ABDA/KBV-Konzept

Apotheker und Hausärzte im Kompetenz-Gerangel

Berlin - 19.09.2011, 17:18 Uhr


Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer, wehrt sich gegen Angriffe des Deutschen Hausärzteverbands gegen Apotheker und das ABDA/KBV-Konzept. „Die Apotheker wollen und werden den Ärzten nichts wegnehmen“, betonte sie. „Im Gegenteil: Apotheker und Ärzte wollen enger zusammenarbeiten mit einer klaren Aufgabentrennung.“

Der alte und neue Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, eckt derzeit heftig bei Apothekerinnen und Apothekern an. Auf dem Deutschen Hausärztetag letzte Woche in Berlin machte er deutlich, dass er nichts vom ABDA/KBV-Konzept hält – vom „Apotheken-Fütterprogramm“ war die Rede. Zudem warnte er davor, dass Ärzte in dem Modell Kompetenzen an Apotheken abgeben würden, die eigentlich ihre ureigenen seien.

Das Nachrichtenportal apotheke-adhoc spitzte die Aussagen noch zu: Laut Weigeldt seien die Pharmazeuten für die vorgesehenen Aufgaben nicht ausgebildet – auch wenn sie dies sagten. Das Pharmaziestudium qualifiziere vor allem für die Aufbewahrung und Distribution von Arzneimitteln. Bei der Galenik etwa hätten die Pharmazeuten einen anderen Blickwinkel als Ärzte, und auch der Bereich Rezepturherstellung spiele kaum noch eine Rolle.

Dies rief die BAK auf den Plan. Präsidentin Erika Fink hielt dem Hausärzteverband Polemik vor. So verwies sie darauf, dass Apotheken jedes Jahr rund 16 Millionen Rezepturen für gesetzlich Versicherte herstellten. Auch habe sich erst kürzlich der Berufsverband der Deutschen Dermatologen zur Rezeptur bekannt. Richtig sei allerdings, dass die Apotheker einen ganz anderen Blickwinkel auf die Galenik haben: „Denn nur sie sind im Studienfach Pharmazeutische Technologie ausgebildet“, so Fink.

Beim Hausärzteverband sieht man sich missverstanden. Keinesfalls habe es einen „polemischen Ausfall“ gegen Apotheker gegeben, so ein Sprecher des Verbandes gegenüber DAZ.online. Weigeldt habe vielmehr sein Unverständnis für die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Bundesärztekammer zum Ausdruck bringen wollen, die beide hinter dem ABDA/KBV-Modell stehen. Offenbar fühlen sich die Hausärzte von den Kollegen übergangen. Als so mächtige Arztgruppe wären sie gerne zu Rate gezogen worden, als ABDA und KBV sich auf ihr Konzept verständigten.

Die BAK-Präsidentin warb indessen weiter für das mit der KBV entwickelte Modell: Es verbessere die Arzneimittelversorgung von Patienten mit Polymedikation und mache sie langfristig ökonomischer. Fink fordert den Hausärzteverband auf, zum konstruktiven Gespräch zurückzukehren. „Ich lade jeden Funktionär des Hausärzteverbands, jeden Politiker und jeden Journalisten ein, sich in einer Apotheke ein eigenes Bild zu machen, jenseits aller Klischees,“ so Fink.


Kirsten Sucker-Sket


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