Gesundheitspolitik

Landapotheken: mehr Arbeit, weniger Geld

IFH legt Kurzstudie zu den Leistungen der Vor-Ort-Apotheken vor

STUTTGART (wes) | Stadtluft macht frei – das gilt offenbar auch für Apotheken: Die Apotheker auf dem Land machen wesentlich mehr Notdienste als ihre Kollegen in der Stadt. Aber auch wenn es um Botendienste und Heimversorgung geht, sind die Land­apotheker stärker gefordert. Das zeigt eine Kurzstudie des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH).

„Im ländlichen Raum müssen zentrale Aufgaben der Apotheken, wie Nacht- und Notdienste, Botengänge und Heimversorgung, auf weniger Schultern verteilt werden. Jede einzelne Präsenzapotheke leistet hier einen überdurchschnittlichen Beitrag zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung.“ So fasst der wissenschaftliche Leiter des IFH Köln, Dr. Markus Preißner, die Ergebnisse einer Studie zusammen, die sein Institut vergangene Woche vorgestellt hat.

Diese Kurzstudie mit dem Titel „Die Apotheke vor Ort – oft unterschätzt und doch unersetzlich“ zeigt deutliche Unterschiede zwischen Apotheken in Städten und auf dem Land auf. So müssen Apotheken umso mehr Notdienste übernehmen, je kleiner der Ort ist, in dem sie sich befinden. Während Apotheken in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern im Durchschnitt nur 1,2 Notdienste pro Monat absolvieren, müssen Apotheken in Orten mit weniger als 5000 Einwohnern im Schnitt 2,8-mal ran.

© Kai Felmy

Auf dem Land viel weniger Umsatz im Notdienst

Gleichzeitig versorgen die Apotheken im ländlichen Raum im Notdienst weniger Kunden als Stadt­apotheken. Hier liegen Apotheken in Städten mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern vorn, die durchschnittlich 57 Notdienstkunden pro Monat haben. Die Apotheken in Orten mit weniger als 5000 Einwohnern versorgen dagegen nur 27 Kunden pro Monat außerhalb der üblichen Öffnungszeiten. Entsprechend machen diese Apotheken auch den geringsten Umsatz pro Notdienst.

Auch beim Botendienst werden Landapotheken deutlich häufiger in Anspruch genommen als Apotheken in Städten. In Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern liefert eine Apotheke durchschnittlich 196 Kunden im Monat Arzneimittel nach Hause. Diese Zahl nimmt mit steigenden Einwohnerzahlen kontinuierlich ab. Apotheken in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern ­liefern im Schnitt nur an 135 Kunden pro Monat Arzneimittel im Botendienst. Dabei gibt es eine klare und wenig überraschende Korrelation mit der Entfernung zwischen den Apotheken: Je ­weiter sie verstreut liegen, desto mehr Kunden versorgen die einzelnen Apotheken durch Botengänge.

Im wirtschaftlichen Erfolg schlägt sich dieses größere Engagement der Landapotheken in der Belieferung und im Notdienst allerdings nicht unbedingt nieder. So machen unter den Apotheken, die in einer Entfernung von mehr als fünf Kilometern zur nächsten Apotheke liegen, acht von zehn einen Umsatz von weniger als zwei Millionen Euro jährlich. In Orten, wo die Apotheken maximal 500 Meter auseinanderliegen, gilt dies dagegen für weniger als zwei Drittel der Betriebe. Laut ABDA-Zahlen lag der durchschnittliche Umsatz einer deutschen Apotheke im Jahr 2015 bei 2,11 Millionen Euro.

Für die Studie hat das IFH im Dezember 2016 unter Mitwirkung des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg 1672 Apotheken und 300 Ärzte zu verschiedenen Leistungen der Präsenzapotheke befragt. |

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