Entwarnung für Calciumsupplementierung?

„Herzinfarktrisiko nicht ausreichend belegt“

Stuttgart - 30.09.2010, 09:57 Uhr


Nach Ansicht der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) ist aufgrund der bisher vorliegenden Daten ein erhöhtes Herzinfarktrisiko unter Calciumsupplementierung nicht ausreichend belegt, andererseits gebe es aber auch keine

Hintergrund der Diskussion um ein potenziell erhöhtes Herzinfarktrisiko unter Calciumsupplementierung ist eine vor Kurzem veröffentlichte Metaanalyse, nach der bei einer Calciumaufnahme von mehr als 800 mg das Herzinfarktrisko um 30% erhöht war. In einem Gespräch mit der Deutschen Apotheker Zeitung hatte Prof. Dr. Johannes Pfeilschifter, zweiter Vorsitzender des Dachverbandes Osteologie (DVO) und Mitautor der DVO-Leitlinie Osteoporose, die Ergebnisse als sehr konsistent und plausibel eingestuft. Eine tägliche Cacliumaufnahme von 1000 mg sei ausreichend, 1500 mg sollten nicht überschritten werden, so seine Empfehlung
In die Diskussion hat sich nun die AkdÄ eingeschaltet. Nach Analyse der vorliegenden Studien kommt sie zu dem Schluss, dass ein erhöhtes Herzinfarktrisiko unter Calciumsupplementen zwar nicht ausreichend belegt ist, eine vollständige Entwarnung wird jedoch nicht gegeben. Mit Verweis darauf, dass auf der einen Seite ein Nutzen einer Calciumsupplementierung bei normaler Calciumversorgung nicht nachgewiesen ist, auf der anderen Seite aber das Risiko für Nierensteine steigt, lehnt die AkdÄ eine generelle Calciumsupplementierung ab. Es müssten vielmehr Risikogruppen definiert werden, die voraussichtlich von einer zusätzlichen Calciumsubstitution profitieren. Bei jedem Patienten sollten zunächst das Frakturrisiko und die Versorgung mit Vitamin D eingeschätzt werden, um entscheiden zu können, ob ein Nutzen zu erwarten ist. Die AkdÄ empfiehlt eine Gesamtcalciumaufnahme von 1000 bis 1500 mg pro Tag und orientiert sich damit an den Empfehlungen der DVO. 

Lesen Sie dazu auch

Diskussion: Calcium und das Herzinfarktrisiko. DAZ 2010, Nr. 34 S. 50 - 51

Osteoporose: Calcium kann das Herzinfarktrisiko erhöhen. DAZ 2010, Nr. 32 S. 38 

DAZ-Interview mir Prof. Dr. Johannes Pfeilschifter:"Eine zu hohe Calciumzufuhr ist schädlich" DAZ 2010; Nr. 32 S. 39


Dr. Doris Uhl


Das könnte Sie auch interessieren

Über die richtige Menge Calcium und Vitamin D bei Osteoporose

Zu wenig kann schaden, zu viel auch

Prophylaxe von Frakturen und Osteoporose

Calcium-Supplemente: empfehlen oder nicht?

Beratungswissen rund um Calcium

Für starke Knochen

Zwei neue Studien stellen Supplementierung infrage – eine differenzierte Betrachtung

Calcium – kein Schutz vor Knochenbrüchen?