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Deutscher Apothekertag

Drei tolle Tage in Düsseldorf?

Eine Gebrauchsanweisung für den Deutschen Apothekertag 2019

In dieser Woche findet der Deutsche Apothekertag in Düsseldorf statt. Es stellt sich die Frage, ob die drei Tage in der Karnevalshochburg auch außerhalb der närrischen Zeit zu einem tollen Erlebnis werden. Was erwartet Delegierte und Besucher dort?  | Von Thomas Müller-Bohn

Die erste Überraschung erleben Apothekertagsneulinge schon vor dem Messegelände. Dort herrscht reger Betrieb und es sind viele Flaggen mit dem Apotheken-A zu sehen. Ist dies ein großer Bahnhof für den Apothekertag? Keineswegs, denn die Aufmerksamkeit gilt der Expopharm, die parallel zum Apothekertag stattfindet. Bei dieser größten pharmazeutischen Fachmesse in Europa präsentieren sich mehr als 500 Aussteller auf über 36.000 Quadratmetern Fläche den vermutlich über 25.000 Fachbesuchern. Zum Apothekertag gehen dagegen nur einige Hundert Delegierte, andere Funktionsträger, Gäste und Pressevertreter. Beim Einlass sind sie nur ein kleines Grüppchen im großen Strom der Messebesucher. Das Personal auf dem Gelände ist auf eine Messe eingerichtet. Mit dem Begriff „Apothekertag“ können viele dort gar nichts anfangen.

Der Apothekertag findet statt, während die Kollegen in den Hallen nebenan die mögliche Technik für das E-Rezept betrachten, nach neuen Marketingideen suchen oder an spaßigen Aktionen teilnehmen, mit denen die Aussteller um Aufmerksamkeit buhlen. Im Kontrast zu den bunten und lauten Messehallen ist der Saal für den Apothekertag schlicht gehalten. Je nach Situation und persönlicher Stimmung kann dies als angenehme Beruhigung oder als Gegensatz zur Vielfalt der Berufswirklichkeit empfunden werden.

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Viele Flaggen, reger Betrieb? Die Expopharm sollte man nicht mit dem Deutschen Apothekertag verwechseln.

Eröffnungen und Grußworte

Am Mittwochfrüh öffnet zunächst die Expopharm. In einer gesonderten Eröffnungsveranstaltung stellt Fritz Becker als Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes den Gästen aus der Industrie die Situation der Apotheken aus wirtschaftlicher Perspektive dar. Es folgen Grußworte von der Pharmaindustrie und vom Großhandel, in denen meistens die Gemeinsamkeiten aller Beteiligten betont werden.

Um 14 Uhr beginnt der Deutsche Apothekertag mit dem ­Lagebericht des ABDA-Präsidenten Friedemann Schmidt. Er erläutert darin voraussichtlich seine Haltung zum aktuellen Apothekenstärkungsgesetz. Meistens vermittelt der Lagebericht auch eine Vision, die die Apothekertagsdebatten der nächsten Tage und die berufspolitische Arbeit der folgenden Monate prägen soll.

Dann folgen die Grußworte. Üblicherweise konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf den Bundesgesundheitsminister, aber diesmal wird Jens Spahn aus Termingründen erst am Freitag erwartet. Die Bühne gehört damit insbesondere den politischen Vertretern des Gastgeberlandes Nordrhein-Westfalen. Die früher übliche Diskussionsrunde mit Gesundheitspolitikern verschiedener Parteien auf Bundesebene gibt es diesmal nicht, auch nicht an einem anderen Tag. Denn im Deutschen Bundestag ist Sitzungswoche und die ABDA hat nach eigenen Angaben von den relevanten Politikern zu viele Absagen bekommen, weil sie nicht nach Düsseldorf reisen könnten. Früher hatte diese Runde oft für interessante Impulse gesorgt und Unterschiede in den Positionen der Parteien deutlich gemacht. Doch auch 2018 fiel die Runde aus.

Geschäftsbericht und Aussprache

Im weiteren Verlauf des Mittwochs wird um 16.30 Uhr die Hauptversammlung eröffnet. Die meisten der zahlreichen Gäste der ABDA sind dann nicht mehr im Saal. Die zuvor manchmal etwas festliche Stimmung weicht einer nüchternen Arbeitsatmosphäre. Zunächst stellt ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz den Geschäftsbericht vor. Die anschließende Diskussion bezieht sich üblicherweise auch auf den Lagebericht des ABDA-Präsidenten. Dies ist also die einzige Gelegenheit für eine Aussprache mit der ABDA-Spitze zu grundlegenden Themen, die nicht Gegenstand eines Antrags sind. Damit ist dies eine besonders interessante Stelle im Ablauf des Apothekertages. Denn hier ist es ganz offiziell möglich, eine nicht vorbereitete Diskussion in Gang zu bringen.

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Aktuelle Lage und standespolitische Vision – ABDA-Präsident Friedemann Schmidt wird sich voraussichtlich zum Apothekenstärkungsgesetz äußern.

Mehrtägige Antragsdebatte

Anschließend beginnt die Antragsdebatte und damit die eigentliche Arbeit der rund 300 Delegierten. Ihre Funktion ist eine der großen Merkwürdigkeiten der Veranstaltung. Einerseits wird der Deutsche Apothekertag als „Parlament“ der Apotheker betrachtet, andererseits hat die Hauptversammlung gemäß der Satzung der ABDA keine Entscheidungsgewalt. Die Hauptversammlung stimmt nur über Anträge ab und in diesen Anträgen heißt es stets, die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordere den Gesetzgeber oder wen auch immer zu etwas auf. Manchmal heißt es sogar, die ABDA solle bestimmte Schritte unternehmen oder sich für bestimmte Ziele einsetzen. Die Hauptversammlung kann jedoch keine Projekte beschließen, keine Finanzmittel bewilligen und niemanden wählen. Für die wichtigsten Entscheidungen ist die ABDA-Mitgliederversammlung zuständig. Denn die ABDA ist ein Verband der Verbände. Mitglieder der ABDA sind nicht einzelne Apotheker, sondern die jeweils 17 Apothekerkammern und -verbände, die durch ihre Vorsitzenden vertreten werden. Juristisch wird argumentiert, die Struktur der ABDA lasse eine andere Rolle der Hauptversammlung nicht zu. Außerdem könne mit wichtigen Beschlüssen nicht bis zum Apothekertag gewartet werden, der nur einmal jährlich stattfindet. Dagegen wird angeführt, Beschlüsse und die Wahl des ABDA-Präsidenten durch ein parlamentsähnliches Gremium hätten politisch größeres Gewicht. Daraufhin wurde schon mehrfach über mögliche Änderungen diskutiert, aber letztlich ist es bei der ursprünglichen Aufgabenverteilung geblieben.

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Wenn die festliche Stimmung einer nüchternen Arbeits­atmosphäre weicht, dann befinden sich die Delegierten in der mehrtägigen Antragsdebatte.

Der Hauptversammlung liegen in diesem Jahr 62 Anträge vor, von denen einige zu Leitanträgen zusammengefasst wurden (siehe DAZ 2019, Nr. 34, S. 18). Einige Anträge stammen vom geschäftsführenden Vorstand der ABDA, andere von kleinen Kollegengruppen, die meisten von Apothekerkammern oder -verbänden. Dort wurde bereits über einige Anträge dis­kutiert, aber manchmal zeigt sich erst bei der Debatte in dem großen Gremium, welche fachlichen oder politischen Fallstricke hinter einer auf den ersten Blick plausiblen Idee verborgen sind. Wie lange über einen Antrag diskutiert wird, lässt sich kaum abschätzen. Bedeutsame, aber inhaltlich unumstrittene Anträge werden oft ohne Diskussion verabschiedet. Bei manchen Anträgen wird dagegen lange um Details einer Formulierung gerungen. Spontane Ad-hoc-Anträge können verwirrend, aber auch spannend sein. Für die Antragsberatung sind in diesem Jahr ein kleiner Zeitraum am Mittwochnachmittag und die größten Teile der Sitzungszeit am Donnerstag und am Freitag vorgesehen.

Großes Thema: Dienstleistungen

Am Donnerstag um 14 Uhr wird die Antragsdebatte durch das Themenforum „Zukunftsperspektive pharmazeutische Dienstleistungen“ unterbrochen. Diese Themenforen dienen meistens dazu, den Delegierten Hintergrundinformationen für Anträge zu vermitteln, die der ABDA-Spitze besonders wichtig sind. Die Wahl des Themas ist damit ein berufspolitisches Statement, in diesem Jahr für die erhofften neuen pharmazeutischen Dienstleistungen. Die Gestaltung dieser Themenforen war allerdings in früheren Jahren eher eine Gratwanderung zwischen fachlichem Anspruch und eingängiger populärer Form. Wenn fachfremde Moderatoren den Apothekern erklären wollen, wie sich der Apothekenalltag künftig verändern wird, kann das peinlich werden.

Spannung dank Spahn

Auch am Freitag ist für die Antragsdebatte bereits eine Unterbrechung eingeplant. Um 11 Uhr wird Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für sein Grußwort erwartet. Anschließend möchte er ähnlich wie im vorigen Jahr mit den Apothekern diskutieren. Das war damals eine bemerkenswerte Neuerung. Wahrscheinlich ist dies die spannendste Situation beim Apothekertag. Denn niemand weiß vorher, wer mit welcher Frage schnell genug ist und wie Spahn darauf eingeht. Lassen wir uns überraschen!

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Grußwort zum Finale – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will mit den Apothekern am Freitag diskutieren.

Danach wird es mit der Antragsdebatte weitergehen, bis der letzte Antrag abgearbeitet ist. Wie lange das dauert, lässt sich nicht vorhersagen. Denn manchmal entzündet sich auch an eher randständigen Themen eine lange Debatte oder es werden Änderungsanträge eingereicht, die das Verfahren in die Länge ziehen. Manchmal werden Diskussionen aber auch erstaunlich schnell mit einem Verweis in einen Ausschuss beendet. Gemäß der bisherigen Tagesordnung wird der Apothekertag am Freitag enden. Ob es drei tolle Tage am Rhein werden, wird sich also bis Freitagabend zeigen. Die Expopharm wird auch noch am Samstag und damit für insgesamt für vier Tage geöffnet sein. |

Autor

Dr. Thomas Müller-Bohn

Apotheker und Dipl.-Kaufmann, auswärtiges Mitglied der ­Redaktion der Deutschen ­Apotheker Zeitung

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