Tradition verpflichtet

Die Apothekerin und Lucas Cranach der Ältere

Düsseldorf - 21.03.2016, 17:00 Uhr

Die Inhaberin der Lucas-Cranach-Apotheke in Wittenberg, Birgit Biernoth fühlt sich als Apothekerin und Hobby-Historikerin der Tradition verpflichtet. (Foto: Biernoth)

Die Inhaberin der Lucas-Cranach-Apotheke in Wittenberg, Birgit Biernoth fühlt sich als Apothekerin und Hobby-Historikerin der Tradition verpflichtet. (Foto: Biernoth)


In Wittenberg in Sachsen-Anhalt hatte der Maler Lucas Cranach der Ältere im 16. Jahrhundert seine Maler-Werkstatt – und war ab 1520 im Besitz eines Apothekenprivilegs. Eine Sonderausstellung beschäftigt sich nun mit der Geschichte der immer noch bestehenden Apotheke.

Adler-Apotheke im Cranach-Haus, privilegiert seit 1513“ – so steht es auf einem geschnitzten Spruchband, das die heutige Besitzerin der Lucas-Cranach-Apotheke in Wittenberg in ihrer Offizin gefunden hat. Derzeit ist dies eines der Exponate der Sonderausstellung „Die Cranach-Apotheke, Geschichte und Geschichten“, die im Cranach-Haus, Markt 4, in der Lutherstadt in Sachsen-Anhalt zu sehen ist.

Die Apothekerin Birgit Biernoth hat sich dabei als Hobby-Historikerin intensiv unter anderem mit der Jahreszahl 1513 auseinandergesetzt und darüber hinaus etliches zur Ausstellung beigetragen. Seit dem Jahr 2005 ist sie die Inhaberin der Apotheke an historischer Stelle an der Schlossstraße in Wittenberg. „Der Name der Apotheke ist ja irgendwie eine Verpflichtung, der ich mich gerne stelle“, erklärt sie ihr historisches Interesse.

Cranach kaufte über die Apotheke seine Malutensilien

1505 kam der Maler Lucas Cranach der Ältere als Hofmaler des Kurfürsten nach Wittenberg und betrieb dort seine Malerwerkstadt, die später von seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren fortgeführt wurde. Über 5000 Gemälde sind daraus erhalten. Neben Albrecht Dürer gelten beide als die bedeutendsten Maler der Renaissance.

Im Jahr 1520 erhielt der Cranach der Ältere auch das kurfürstliche Apothekerprivileg und hatte so eine Monopolstellung für den Handel mit Arzneimitteln, Gewürzen und süßem Wein inne. Heute wird vermutet, dass Cranach, der selbst kein Pharmazeut oder Medizinkundiger war, dies auch vor allem dafür nutzte, sich nun ohne Zwischenhändler alle Materialien für seine Malerwerkstatt besorgen zu können. Dennoch etablierte er damit eine Apothekentradition, die noch heute fortbesteht. Nach ihm betrieb seine jüngste Tochter Anna die Offizin mit ihrem Mann, dem Apotheker Caspar Pfreundt.

„In der Ausstellung gibt es etwa eine vollständige Tabelle aller Besitzer der Apotheke seit ihrer Gründung 1502 durch Martin Pollich von Mellerstadt bis zu mir heute“, sagt die heutige Apothekerin Birgit Biernoth. Pollich war Anfang des 16. Jahrhunderts Leibarzt des Kurfürsten und Gründungsrektor der Wittenberger Universität. Nach seinem Tod 1513 betrieben seine Erben die Apotheke weiter, die sie 1520 schließlich an Cranach den Älteren verkauften, womit der berühmte Maler in die Pharmazeuten-Tradition eintrat.

Foto: Biernoth

Ölgemälde von Cranach und seiner Frau schmücken die Offizin.

Cranach-Ecke in der Apotheke eingerichtet

Für die Apotheke habe ich zwei Ölgemälde anfertigen lassen, die Cranach den Älteren und seine Frau zeigen“, sagt Biernoth. Außerdem gibt es in der historischen Apotheke eine „Cranach-Ecke“ im Andenken an den Künstler. Die heutige Apotheke befindet sich etwa dort, wo sie 1502 gegründet wurde. 1540 zog sie in das heutige Cranach-Haus um, an der Adresse Markt 4, wo der Maler auch seine Werkstatt betrieb. Seit dem Jahr 1799 wird die Apotheke wieder an der Schlossstraße 1 betrieben.

Seit rund drei Jahren beschäftigt sich Biernoth mit der Geschichte ihrer Vorgänger. Über ihre Forschungsergebnisse zum Jahr 1513, dem Todesjahr des Apotheken-Gründers Pollich, das auf dem Spruchband vermerkt ist, plant sie eine Abhandlung zu schreiben. „Leider ist ja das ursprüngliche Privileg von Martin Pollich von Mellerstadt nicht erhalten“, sagt sie. Dafür gibt es in der aktuellen Ausstellung im Cranach-Haus zahlreiche andere dieser historischen Apothekerprivilegien zu sehen – sowas wie die kurfürstliche Erlaubnis, eine Apotheke betreiben zu dürfen. „Das von Cranach dem Älteren ist etwa als Replik ausgestellt“, sagt Biernoth.

Ausstellung zeigt Pflanzen als Medizin des 16. Jahrhunderts

Aus ihrem Fundus stammt auch ein dort gezeigtes antiquarisches Botanik-Buch von Cranachs Zeitgenossen, dem „pflanzenkundigen Mediziner“ Leonhart Fuchs, einem der Väter der heutigen Botanik. Anhand des Buches und ausgewählter Pflanzen wird in der Ausstellung gezeigt, wie damals im 16. Jahrhundert Pflanzen pharmazeutisch als Medizin eingesetzt wurden.

Historische Apothekengerätschaften sind zu sehen

„Außerdem sind noch verschiedene historische Apothekergerätschaften ausgestellt“, erklärt Biernoth. Einen wesentlichen Anteil an der Zusammenstellung hatte dabei auch ihre Vorgängerin in der Apotheke, Marie Luise Schade, die die Offizin über 50 Jahre leitete. Sie sammelte zahlreiche Dokumente und verfasste unter anderem eine Chronik über die Geschichte der Apotheke, die nun auch Bestandteil der Sonderausstellung sind. Zwei originale Privilege aus den Jahren 1612 und 1675, die nun zu sehen sind, stammen etwa aus ihrem Besitz. Taxlisten und Revisorenberichte sowie zahlreiche weiter Zeugnisse über die ältestes Wittenberger Apotheke sowie den Beruf des Apothekers im Wandel der Zeit vervollständigen die Exponate.

Zu sehen ist die Sonderausstellung im Cranach-Haus, Markt 4 in Wittenberg, noch bis zum 8. Mai. Geöffnet ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr. Dabei können die Besucher auch einen Blick in „Cranachs Welt“ werfen, wie die Dauerausstellung des Hauses getitelt ist.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Tradition im Schatten der Apothekenrealität

von Heiko Barz am 22.03.2016 um 11:22 Uhr

Hier sehen wir ein Beispiel, auf welch eine Tradition und Wertigkeit unser Berufsstand zurückblicken kann.
Hoffentlich kommt nicht irgend eine Kammer auf die Idee, solch eine Apotheke zu schließen, weil vielleicht irgend eine Position der Apoordnung nicht zu erfüllen ist, wie zum Beispiel das Schicksal der Löwen-Apotheke in Rothenburg ob der Tauber zeigt.

Wenn man zum anderen die Veränderungen in der aktuellen Apothekenlandschaft analysiert, muß festgestellt werden, dass sich schon langsam aber sicher aus Kooperationen Ketten entwickeln werden. Man lese Merkels Einlassung - zum Erhalt Groß Britanniens in der EU - werde nur dann möglich sein , in der Bereitschaft " Heilige Kühe " zu schlachten.
Damit gehört auch die Sonderstellung - nämlich die des Arzneimittelvertriebs der Deutschen Pharmazie - auf den
Altar der Gleichmacherei in der EU.
Bald bekommt dann auch TTIP grünes Licht.

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