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Arzneimittelrückstände im Wasser vermeiden helfen

Fortbildung der LAK Baden-Württemberg

Immer wieder werden Rückstände von Medikamenten in der Umwelt nachgewiesen. Apotheker können durch ihre Beratung dazu beitragen, dass weniger Arzneimittelrückstände ins Abwasser gelangen. Damit beschäftigte sich eine Fortbildung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, die durch das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung konzipiert wurde.
Foto: Jürgen Fälchle - stock.adobe.com
Kläranlagen sind heute technisch gut aufgestellt, damit das Abwasser relativ gereinigt werden kann. Arzneimittel stellen hier ein besonderes Problem dar.

Arzneimittelrückstände gelangen über das Abwasser in Flüsse und Seen und stellen eine Gefahr für die Umwelt dar. Viele Wirkstoffe werden heute nicht zuverlässig von den Kläranlagen aus dem Wasser entfernt. Der Verzicht auf Arzneimittel stellt für den Präsidenten der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, Dr. Günther Hanke, keine Lösung dar: „Arzneimittel sind ein Segen. Ich kann meinen Patienten in der Apotheke nicht empfehlen, starke Schmerzen aus Umweltschutzgründen zu ertragen.“

Gewässerschutz als Gesprächsthema in der Patientenberatung

Häufig wird die falsche Entsorgung von Arzneimitteln als Ursache für die negativen Umwelteinflüsse genannt. Hanke: „Arzneimittel bitte auf keinen Fall in der Toilette oder dem Waschbecken entsorgen. Arzneimittel gehören in den Hausmüll. Dieser wird meist verbrannt. Dadurch werden die Wirkstoffe zuverlässig zerstört.“ Hauptproblem ist jedoch, dass eingenommene Arzneimittel nur teilweise vom Körper abgebaut werden. So landen Arzneimittelwirkstoffe über die natürlichen Ausscheidungen im Abwasser.

Im Rahmen einer Fortbildung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, konzipiert durch das ISOE, beschäftigten sich Apothekerinnen und Apotheker mit Möglichkeiten, das Thema Gewässerschutz in der Patientenberatung angemessen aufzugreifen.

Hanke: „Patienten sollten beispielsweise nach der Anwendung einer schmerzstillenden Salbe einige Stunden lang nicht duschen oder baden. In einigen Fällen kann dem Patienten ein alternativer Wirkstoff empfohlen werden. Auch bei den Darreichungsformen gibt es Spielräume. So kann in manchen Fällen die Einnahme einer Tablette statt das Auftragen einer Salbe die Beschwerden ebenfalls lindern und gleichzeitig umweltverträglicher sein.“

Auch technisch aufgerüstete Kläranlagen schaffen nicht alles

LAK-Präsident Hanke fordert zudem bessere Kläranlagen: „Technisch sind diese heute schon möglich und werden punktuell umgesetzt. Nur sind leider die Investitionen sehr hoch.“ Dr. Martina Winker vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung schränkt ein: „Über die technische Reinigung des Abwassers kann eine ausreichende Reduktion der Wirkstoffe nicht sichergestellt werden. Daher ist es wichtig, bereits bei der Verordnung und dem Konsum von Arzneimitteln, soweit es die Behandlung erlaubt, anzusetzen.“

Die Fortbildung fand in enger Kooperation mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung statt. Referenten waren Riccardo Amato, Umweltbundesamt, Dr. Konrad Götz und Dr. Martina Winker, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main, Prof. Dr. Klaus Kümmerer von der Leuphana-Uni­versität, Lüneburg, Dr. Ursula Maier vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. |

Quelle: LAK Baden-Württemberg

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