GERD GLAESKE im GEspräch mit Peter Ditzel

Glaeske differenziert

Stuttgart - 09.12.2015, 17:45 Uhr

Gerd Glaeske sprach mit DAZ-Herausgeber Peter Ditzel. (Foto: diz)

Gerd Glaeske sprach mit DAZ-Herausgeber Peter Ditzel. (Foto: diz)


Apotheker, Hochschullehrer, Wissenschaftler, Autor, Provokateur – Gerd Glaeske hat sich in der Gesundheitsszene einen Namen gemacht. Ich sprach mit ihm über seine Arbeit, seine Einstellung zu den Apothekern.

Gerd Glaeske ist einer der gefragtesten Arzneimittelkritiker. Er hat sich einen Namen gemacht in der Gesundheitsszene, in der Politik. Auch bei Deutschlands Apothekern. Doch da gehen die Meinungen auseinander. Während die einen seine Offenheit, seinen Scharfsinn und seine unbequemen Ideen schätzen und ihn als profunden Kenner des Gesundheitswesens und der Arzneimittelversorgung ausweisen, wollen manche sogar nicht mehr mit ihm reden. Sie sehen in ihm einen Gegner der Apotheker. Seine kritischen Bücher über Arzneimittel, seine Mitwirkung bei Apothekentests und seine Kritik an der Apothekenberatung brachten ihm in Apothekerkreisen wenig Sympathie. Im Mai dieses Jahres wurde er 70. Ein Anlass, kurz zurückzuschauen, auch auf den Menschen Glaeske.

Geprägt durch den Sachverständigenrat

Eines seiner Leib- und Magenthemen ist die Arzneimittelversorgungsforschung, mit der er groß geworden ist. Wenn er heute auf fast 40 Jahre Arzneimittelversorgungsforschung zurückschaut, welches Fazit kann er ziehen? Seine Tätigkeit im Sachverständigenrat hat ihn bei diesem Thema sehr geprägt, wie er vorausschickt. Die Trias aus Unter-, Über- und Fehlversorgung war für ihn leitend. „Übrigens“, merkte Glaeske am Rande an, „dass ich als Apotheker viele Jahre im Sachverständigenrat war, wollten die Apotheker damals kaum wahrnehmen. Von der ABDA hat in den sieben Jahren keiner mit mir gesprochen – das muss man sich mal vorstellen. Ich sage das übrigens nicht aus gekränkter Eitelkeit, sondern aus Unverständnis über eine entgangene Chance für eine konstruktive Lobbyarbeit.“

Eine Mission: Apotheke unverzichtbar

Glaeske stellt überzeugend klar: „Der Apothekerberuf ist ein Beruf, den ich nach wie vor sehr schätze, selbst wenn man mir auch da wieder unterstellt, ich würde mich selten als Apotheker outen, was nicht stimmt. Wenn ich in bestimmten Bereichen tätig bin und vortrage, dann ist es für mich völlig klar, dass ich mich auch als Apotheker vorstelle und immer wieder darauf hinweise, wie wichtig mir eine gut funktionierende Apotheke ist und wie unverzichtbar ich eine Apotheke im gesamtmedizinischen Umfeld finde. Das ist in der Tat eine Mission, die mich umtreibt schon seit 1981, seit ich in diesem Gebiet tätig bin.“

So hat er sich immer wieder mit der Fragestellung befasst, wer denn mitverantwortlich für die Bewertung von Arzneimitteln ist, wer mehr Verantwortung zeigen könnte und wer sich stärker auf die Seite der Patienten und Verbraucher stellen sollte. Dass hier der Apotheker eine viel größere Rolle spielen sollte, ist ein Credo Glaeskes, das er immer wieder in die berufspolitische Diskussion trägt: „Es ist ein wesentlicher Punkt, der mich umtreibt und oft enttäuscht zurücklässt.“ Er sähe den Apotheker gerne in der Rolle einer Art Gegenöffentlichkeit, um das zu filtern, was zum Teil an übertriebenen Informationen von der Industrie kommt.

Glaeske, der Apothekenkritiker?

„Herr Glaeske, warum machen Sie bei Apothekentests mit?“ möchte ich von ihm wissen. „Mir ist schon klar, dass solche Tests viele Apotheker ärgern. Aber: Ich habe bisher noch keinen Test erlebt, der so untypische Ergebnisse hatte, dass man sagen muss, da ist jetzt alles schief gegangen, das verstehe ich überhaupt nicht mehr. Glaeskes Erklärung: „Bei allen Tests zeigen sich zwei wichtige Aspekte: Wenn ein Kunde nach einem Produkt fragt und den Namen des Produkts richtig aussprechen kann, geht der Apotheker davon aus, der Kunde kenne das Produkt, und fragt dann nicht mehr nach. Wenn der Kunde aber Symptome schildert, bekommt er in der Regel ein sehr intensives Beratungsgespräch, das allerdings oft damit endet, dass sich der Apotheker umdreht und doch wieder dieses Produkt nimmt, das hinter ihm steht, das häufig beworben wird oder das er günstig eingekauft hat.“ Was Glaeske auch ärgert: Der Patient wird zu selten an den Arzt verwiesen: „Eine Regel in der Selbstmedikation lautet: Wenn ein Symptom zum ersten Mal auftritt und man kann es nicht einordnen, soll es der Arzt abklären.“

Differenzierung – weil nicht alle alles können

Wäre es denn sinnvoll, wenn sich einige Apotheken auf Rezepturen spezialisieren und diese für andere Apotheken mitmachen, möchte ich von ihm wissen und treffe damit sichtlich eines seiner Lieblingsthemen: „Wenn sich die Berufsvertretung nicht dazu durchringen kann, eine Differenzierung von Apotheken zu akzeptieren, sondern weiterhin meint, jede Apotheke könne alles gleich gut, dann hat sie eine große Chance vertan“, zeigt sich Glaeske überzeugt, es wird nicht anders gehen, als dass man eine Differenzierung einführen wird. Ich habe das auch auf dem Apothekertag 2014 gesagt, als es um das Perspektivpapier 2030 ging. Das Papier ist wirklich wichtig, es hat aber aus meiner Sicht die Konsequenz, dass die Entwicklung hin zu unterschiedliche Apotheken führen muss.“

 

Das gesamte Interview „Glaeske differenziert“ finden Sie in der neuen Ausgabe der DAZ (Nr. 50/2015). 


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16 Kommentare

Mehr guter Rat von Prof. Glaeske als aus 100 Gremiensitzungen

von Wolfgang Müller am 10.12.2015 um 16:48 Uhr

Der schlimmste Feind des Apothekers ist der Apotheker. VOLLKOMMEN Richtig. Prof. Glaeske ist einer von den nicht ganz so schlimmen, das wird immer klarer. Im Gegensatz zu den WIRKLICH schlimmen macht er nämlich ein paar richtig gute Vorschläge zur Verbesserung der Situation der Typischen Apotheke (auch wenn er selber lieber Ketten will, und auch kein Hehl daraus macht), die die Allerschlimmsten offensichtlich fürchten wie der Teufel das Weihwasser:
- Der DAV muss einen Gegenentwurf zum Gabriel-Apothekenhonorar-Gutachten schnellstmöglich LIEFERN(Doch mal frei von schädlichem Stolz bei TMB nachfragen?)
- Rezeptur nicht mehr in jeder Apotheke als Zwang; im Interesse der Apotheken und der Patienten (GMP!) Spezialisierung hier endlich möglich machen,

und einige kleinere Schätze mehr. Bei allen normalen Akademiker-Streitigkeiten, welche OTC-Mittel nun die besten sind (das Stifung-Warentest-Selbstmedikations-Buch ist gar nicht so übel), ist er vor Allem deshalb als Feind der Typischen Apotheke NICHT so schlimm, weil er ERKENNBAR ist: Z. B. Als Befürworter des Fremdbesitzes, und auch als recht gnadenloser Vertreter der GKV-System-Interessen, Selektivverträge etc..

Mir ist er zehnmal lieber als viele heuchlerische Selbstverwaltungs-Sachwalter unseres immer überkomplizierteren und weniger profitablen, aufs lächerlichste vor Allem auch von ANDEREN eigenen Kolleg/innen gegängelten Tagesgeschäfts! Viele ernstzunehmende Diskussions-"Gegner" auf seinem Level hat er da noch nicht gefunden, auf dem DAT 2014 erschien er mir, wie er so auf dem Podium saß, als - wie auch immer, im positiven wie im negativen - irgendwie herausragend. Schon allein in seiner dort einzigartigen, energiegeladenen, ungeduldigen, unruhigen Virulenz!

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Gläske

von mehrdad azizi am 10.12.2015 um 12:26 Uhr

Übrigens, das war Herr Gläske der mal bei der Diskussion um Honorar für die Apotheker gesagt hatte, wir würden und sollten auch mit 5 € Aufschlag klar kommen! Der Apotheker kann seine Heilberuflichkeit nur leisten, wenn er als Musskaufmann erfolgreich agieren kann. Seine Vorschläge was wir tun bzw. lassen sollten sind deshalb für mich ohne wert, weil er weder das eine, noch das andere ist!

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andere haben die Erwähnung verdient

von Christiane Patzelt am 10.12.2015 um 12:20 Uhr

Mir wäre doch lieber, wenn die DAZ mal ein Portrait über Herrn Reinhard Rodiger brächte, einer der sich stets dezidiert und klar äußert, was stinkt im System Apotheke! Hier ist ein Charakterkopf, der mit Sicherheit eine spannendere Persönlichkeit darstellt, als unser Meckeronkel aus der Fernsehecke.

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Nicht immer nur unkritisch losschimpfen über Prof. Glaeske

von Dr. Jochen Pfeifer, PharmD am 10.12.2015 um 11:27 Uhr

Bevor mal wieder alle losschimpfen: Nennen Sie Kritiker mal eine Aussage von ihm, die nachweislich falsch ist- ich meine jetzt nicht die Einschätzung von Prof. Glaeske hinsichtlich der Kombinationspräparate wie Thomapyrin- sondern hinsichtlich der öffentlichen Apotheken.

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AW: Gläske

von mehrdad azizi am 10.12.2015 um 12:51 Uhr

Herr Kollege,
mir missfällt es, wenn jemand der lange für die Krankenkassen gearbeitet hat, für die KK's Expertisen erstellt und seine Brötchen bei den KK's verdient uns Offizinapothekern vorschreiben will, was und wie wir es zu machen hätten!

AW: Nur eine Aussage, welche nachweislich falsch ist (mit Ausnahme von .....)

von Andreas Grünebaum am 10.12.2015 um 15:18 Uhr

Es können aber doch auch nicht alle Aussagen von Herrn Glaeske nur richtig sein, weil sie nicht gleich nachweislich falsch wären. Was wäre denn das für ein wissenschaftliches Bild? Nebenbei: auf dem Stand von Glaeske müssten wir alle noch H2O2 zur Wunddesinfektion verwenden!

fehlende Apothekenpraxis

von Mehrdad Azizi am 10.12.2015 um 10:41 Uhr

An den Ratschlägen des Herrn Gläske liest man sofort, dass er keinen Bezug zur Praxis hat. Er kann noch nicht mal ahnen, wie schwierig mittlerweile es geworden ist, den Spagat zwischen Heilberufler und Kaufmann zu meistern. Das sind Ratschläge eines Theoretikers, die so gut wie keinen Mehrwert für eine/n Praktiker/in haben. Übrigens, ich kann mich nicht erinnern mal Kritik seiens des Herrn Gläske an die Adresse der Krankenkassen gelesen zu haben und weiß Gott, gibt es mehr als genug Kritik!

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Praktikum

von Uwe Hansmann am 10.12.2015 um 8:58 Uhr

Ich hatte Gerd Glaeske seinerzeit bei einer Podiumsdiskussion des BPI in Hannover coram publico empfohlen, ein mehrwöchiges Praktikum in einer Apotheke vor Ort zu absolvieren. Er ist diesem Rat ganz offensichtlich nie gefolgt - schade.

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Auch die positive Entwicklungen sollte Herr Glaeske erwähnen

von Elisabeth Thesing-Bleck am 10.12.2015 um 7:06 Uhr

Was Glaeske auch ärgert: Der Patient wird zu selten an den Arzt verwiesen: „Eine Regel in der Selbstmedikation lautet: Wenn ein Symptom zum ersten Mal auftritt und man kann es nicht einordnen, soll es der Arzt abklären.“
Mit diesem Ärger ist Herr Glaeske zum Glück nicht mehr auf dem neusten Stand. In allen Fortbildungen zur Selbstmedikation beim älteren Menschen lege ich in meinen Schulungen und in meinen Veröffentlichungen seit Langen den wichtigsten Schwerpunkt darauf, bei welchen Symptomen, die ein Patient schildert und bei welchen für Health Professional erkennbaren Risiken ein Arzt konsultiert werden sollte. Inzwischen ist das recht gut von den Kolleginnen und Kollegen aufgenommen und umgesetzt worden.

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Es fehlt......

von Reinhard Rodiger am 10.12.2015 um 0:32 Uhr

......die Kennzeichnung als wie auch immer bezahlter Krankenkassenlobbyist, der massgeblich den Machtmissbrauch der Krankenkassen gefördert hat. Seine intellektuelle Schärfe wurde stumpf bei der Erkenntnis ,dass Ideologie nicht alles regeln kann.

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Da lächelt er

von Martin Lörzer am 09.12.2015 um 23:10 Uhr

Jaahh,
heute 500 Euro Absetzung von der DAK bekommen. Gut gemacht, Patienten perfekt nach Verordnung versorgt. Rabattvertrag offensichtlich nicht beachtet und vollständig abgesetzt bekommen und ich Depp winke das auch noch durch bevor es rausgeht. Sollen die ihre Versicherten selber versorgen und schauen was bei rauskommt. Der Vollpfosten Glaeske bezahlt mir den Schaden ja wohl mal nicht.

Hab echt die Schnauze voll...

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Überflüssig

von Ulrich Ströh am 09.12.2015 um 22:22 Uhr

Auch ich verstehe nicht,warum man dem Kollegen Glaeske so einen Teppich ausrollt.
Praxis ist immer der beste Lehrmeister:
Gerd Glaeske inach dem Nachtdienst einer Innenstadtapotheke über 14 Stunden... Und direkt danach interviewen mit Bild.
Schreibtischapotheker kann jeder.


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AW: dto.

von Heribert Schmidt am 10.12.2015 um 9:00 Uhr

Wohl war!

?

von Tom More am 09.12.2015 um 22:03 Uhr

Warum gibt die DAZ diesem Typ ein Forum? Mich und mit Sicherheit die meisten Kollegen interessieren seine Ausführungen und seine Selbstdarstellung nicht. Er hat sich einen Namen gemacht, stimmt. Aber nur als presseg... Medienh...

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Der Mann sollte mal wieder in seinem Beruf arbeiten

von Pillendreherin am 09.12.2015 um 20:47 Uhr

Dieser selbsternannte "Arzneimittelkritiker" ist alle Jahre wieder vom Sensationsjournalismus gefragt, wenn es darum geht, die eigenen Kollegen als geldgierige Lakaien der teuflischen Pharmaindustrie hinzustellen. Mein Respekt hat der Mann, dass er immer wieder aufs Neue für die gleiche standardisierte Aussage bezahlt wird: "Kombipräparate böse - Nasenspray und Paracetamol gut - Apotheker beraten schlecht". Und das jedes Jahr, sobald die Erkältungszeit losgeht. So verdient er offenbar genug, um sich nicht in einer öffentlichen Apotheke mit Rabattverträgen und Retaxationen herumärgern zu müssen, oder sogar mal wieder selbst einen echten Kunden zu beraten. Nichts gegen fundierte Kritik, die kann bisweilen sogar hilfreich sein, aber reißerische, dümmliche, einen kompletten Berufsstand diffamierende, sich immer wiederholende Aussagen - auf die kann man gerne verzichten und versäumt ganz sicher nichts dabei.

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Glaeske differenziert

von Christiane Patzelt am 09.12.2015 um 19:55 Uhr

Ehrlich, wer mich und meinen Beruf permanent demontiert, uns alle in Sippenhaft nimmt, weil es Kollegen sehr bunt treiben und mich ständig diskreditiert, der kann so differenziert nicht sein. Ich brauche keine permanente Schlammschlacht!

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