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Mehr als Globuli

Drei Apotheken mit dem Schwerpunkt Homöopathie und Naturheilkunde

Von Peter Ditzel | Wenn man sich als Apothekerin, als Apotheker auf das Terrain der Homöopathie und Naturheilkunde wagt, sollte man, nein, muss man von den Behandlungsweisen der alternativen Medizin überzeugt sein. Man kann diese Arzneimittel und Heilmethoden nur dann den Patienten glaubhaft vermitteln, wenn man selbst dahinter steht. Wir haben drei Apotheken gefunden, die dies in besonderer Weise tun, Apotheken, in denen Homöopathie und Naturheilkunde gelebt werden.

Apothekerin Valeska Pritz-Gottschall hat mit ihrer Anno-Apotheke in Köln eine „Globuliwelt“ im Netz aufgebaut und daraus eine Plattform für naturheilkundliche Experten gemacht. Aber auch in ihrer Apotheke vor Ort, die nach Feng-shui-Kriterien gestaltet ist, findet der Kunde ein großes naturheilkundliches Sortiment. Er kann sich über alternative Behandlungsmethoden informieren und mit Heilpraktikern ins Gespräch kommen.

Apotheker Dr. Heribert Weber-Kühn, Mult-Apotheke in Weinheim, geht empathisch auf seine Kunden zu: einfühlsame Beratung gepaart mit Naturheilkunde. Er ist nicht nur Apotheker, sondern auch Heiler, er bietet seinen Kunden Gespräche und Handauflegen an.

Apotheker Jan Reuter, Central-Apotheke in Walldürn, setzt voll und ganz auf Homöopathie. Um sich tiefer in die homöopathische Therapie einzuarbeiten, hat er nach dem Pharmaziestudium an der Viadrina in Frankfurt/Oder zusätzlich Komplementäre Medizin und Heilkunde studiert. Seine Philosophie ist: „Der Mensch muss merken, dass es um ihn geht.“

Drei Apotheken, die anders sind, drei unterschiedliche Konzepte. Ich wünsche Ihnen viele Anregungen beim Lesen.

Die Globuliwelt

Apothekerin Valeska Pritz-Gottschall im Netzwerk der Naturheilkunde

„Globuliwelt.de“ leuchtet es in großen grünen Neon-Buchstaben auf dem Vordach der Kölner Anno-Apotheke – und gleich daneben in Rot das Wort „Apotheke“. Hier hat die Globuliwelt ihr Zuhause, doch genau genommen findet die Globuliwelt im Internet statt. Globuliwelt – diesen Namen hat die Kölner Apothekerin Valeska Pritz-Gottschall mit aus der Taufe gehoben. Die Website „globuliwelt.de“ ist Dreh- und Angelpunkt eines Konzepts, das sich als Plattform für naturheilkundliche Experten, Homöopathen, Osteopathen, Heilpraktiker, Zahn- und Tiermediziner versteht. Ergänzt wird die Website der Globuliwelt durch eine Präsenz auf Facebook mit über 33.000 Fans. Die Globuliwelt ist in Deutschland in dieser Kombination und mit diesem Netzwerk einzigartig.

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Die Anno-Apotheke in Köln macht schon von außen auf ihre Internetseite „globuliwelt.de“ aufmerksam.

„Globuli“ – das Wort ist für viele zum Synonym für Homöopathie geworden. Der Begriff „Globuli“ wird im Internet sehr stark gesucht und nachgefragt, wenn homöopathische oder naturheilkundliche Therapien gesucht werden. Für Apothekerin Pritz-Gottschall lag es daher nahe, diesen Begriff in ihre naturheilkundliche Internet-Plattform mit einzubauen. Die Internetseite wurde durch den Web-Analysten Sebastian Emilio Loyola (Webbonus AG) strategisch aufgebaut und ist heute bereits so gut bekannt, dass bei Suchbegriffen wie Homöopathie für Hunde oder für Katzen, für Pferde, für Tiere die Globuliwelt-Seite im Suchergebnis an erster Stelle angezeigt wird.

Im Zentrum des Internetauftritts der Globuliwelt steht neben zahlreichen Informationsseiten zu homöopathischen, naturheilkundlichen Therapien und zur Alternativ- und Komplementärmedizin ein Netzwerk an Experten, die über die Website zu finden sind: Ärzte, Heilpraktiker, Therapeuten und Apotheker, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus der Therapie, Lehre und Forschung auf Globuliwelt.de zusammentragen.

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Globuliwelt.de Diese Seite gehört zu den am meisten aufgerufenen Seiten, wenn es um homöopathische Fragen geht.


Experten in der Globuliwelt-Akademie

Mitte dieses Jahres hat sich aus dem Netzwerk die Globuliwelt-Akademie e.V. formiert. Die Experten der Globuliwelt treffen sich alle drei Woche, besprechen Fälle und stimmen das weitere Vorgehen ab. Die Anno-Apotheke kann auf dieses Expertenwissen zurückgreifen über das Netzwerk, über Telefon- und Mailkontakt. Mittlerweile zählt die Akademie bereits 400 Mitglieder. In der Kölner Akademie werden zahlreiche Schulungen und Ausbildungslehrgänge für Fachkreise im Bereich der Alternativ- und Komplementärmedizin angeboten.

Da die Akademie nicht nur von Mitgliedsbeiträgen lebt, sondern auch von verschiedenen namhaften Firmen, unterstützt wird, war es möglich, ein soziales Projekt in Angriff zu nehmen: Finanziert wird zurzeit die Behandlung fünf chronisch kranker Kinder, deren Eltern sich keine alternativen Heilmethoden leisten können. Auch ein soziales Projekt für Tiere plant der Verein der Globuliwelt: Vorgesehen ist, Tiere in Tierheimen mit alternativen Heilmethoden zu behandeln.

Pritz-Gottschall über ihre Globuliwelt: „Als kleine Apothekerin schafft man dies nicht alleine. Hier ist es notwendig, die Kontakte zu haben, das Netzwerk und die engagierten Mitstreiter, die eine Affinität zur Naturheilkunde mitbringen und die von einem solchen Projekt begeistert sind. Allein die Website mit 27.000 bis 30.000 Besuchern am Tag ist bemerkenswert. In Planung befindet sich eine neue Website ‚Tierklinik 24‘, die sich als ganzheitliche Tierklinik versteht.“

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Apothekerin Valeska Pritz-Gottschall

Die Globuliwelt vor Ort

Wenn man Globuliwelt außen an die Apotheke schreibt, muss auch das Warenlager halten, was mit dem Namen versprochen wird. Die Anno-Apotheke führt ein großes Sortiment an Naturheilmitteln, hinzu kommen zahlreiche Eigenmittel im Bereich der alternativen Medizin. Alles basiert dabei auf der heilenden Kraft der Natur,

Bei Tierarzneimitteln kann die Anno-Apotheke sogar mit zahlreichen selbst entwickelten Naturheilmitteln und einer alternativen Medizin für Tiere punkten, sie sich einer guten Nachfrage erfreut.

Homöopathika werden in der Anno-Apotheke zum Teil selbst hergestellt mit Urtinkturen von Spagyra, die entsprechend den Wünschen der Naturheilkundler und Kunden von Hand potenziert werden. Die Anno-Apotheke bietet den Kunden auch Erstgespräche und Schnuppergespräche mit Heilpraktikern in der Apotheke an. Diese Termine sollen es den Kunden erleichtern, Kontakt zu einem Heilpraktiker aufzunehmen und so Berührungsängste abzubauen.

Wer in der Anno-Apotheke arbeitet, sollte eine Affinität zur Naturheilkunde mitbringen, sonst geht es hier nicht. „80 Prozent meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine Zusatzausbildung als Heilpraktiker – das ist unsere Glaubwürdigkeit“, macht die Apothekerin deutlich, „die Kunden erkennen, dass wir hinter diesem Konzept stehen und dass es nicht nur ein bisschen Marketing ist. Manche Kunden fahren 30 km, um in die Anno-Apotheke, in die Globuliwelt vor Ort zu kommen.“

Die Affinität zu Naturheilmitteln und zur Homöopathie war ihr in die Wiege mitgegeben. Sie erinnert sich, dass sie von ihren Eltern, die ebenfalls Apotheker sind, als Kind homöopathisch behandelt wurde. Eigene Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden festigten ihre Überzeugung, dass die Komplementärmedizin sehr stark zur Heilung beitragen kann.

Die Globuliwelt für andere Apotheken

Apotheken, die Gefallen an dem Konzept finden, können eine Lizenz für Globuliwelt erwerben – wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, z.B. ein bestimmtes Warensortiment führen: „Es muss passen“, so Pritz-Gottschall, „zumal Globuliwelt auch mit meinem Namen verbunden ist.“ Die Aufnahmegebühr, die einen Eintrag auf der Globuliwelt-Internetseite beinhaltet, kostet 29 Euro im Monat. Die eingetragene Apotheke wird dem Internetuser als naturheilkundliche Apotheke in seiner Nähe angezeigt. Außerdem erhält die Apotheke einen Türaufkleber „Globuliwelt“. Will sich eine Apotheke für die Globuliwelt stärker engagieren, sind Schulungen der Mitarbeiter Pflicht. Ziel für Apothekerin Pritz-Gottschall ist es nicht, möglichst viele Apotheken für die Globuliwelt zu gewinnen. Viel wichtiger ist es ihr, dass die Apotheken, die mitmachen, hinter dem Konzept stehen – „lieber ein kleiner exklusiver Kreis, der die Idee lebt“, so die Apothekerin, „als eine Menge an Apotheken, die nicht dahinter stehen und das Konzept verwässern.“

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Viele runde Ecken – Apothekerin Valeska Pritz-Gottschall hat ihre Apotheke nach Fengshui-Kriterien gestalten lassen.


Fengshui in der Offizin

Um schon in der Offizin den naturheilkundlichen und ganzheitlichen Ansatz zu kommunizieren, ließ Pritz-Gottschall ihre Apotheke von einer Innenarchitektin nach Fengshui-Kriterien gestalten: „Die beruhigende und entspannende Wirkung von Fengshui strahlt auf die Kunden ab, sie drängeln am HV-Tisch nicht, warten gerne und ruhig, bis sie an der Reihe sind.“ Beruhigend wirkt ein kleiner Brunnen, der in die Offizin integriert wurde. „Wir, meine Mitarbeiter und ich, aber auch die Kunden – alle haben hier ein gutes Gefühl, wenn sie sich in der Offizin aufhalten.“ Vor der Apotheke stehen Fahnen, kleine Bänke mit Kacheln, die Arzneipflanzenmotive zeigen, laden zum Sitzen ein.

Globuliwelt, der Internetauftritt, der Umbau der Apotheke – für Apothekerin Pritz-Gottschall hat sich das Engagement auch finanziell gelohnt. Die Umsatzsteigerungen nach dem Umbau sind mehr als zufriedenstellend.

Mit Empathie

Dr. Heribert Weber-Kühn ist Apotheker, Heilpraktiker und Heiler

Die Mult-Apotheke am Stadtrand von Weinheim ist auf den ersten Blick eine typische Center-Apotheke: eine relativ große Offizin mit viel Freiwahl, Angebotsregalen und Verkaufsgondeln. Man könnte meinen, eine solche Apotheke hat viel Laufkundschaft, wenig Stammkunden. Doch mit dieser Annahme liegt man hier falsch. Und das liegt an ihrem Inhaber Dr. Heribert Weber-Kühn: Er ist Apotheker, er ist aber auch Heilpraktiker und Heiler. Mit seinem empathischen Zugehen auf die Kunden, mit einer einfühlsamen Beratung, mit seinen Vorträgen zu naturheilkundlichen Themen und nicht zuletzt über seine Sprechstunden als Heilpraktiker und Heiler hat er sich bei seinen Kunden – und weit darüber hinaus – einen Namen gemacht und viele Stammkunden für seine Apotheke gewonnen.

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Apotheker Dr. Heribert Weber-Kühn

Seine Apotheken-Philosophie ist es, seinen Kunden mehr anzubieten als eine Durchschnittsapotheke, vor allem: mehr Informationen über Wege, gesund zu werden. Einen dieser Wege sieht er in der Homöopathie. Vor einigen Jahren bildete er sich auf diesem Gebiet intensiv fort. Eine Renaissance der Schüßler-Salze und eine allgemein steigende Nachfrage nach pflanzlichen Präparaten bestärkten ihn darin, diese Richtung weiter zu verfolgen. Sein Team, so räumt Weber-Kühn ein, hatte anfangs Schwierigkeiten, den naturheilkundlichen Weg mitzugehen. Doch als seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Erfolge sahen und durch Ausprobieren am eigenen Leib selbst positive Erfahrungen machten, wie naturheilkundliche, homöopathische und anthroposophische Präparate helfen, kam Begeisterung auf. Heute werden die Kunden offen auf die Homöopathie angesprochen, aber nicht mit missionarischem Eifer: „Letztlich muss es der Kunde selbst wollen“, so Weber-Kühn.

Heilpraktiker und Heiler

Das sprach sich bei den Kunden rasch herum, es baute sich ein gewisses naturheilkundliches Image der Apotheke auf. Heute ist er stolz darauf, viele Stammkunden zu haben, die die Beratung und Betreuung seiner Apotheke schätzen. „Unsere Kunden wissen, dass wir ihnen Antworten auf ihre gesundheitlichen Probleme bieten können, wenn sie nach Alternativen fragen.“

Eine solche Alternative ist zum Beispiel, einen Heilpraktiker aufzusuchen. 2003 machte Weber-Kühn und eine seiner Mitarbeiterinnen eine Heilpraktiker-Ausbildung. Er kommuniziert dies aktiv nach außen, z.B. wenn er Vorträge hält, „was wiederum dem Image meiner Apotheke zugutekommen dürfte“, so Weber-Kühn.

Zusätzlich absolvierte er eine mehrjährige Ausbildung zum Heiler. Ihm ist bewusst, dass sich bei der Bezeichnung Heiler bei manchen Menschen Vorbehalte einstellen und dieser Begriff bei einigen mit Scharlatanerie besetzt ist. Er weiß, dass manche dies mit negativen Attributen wie Abzocke belegen und er weiß auch, dass es auch auf diesem Gebiet schwarze Schafe gibt. „Doch damit hat der seriös arbeitende Heiler nichts zu tun“, fügt Weber-Kühn hinzu.

Der Dachverband Geistiges Heilen e.V., dem sich Weber-Kühn angeschlossen hat, setzt sich dafür ein, dass Heilen, vom Handauflegen und Reiki bis hin zu Quantenheilung, nach einem Ethikkodex abläuft, zu dem sich jedes Mitglied verpflichtet. Der Verband regelt zudem eine qualitativ hochwertige Ausbildung mit zertifizierter Prüfung. „Geistiges Heilen ist ein Angebot an Hilfesuchende, das gleichberechtigt neben klassischer Schulmedizin, Naturheilkunde und anderen therapeutischen Angeboten steht. Geistiges Heilen aktiviert Selbstheilungskräfte, fördert Heilung im ganzheitlichen Sinne, ermutigt und unterstützt Menschen beim Wahrnehmen ihrer Eigenverantwortung“, heißt es auf der Homepage des Dachverbands.

Weber-Kühn macht dies an einem Beispiel deutlich: „Wenn ein Mensch auf einen Burn-out zusteuert, dann lebt er nicht so, wie es ihm eigentlich entspricht, Körper, Seele und Geist sind nicht mehr im Gleichgewicht. Ziel des Heilens ist es also, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen.“ Als Methoden beim Heilen kommen Gespräche und Handauflegen zum Einsatz. Wichtig ist, so Weber-Kühn, dass der Mensch, der gegenüber sitzt, es annehmen kann. Zum Ehrenkodex eines Heilers gehört, keine Diagnosen zu stellen, sich nicht in ärztliche Therapien einzumischen, nicht im weißen Kittel aufzutreten, mit dem eine ärztliche Sprechstunde suggeriert würde, und nicht das Versprechen abzugeben, ich mache dich gesund.

„Wichtig ist, dass der Patient, der Kunde seine Entscheidung selbst trifft und davon überzeugt ist. Nicht der Heiler heilt, sondern der Patient, der Klient lässt eine Heilung zu, er muss selbst Verantwortung für sich übernehmen“, erklärt es Weber-Kühn. Denn die Vorstellung beim Heilen sei, dass der Heiler als Mittler von Energie auftritt, Energie, die dem Patienten hilft, seine Entscheidungen zu treffen.

Als Heiler begleitet Weber-Kühn vor allem Krebspatienten, die er befähigen will, nach eingehenden Informationen autonome Entscheidungen zu treffen: „Heilen soll für Patienten eine Unterstützung sein, sich nicht verunsichern zu lassen. Nur sie alleine können die Entscheidung treffen, wie sie behandelt werden möchten – und dies stärkt die Patienten.“

Begegnung auf Herzensebene

Für Weber-Kühn ist Heilen kein Widerspruch zu seiner naturwissenschaftlichen Ausbildung. „Nehmen sie den Placebo-Effekt bei Arzneimitteln! Genauso können Gespräche, Berührungen, der Aufbau einer Beziehung beim Menschen positive Reaktionen auslösen. Für mich ist es letztlich eine Begegnung auf Herzensebene. Daher bringen wir auch in der Apotheke unseren Kunden Empathie entgegen: mit den Kunden reden, sich einfühlen.“

Seine Tätigkeit als Heilpraktiker und Heiler übt Weber-Kühn zu Hause aus. Die zuständige Behörde hat dies als Nebentätigkeiten genehmigt. Über Vorträge, Internet und Flyer macht der Apotheker seine Kunden auf seine Zusatzausbildungen aufmerksam. Wenn er merkt, dass ein Kunde für andere Methoden offen ist, fragt er nach, ob sie sich vorstellen können, dass Gespräche und Handauflegen helfen könnten. Auch seine PTA, die Heilpraktikerin ist und sich auf Rückenprobleme spezialisiert hat, spricht bei den Kunden diese Themen an. „Es ist einfach gut, den Patienten neue Lösungsideen für ihre Probleme anbieten zu können“, so Weber-Kühn, „die Kunden freut es, vollkommen unverbindlich nachzufragen und sich darüber zu informieren. Wir machen unseren Kunden Angebote und lassen sie frei in ihrer Entscheidung – das ist unsere Maxime.“

Vor diesem Hintergrund sieht er die Apotheke als überaus wichtige Institution im Gesundheitswesen: ein niedrigschwelliger Zugang, ohne Termin, keine Wartezeiten – „darin liegt eine große Zukunft für die Apotheke. Die Patienten können mit einem Fachmann sprechen, der ein ungeheures pharmakologisches Wissen hat“, so Weber-Kühn.

Sehr nah am Patienten

Jan Reuter hat sich der homöopathischen Beratung verschrieben

„Wenn man eine Krankheit behandelt, gewinnt oder verliert man. Aber wenn man einen Menschen behandelt, gewinnt man immer. Ganz gleich, wie die Diagnose ausfällt.“ Dieses Zitat aus dem Film Patch Adams hat sich Apotheker Jan Reuter zum Leitmotiv für seine Apotheke genommen. Er betreibt die Central-Apotheke in dem kleinen Wallfahrtsort Walldürn im Neckar-Odenwald-Kreis. 1330 soll hier ein Blutwunder geschehen sein: Ein Priester stößt in der Eucharistiefeier versehentlich einen Kelch um, der vergossene Wein zeichnet auf der Altardecke das Bild des Gekreuzigten und elf einzelne Häupter Christi mit Dornenkrone. Bischof und Papst erklärten Walldürn zum Wallfahrtsort. Keine Wunder, sondern greifbare Erfolge sieht Reuter mit der Art und Weise, wie er seine Apotheke führt.

Die homöopathische Ausrichtung der von seinem Vater übernommenen Apotheke war nach dem Studium ein „Kulturschock“ für ihn: Kunden, die von weit her angereist waren, Wartezeiten in Kauf nahmen, nur um von seinem Vater homöopathisch beraten zu werden. Da wurde ihm schnell klar: Wenn er diese Apotheke erfolgreich weiterführen wollte, musste er sich mit Homöopathie, mit komplementären Therapierichtungen intensiver beschäftigen. Vollbepackt mit pharmakologischem Wissen konnte er anfangs allerdings nur wenig mit der Welt der Globuli und Potenzen anfangen. Doch schon in den ersten Tagen seiner Apothekenpraxis musste er ins kalte Wasser springen: Die Kunden verlangten nach homöopathischen Präparaten. Ihm blieb also nichts anderes übrig, als sich in die Homöopathie einzuarbeiten und zu versuchen, die homöopathische Ausrichtung der Apotheke zu leben. Er absolvierte Weiterbildungskurse in Homöopathie und Naturheilkunde z.B. bei der LAK Baden-Württemberg. Die ersten Erfolge seiner homöopathischen Empfehlungen ermutigten ihn, diesen Weg weiter zu gehen. Er hatte schnell Feuer gefangen für diese Richtung. Weitere Fortbildungskurse folgten.

Komplementäre Medizin an der Viadrina

Von Referenten erfuhr er, dass es an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder einen Studiengang „Komplementäre Medizin, Kulturwissenschaften, Heilkunde“ gibt. Trotz anfänglicher Skepsis, ob sich so weiche Themen wie Homöopathie und Homotoxikologie in ein universitäres Korsett zwängen lassen, schrieb er sich dort ein und absolvierte einen Masterstudiengang , der ihn die komplementären Methoden und die partizipative Kommunikation zwischen Apotheker und Kunde lehrte. Durch diesen Studiengang, den er zusammen mit Ärzten, Apothekern und Psychotherapeuten absolvierte, konnte er sich ein Netzwerk aufbauen von Heilberuflern, denen ganzheitliches Denken und Handeln wichtig ist. Und mit denen er heute noch in Verbindung steht. Reuter: „Ich verstehe meinen Beruf als Heilkunst, die ich empathisch und kreativ erlebe. Das Masterstudium an der Viadrina füllte eine Lücke, die mein Pharmaziestudium hinterlassen hatte.“

Sein Steckenpferd ist die Komplex-Homöopathie. Er ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Homöopathie und Homotoxikologie, einer Fachgesellschaft, die u.a. qualifizierte Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen für Ärzte und Apotheker im Bereich der Biologischen Medizin, Homotoxikologie, Traditionellen Abendländischen Medizin, Naturheilverfahren und Homöopathie anbietet.

Auch in die Ausbildung zum Heilpraktiker ist er eingestiegen „was große Freude bereitet hat“, wie Reuter berichtet. Es wurden Balintgruppen gebildet, um Patientenfälle zu besprechen, er lernte Injektionsakupunktur – was er allerdings nicht in der Praxis anwendet – „aber es war gut, es kennengelernt und ein Verständnis hierfür entwickelt zu haben“.

Beratung und Hausmittel

Zur eingehenden Beratung bittet Reuter die Patienten in sein Arbeitszimmer der Apotheke. „Die Kunden und Patienten schätzen diese Atmosphäre des Besonderen“, weiß Reuter. „Aber“, so fügt er hinzu, „bei der homöopathischen Beratung ist man sehr nah am Patienten, man muss sogar aufpassen, nicht zu sehr vom Patienten vereinnahmt zu werden.“ Ein Honorar verlangt er für diese Beratungsleistung nicht, selbst wenn sie ein, zwei Stunden dauert. „Das ist nicht unsere Philosophie“, erklärt er, „wir möchten unsere Kunden gerne langfristig begleiten und sind nicht auf ein schnelles Beratungshonorar aus.“

Anhand der vom Patienten erhaltenen Informationen sucht Reuter dann nach dem geeigneten homöopathischen Mittel, nach einer maßgeschneiderten Therapie. „Wenn ich nicht überzeugt bin, dass die Präparate passen, gibt es nichts“, so sein Credo, „dem Kunden nur ein paar Mittel zu verkaufen, damit die Rendite stimmt, das gibt es bei mir nicht. Wenn die Präparate helfen, erzählt es der Kunde weiter – und wir bekommen neue Kunden.“

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Apotheke sind rund 30 Hausmarken, die über die Defektur hergestellt werden. Er stellt auch eine homöopathische Taschenapotheke für Komplexmittel zusammen, in der der Anwender beispielsweise Hustenglobuli, Schnupfenglobuli oder Allergieglobuli findet. Reuter entwickelte darüber hinaus ein eigenes Nahrungsergänzungsmittel, das bereits eine eigene PZN hat und von einem Lohnhersteller gefertigt wird. Eine Anwendungsbeobachtung für dieses Präparat läuft derzeit.

Die Einwohner von Walldürn schätzen den persönlichen Rat, den sie in ihrer Apotheke erhalten, und die homöopathischen Eigenmarken der Apotheke. Diese Komplexmittel heißen zum Beispiel Haut-Globuli oder Verstopfungs-Globuli, sind also mit einer Indikation versehen und für die Kunden gut merkbar. Aber auch ausgefallenere Mittel wie von Hand hergestellte Tausenderpotenzen sind in seiner Apotheke zu bekommen.

„Es geht um den Menschen“

Zur Philosophie seiner Apotheke ergänzt Reuter: „Der Mensch muss merken, dass es um ihn geht. Unabhängig davon, wer vor einem steht – in diesem Moment ist man nur für diesen Menschen da. Mehr ist es nicht. Das hört sich vielleicht einfach an, aber es verlangt doch sehr viel Aufmerksamkeit und Konzentration.“

Ab und an berät er Kunden auch per Skype, Kunden, die zum Beispiel über Vorträge auf ihn aufmerksam geworden sind und nicht nach Walldürn kommen können. Er hat keine Probleme damit, wenn sie dann die Arzneimittel nicht in seiner Apotheke kaufen, sondern beim Apotheker vor Ort, „Hauptsache, sie kaufen es dann nicht im Internet“, schmunzelt Reuter und fügt hinzu: „Ich weiß zwar, dass ich da nichts verdient habe, aber es ist gut fürs Karma.“

Reuter weiß auch, dass es den Kunden nicht interessiert, die Merkmale der Apotheke herauszustellen: „Dem Kunden ist es egal, ob wir QMS-zertifiziert sind, ihn interessiert sein Vorteil. Man kann die Vorteile mit Merkmalen begründen, aber was für den Kunden wirklich zählt, sind seine Vorteile.“

Von Vorteil für Reuters Central-Apotheke ist, dass seine zwölf Mitarbeiterinnen hinter dem Konzept der naturheilkundlichen Ausrichtung der Apotheke in Richtung Homöopathie und Phytopharmazie stehen, „das wird auch im Bewerbungsgespräch erörtert“, erklärt Reuter. Dass auch seine Frau, ebenfalls Apothekerin, in der Apotheke mitarbeitet, schätzt er besonders, „denn“, so fügt er hinzu, „ohne sie wäre das alles nicht ansatzweise möglich“.

Und wenn es sein Terminkalender erlaubt, geht Reuter seinem zweiten Steckenpferd nach: Er hält Seminare für Führungskräfte, für Apothekenleiter. In diesen Seminaren stellt er gerne folgende Fragen aus Kundensicht: Warum denke ich an Ihre Apotheke, wenn ich krank bin? Warum sollte ich Ihre Apotheke kaufen? Warum sollte ich mit Ihnen Geschäfte machen? Warum möchte ich von Ihnen und nicht von der Apotheke gegenüber beraten werden? „Wenn man diese Fragen richtig gut beantworten kann“, so Reuter, „dann braucht man sich keine Sorgen um die eigene Apotheke und seinen Job zu machen.“ Und für sich hat Reuter schon gute Antworten gefunden.

Autor

Peter Ditzel ist Herausgeber der DAZ – Deutsche Apotheker Zeitung

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