Managed Care-Gesetz in der Schweiz

Integrierte Versorgung bald für 60 Prozent der Schweizer?

Berlin - 02.05.2012, 12:14 Uhr


Am 17. Juni wird die Schweizer Bevölkerung darüber abstimmen, ob die Integrierte Versorgung in den nächsten Jahren flächendeckend etabliert wird. So jedenfalls sieht es eine Gesetzesvorlage des Schweizer Parlaments vor.

Es bestehe großer Handlungsdruck durch die in den letzten Jahren stark gestiegenen Kosten in der Krankenversicherung, so der Vizepräsident der Schweizer Ärzteschaft (FMH). Der neue Gesetzesentwurf gehe einen einfachen, aber wirkungsvollen Weg: Wer sich als Versicherter in die Integrierte Versorgung einschreibt, der muss weniger zahlen. So werden die Out-of-Pocket-Zahlungen im Rahmen der Integrierten Versorgung auf maximal 500 CHF gedeckelt. Gleichzeitig sinkt der prozentuale Selbstbehalt von heute 15 auf maximal zehn Prozent (darf aber auch weniger sein, bis hin zu null Prozent). Versicherte, die in der traditionellen „ungesteuerten“ Versorgung verbleiben, erhalten hingegen keine Ermäßigung des prozentualen Selbstbehalts und müssen für Out-of-Pocket-Zahlungen bis zu einer Höhe von 1.000 CHF geradestehen.

Der in Berlin ansässige Bundesverband Managed Care e.V. begrüßt den Schritt der Schweiz: „Damit setzt die Schweiz einen massiven ökonomischen Anreiz zur Beteiligung an der ‚gesteuerten Versorgung‘, den der BMC hundertprozentig befürwortet“, betonte Prof. Dr. Volker Amelung, Vorsitzender des BMC-Vorstands.

Dr. Ignazio Cassis, Mitglied im Schweizer Nationalrat, räumt dagegen ein, dass der Ausgang des Referendums am seidenden Faden hänge und auch die Schweizer Ärzteschaft vor eine Zerreißprobe stelle. Während die ambulant tätigen Grundversorger die Gesetzesinitiative mehrheitlich unterstützten, werde sie von vielen Fachärzten und vor allem von älteren Leistungserbringern abgelehnt.

Auch in der Bevölkerung sei das Thema heftig umstritten, da das Konzept des Managed Care schwierig zu erklären und zu vermitteln sei. Umso wichtiger sei es, Überzeugungsarbeit bei den Bürgern zu leisten, so Cassis. „Angesichts der zunehmenden Komplexität der Medizin müssen Wege gefunden werden, die Patientensicherheit zu verbessern und die Qualität zu steigern“, fordert Cassis. „Die Stärkung der Integrierten Versorgung ist der richtige Weg, denn Zukunftsmedizin ist Teammedizin!“


Peter Ditzel