Steroide bei COPD-Exazerbation

Fünf Tage könnten ausreichen

07.06.2013, 09:00 Uhr


Laut einer Studie ist bei einer COPD-Exazerbation eine fünftägige Kurzzeittherapie mit einem Corticosteroid der meist gängigeren 14-tägigen Behandlung nicht unterlegen.

Die Nebenwirkungen einer Langzeitgabe von Corticosteroiden sind nicht unerheblich. Da COPD-Patienten unter Umständen mehrmals pro Jahr wegen einer akuten Exazerbation ihrer Erkrankung damit behandelt werden müssen, wäre eine kurzzeitige, aber dennoch effektive Therapie wünschenswert. Eine Schweizer Studie testete die Hypothese, dass eine fünftägige Behandlung mit 40 mg Prednisonäquivalent einer 14-tägigen nicht unterlegen ist.

Eingeschlossen waren 314 COPD-Patienten, die im Zeitraum März 2006 bis Februar 2011 in die Notaufnahme-Abteilungen von fünf Schweizer Unikliniken mit einer akuten Exazerbation aufgenommen worden waren. Alle Patienten erhielten am ersten Tag 40 mg Methylprednisolon i.v., gefolgt von 40 mg Prednison oral bis zum Tag 5. Ab dem sechsten bis zum 14. Tag verabreichte man entweder weiterhin diese Dosis oder Placebo. Zusätzlich zur Studienmedikation wendeten alle Patienten sieben Tage lang ein Breitspektrum-Antibiotikum sowie, je nach Bedarf, vier bis sechsmal täglich einen inhalativen, kurzwirksamen Bronchodilatator an. Nach der Entlassung aus der Klinik bestand die Standardbehandlung aus je zweimal täglich einem inhalativen Corticosteroid und einem inhalativen Beta-2-Agonisten sowie einmal täglich 18 µg Tiotropium.

Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Auftreten einer Reexazerbation innerhalb von 180 Tagen. Unter der Kurzzeittherapie erlitten 56 Patienten (36%), unter der konventionellen Behandlung 57 (37%) innerhalb von 180 Tagen eine erneute Exazerbation. Die Hazard ratio (HR) betrug in der Intention-to-treat-Analyse 0,95 womit das Kriterium für Nichtunterlegenheit (HR < 1,515) erfüllt war. Die mittlere Zeitdauer bis zur Reexazerbation lag unter der Kurzzeittherapie bei 43,5 und unter der Langzeitbehandlung bei 29 Tagen. Obwohl die mittlere kumulative Prednison-Dosis unter 14-tägiger Behandlung signifikant höher war als unter 5-tägiger (793 mg vs. 379 mg), traten behandlungsassoziierte Nebenwirkungen wie z. B. gastrointestinale Blutungen, Frakturen oder Herzversagen, aber auch Hyperglykämie und Bluthochdruck, nicht häufiger auf.

Aufgrund dieser Ergebnisse sei eine Corticoid-Kurzzeitbehandlung über fünf Tage bei einer akuten COPD-Exazerbation empfehlenswert, schlussfolgerten die Autoren.

Ausführlich lesen Sie in der aktuellen DAZ 2013 Nr. 23, S. 32: „Kurz und trotzdem gut“.

Quelle

Leuppi, JD, et al.: Short-term vs conventional glucocorticoid therapy in acute exacerbations of COPD: The REDUCE Randomized Clinical Trial. JAMA (2013), online publiziert am 21. Mai 2013, doi: 10.1001/jama.2013.5023.


Dr. Claudia Bruhn


Das könnte Sie auch interessieren

Kontroverse Meinungen zu inhalativen Corticoiden bei COPD

Absetzen oder nicht?

Wie ein Medikationsmanagement helfen kann

Ein Patient mit COPD

Erhoffte Wirkung blieb aus

Statine helfen COPD-Patienten nicht

Weniger Exazerbationen und bessere Lungenfunktion

Dreifach gegen COPD hat Vorteile

Kombination aus Vilanterol und Fluticasonfuroat bei chronischen Atemwegserkrankungen

24 Stunden gegen COPD und Asthma

Herzgesunde COPD-­Patienten profitieren nicht

Metoprolol schützt nicht jeden