Apothekenschließung in Köln

Ein historisches Kleinod bleibt auf der Strecke

Köln - 17.01.2012, 12:30 Uhr


Immer mehr Apotheken müssen aus wirtschaftlichen Gründen für immer schließen. Diesen Trend haben auf Nachfrage auch mehrere Apothekerkammern bestätigt. Eine der Apotheken, die Ende Januar auf der Strecke bleiben wird, ist die Jan von Werth-Apotheke am Alten Markt in Köln.

Damit verliert Köln seine älteste, noch existente Apotheke. Ein historisches Kleinod geht verloren, sagt die Inhaberin Valeska Pritz-Gottschall im persönlichen Gespräch mit DAZ.online.


Jan von Werth-Apotheke in Köln heute...

Im Oktober 2010 hat Valeska Pritz-Gottschall, Inhaberin der Anno-Apotheke in Köln, die Jan von Werth-Apotheke erworben und seitdem als Filiale betrieben. „Es war ein Liebhaberobjekt“, sagt die Apothekerin. „Aber ich hatte doch Hoffnung, finanziell klarzukommen.“ Als echte Kölnerin fühlt sich Pritz-Gottschall den „alten Schätzen“, die in der 1584 gegründeten, historisch wertvollen Apotheke zu finden waren, heimatlich verbunden. Sie schwärmt von den schönen Einrichtungsgegenständen, die sie nun, nach Schließung der Apotheke, zum Teil selbst behalten, zum Teil an pharmaziehistorisch Interessierte verkaufen wird. 

Leider hatte sich nach dem Kauf und dem zunächst ambitioniert betriebenen Neustart als  Filiale herausgestellt, dass die Kundenfrequenz der Jan von Werth-Apotheke zu gering war, um schwarze Zahlen schreiben zu können. „Die Apotheke liegt in einer Partymeile“, sagt Pritz-Gottschall, „kein idealer Standort für eine Apotheke. Außerdem befand sich eine U-Bahn-Baustelle direkt vor der Tür – und schreckte Kunden ab. Trotzdem befürchtet die Apothekerin, dass nach Schließung der Apotheke eine Lücke in der Arzneimittelversorgung entstehen wird. „Bis zur nächsten Apotheke ist es Luftlinie schon ein Kilometer“, sagt sie. Und überhaupt nehme die Apothekendichte in der Kölner Innenstadt ab: Im April werde eine weitere Apotheke schließen. Grund seien die exorbitanten Mieten, die nicht mehr zu erwirtschaften seien. 

... und früher

Bei Valeska Pritz-Gottschall ist ein Gefühl von Trauer zu spüren. „Schade“, sagt sie. „Es war so eine schöne Apotheke.“ Das bisherige Personal  – eine Filialleiterin, eine Halbtagsapprobierte, zwei PTA – ist derzeit auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen. „Leider konnte ich sie in unserem Apothekenverbund nicht weiterbeschäftigen“, sagt die Apothekeninhaberin.


Reinhild Berger


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