Kommentar

Väterlich

12.10.2012, 12:04 Uhr


Voller Elan haben einige junge Kolleginnen und Kollegen, nach eigenen Bekenntnissen erstmalig auf einem Apothekertag vertreten, zündstoffreiche Anträge eingebracht. Es war nicht überraschend, dass diese abgelehnt wurden. Glücklicherweise verlief die öffentliche Diskussion rein inhaltlich überwiegend sachlich. Auch eine der federführenden und redegewandten Antragstellerinnen, Ann-Katrin Kossendey, zeigte sich in ihren Redebeiträgen am Mikrofon offen und lernfähig.

Doch auch der Ton macht die Musik. Was Kossendey bemängelte, lässt sich nicht von der Hand weisen. Sie sei von etablierten Delegierten geradezu „väterlich“ mit dem Hinweis bedacht worden „sie sei ja noch jung und müsse noch lernen“. Klar, manch einer dieser „Väter“ mag es nett gemeint haben. Aber es ist nicht unbedingt wertschätzend gegenüber neuen Ideen, Anliegen und Wünschen, sie mit milder Herablassung als „unbedacht“ einzustufen. „So lassen sich junge Kolleginnen und Kollegen nicht begeistern, so nimmt man sie nicht mit“, sagte Kossendey.

Ich stimme ihr zu. Nur wer älter und erfahrener ist, hat nicht unbedingt die „Wahrheit“ gepachtet. Und was gestern „wahr“ war, kann sich auch morgen als alter Ballast erweisen, den man besser abwerfen sollte. Umgekehrt sind nicht alle neuen Ideen „der Stein des Weisen“. Doch Weiterentwicklung bewährter Inhalte ist unverzichtbar, und frische, unverbrauchte Ideen junger Kolleginnen und Kollegen können dazu beitragen.

Einige Kammern – z.B. Niedersachsen und Thüringen – gehen mit positiven Beispielen voran, indem sie dem in der Berufspolitik dringend benötigten Nachwuchs spezielle Foren bieten. Das ist lobenswert, könnte aber noch besser kommuniziert werden.


Reinhild Berger


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