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Bahr besucht Landapotheke in Aurich

Aurich - 18.12.2012, 14:44 Uhr


Die niedersächsische Friesen-Apotheke-Middels liegt idyllisch – und zehn Kilometer entfernt vom Auricher Stadtzentrum. Ihre Besitzerin, Ulrike Jannemann, weiß daher genau um die Schwierigkeiten, mit denen Landapotheken heutzutage zu kämpfen haben. Und so lud sie kurzerhand den Bundesgesundheitsminister zu sich in die Apotheke ein.

Direkt gegenüber der Apotheke grasen Kühe. Sonst ist hier nicht viel los. Das wusste auch Jannemann, als sie die Apotheke im Januar 2002 übernahm. „Wohlwissend, dass viel Einsatz erforderlich sein würde, um hier wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, sagt sie. Seit über zehn Jahren engagiert sie sich in ihrer Apotheke für ihre Patienten – eine 60-Stunden-Woche ist der Normalfall, Urlaub ein unbezahlbarer Luxus. Immer wieder werde vom „gut situierten Apotheker“ gesprochen – damit könne man jedoch nicht die Landapotheker meinen, so Jannemann. „Wir kämpfen hier ums Überleben.“

Dem Bundesgesundheitsminister erzählte sie von den Höhen und Tiefen ihrer Landapotheke: In den ersten Jahren nach der Übernahme der Apotheke konnte sie noch Erfolge verbuchen. Steigender Umsatz und steigender Gewinn ließen Luft für Investitionen. Seit 2007 ging es dann stetig bergab. Der in jenem Jahr drastisch erhöhte Zwangsabschlag an die Krankenkassen begann, ihre Reserven aufzufressen. 2008 musste Jannemann das Personal stark reduzieren. Ein Jahr lang führte sie die Apotheke nur mit einer Teilzeitkraft und der zeitweisen Unterstützung ihres Mannes, eines Pharmazeutisch-Technischen Assistenten. Um die Familie ernähren zu können, beendete der Ehemann seine Tätigkeit in der Apotheke und wechselte in eine andere Branche.

Weil es in Middels allerdings nur einen Arzt gibt und Rx-Arzneimittel im Durchschnitt über 80 Prozent des Umsatzes einer Landapotheke ausmachen, war die Apotheke irgendwann nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Die Apothekerin plante daher im letzten Jahr einen Ortswechsel nach Schirum, wo die ärztliche Infrastruktur wesentlich besser ist. „Meine Patienten waren entsetzt, als ich sie über die geplante Schließung informierte und sie baten mich, doch eine Lösung zu finden, die ein Weiterbestehen ermöglicht“, so Jannemann.

Heute betreibt sie zwei Apotheken – auch die alte Apotheke in Middels, obwohl sie kaum etwas abwirft. An den Bundesgesundheitsminister appelliert sie nun: „Wir fordern ein Honorar, das unserer Qualifikation entspricht.“ Gerade Landapotheken müssten unterstützt werden, weil es dort keine Laufkundschaft gebe. Dennoch benötigten die Patienten die persönliche Ansprache und Hilfe vor Ort. „In einem 2000-Seelen-Dorf darf eine Apotheke einfach nicht fehlen.“

Die versprochene finanzielle Unterstützung, die es künftig für Nacht- und Notdienst geben soll, begrüßt die Apothekerin sehr. Allein in diesem Jahr hatte sie 45 Notdienste. Auf dem Land kommt selten jemand vorbei, und jeder der Nacht- und Notdienste war daher defizitär. Die Dienste übernimmt sie immer selbst, damit nicht noch zusätzliche Personalkosten anfallen. Am Ende des Treffens machte Bahr der Apothekerin etwas Mut: „Gerade auf dem Land gibt es keinen Ersatz für den Apotheker vor Ort. Das weiß ich, und deshalb setze ich mich für eine Verbesserung ein.“


AK Niedersachsen/DAZ.online


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