DAZ-TV-Interview mit Prof. Gerd Glaeske

Die Apotheke muss „Exzellenzzentrum für Arzneimittelfragen“ sein

Berlin - 19.09.2010, 16:45 Uhr


Wenn es um kritische Fernsehbeiträge über Apotheken geht, ist Professor Gerd Glaeske zumeist nicht weit. Für viele Apothekerinnen und Apotheker ist er wegen seiner Äußerungen zu

„Ich halte Apotheken für unverzichtbar“, betont Glaeske. Damit diese Unverzichtbarkeit bleibe, bedürfe es aber auch gewaltiger Anstrengungen – gerade was die gute Beratung betrifft. Die Apotheke müsse ein „Exzellenzzentrum für Arzneimittelfragen“ sein. Viele Apotheken machten das sehr gut, aber längst nicht alle. Wenn er sage, die Apotheken seien bei den vergangenen Reformen unbelastet davongekommen, so könne dies auch als Lob aufgefasst werden: Offenbar sei eine ausgesprochen gute Lobbyarbeit gemacht worden. Die Argumente der ABDA hätten in der Politik gewirkt und Eingang in sie gefunden . Auf der anderen Seite habe die ABDA Apotheken gebremst, die sich weiterentwickeln wollten, und sich stets gegen eine Differenzierung gewehrt.

Doch gerade diese Differenzierung ist Glaeske wichtig. Zu viele Apotheker versteckten sich hinter Kollektivverträgen – „und die möchte ich in der Tat etwas aufschrecken“, sagt er im Interview. Eine Differenzierung nach Qualität ist aus Glaeskes Sicht dringend nötig. Im Moment werde noch zu viel darauf geachtet, wie jede Apotheke zurechtkommt. Durch die Einführung einer qualitätsorientierten Honorierung lassen sich nach seiner Überzeugung Rationalisierungsreserven in einer Größenordnung von 500 bis 600 Millionen Euro finden.

Zugleich macht Glaeske aber auch klar, dass sich eine solche Qualitätssicherung aus seiner Sicht gut in Ketten-Apotheken realisieren lässt. Es wäre „ein wichtiger Schritt nach vorne“, wenn nicht jeder für sich überlegt, wie er die Qualität verbessern kann, sondern dies gemeinsam geschehe und auch gemeinsam nach außen getragen werde. Der Wettbewerb der Systeme müsse gefördert werden, um eine optimierte Versorgungslandschaft zu erreichen. Jeder Kunde solle selbst entscheiden, ob er in eine Ketten-Apotheke gehe oder in eine andere Apotheke oder aber im Versandhandel bestelle.

Was die Arzneimittel-Rabattverträge betrifft, so dürften viele Apothekerinnen und Apotheker mit Glaeskes Einschätzung übereinstimmen: „Wenn die Rabattverträge ein Arzneimittel wären und ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit hätten nachweisen müssen, bevor sie in Kraft traten, wären sie nie in Kraft getreten.“

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Kirsten Sucker-Sket


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