersteller erfolglos bleiben, würden pauschale Abzüge durch die Krankenkassen drohen. Doch versuche der Deutsche Apothekerverband die Rechenzentren aus diesem Problem herauszuhalten. Hohe Belastungen drohen durch die elektronische Gesundheitskarte. Insgesamt würden die Anforderungen steigen, auch durch den harten Wettbewerb, aber das NARZ stelle sich den Herausforderungen.

Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Uwe Hansmann, Landesapothekerverband Niedersachsen, und Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, wurden turnusmäßig in ihren Ämter als Beisitzer im NARZ-Vorstand bestätigt.

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