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50 Jahre PTA-Beruf

Hoch soll sie leben!

50 Jahre PTA-Gesetz – die größte Berufsgruppe in der Apotheke feiert Geburtstag

Still und heimlich findet in diesen Tagen ein Jubiläum statt, das zumindest in der Apothekenwelt mehr Aufmerksamkeit verdient hätte: Vor 50 Jahren, am 18. März 1968, verabschiedete der Deutsche Bundestag in Bonn das „Gesetz über den Beruf des PTA“. Damit schlug die Geburtsstunde der heute in der Apotheke größten Berufsgruppe. Anfangs heftig umstritten und von der Apothekerschaft äußerst skeptisch auf den Weg gebracht, hat sich der PTA-Beruf innerhalb von fünf Jahrzehnten ein beachtliches Spielfeld im Gesundheitswesen erobert – mit wachsender Nachfrage. 50 Jahre PTA – kommen Sie mit auf eine kleine historische Rückschau, die gleichzeitig Wertschätzung und Anerkennung ausdrücken möchte für eine Berufsgruppe, auf die heute keine Apotheke mehr verzichten könnte.*   | Von Reinhild Berger

65.658 Pharmazeutisch-technische Assistenten, inklusive Praktikanten, arbeiten laut der letzten ABDA-Statistik (für das Jahr 2016) in den öffentlichen Apotheken Deutschlands; der Frauenanteil beträgt 97,2 Prozent (zum Vergleich die Zahl der approbierten Apotheker: 50.123, Frauenanteil 72,1%). Statistisch nicht erfasst, aber bestimmt nicht unerheblich ist darüber hinaus die Zahl der Arbeitsplätze für PTA in der Pharma- und Kosmetikindustrie, in Krankenhäusern, bei der Bundeswehr, bei Krankenkassen, in standeseigenen Institutionen, in PTA-Schulen, bei Fachverlagen und Agenturen, die auf Gesundheitsfragen spezialisiert sind. PTA durchdringen mit ihrem Fachwissen und ihrem Engagement unsere Gesellschaft, sie sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt – und sie ­haben, was heutzutage nicht selbstverständlich ist, auch im digitalen Zeitalter glänzende Zukunftsaussichten.

Doch wie war das vor 50 Jahren?

Was gab den Ausschlag dafür, dass der Gesetzgeber – gemeinsam mit der Apothekerschaft – ein damals ganz neues Berufsbild für die Apotheke ins Leben rief? Es war keinesfalls eine Nacht-und-Nebel-Aktion oder gar eine Zeugung aus purer Liebe. Im Gegenteil, die Apothekerschaft tat sich unendlich schwer, den Gedanken an „mittleres Personal“, wie es damals hieß, überhaupt zuzulassen. Dokumentiert ist, dass erste Anregungen dazu in der Hauptversammlung des Deutschen Apothekertages 1954 in München heftigst diskutiert und vehement abgeschmettert wurden. In fest geschlossener Gegnerschaft befürchteten die Apotheker eine Abwertung ihrer Tätigkeit bei null Entlastung, da eine Vertretungsbefugnis der neuen Berufsgruppe nicht vorgesehen war. Die folgenden Jahre waren von weiteren, oft emotional geführten Diskussionen um dieses Thema geprägt. Einmal gab es sogar einen Apothekertagsbeschluss, der der ABDA untersagte, überhaupt in dieser Sache weiter zu verhandeln. Angst vor Neuerungen und Abwehr von Veränderungen ist also kein Phänomen des 21. Jahrhunderts! Erst auf dem ­Apothekertag 1961 in Bad Wiessee kam eine Mehrheit zustande, die sich dafür aussprach, einen „pharmazeutischen Hilfsberuf“ zu schaffen.

Übrigens: Auch der Vorläufer von ADEXA, der damalige Bundesverband der Angestellten in Apotheken (BVA), zeigte alles andere als Weitblick. Die im Verband organisierten angestellten Apotheker und Vorexaminierten (heute: Apotheker­assistenten) fühlten sich durch einen weiteren Beruf in ihrer Existenz bedroht. Noch 1965 rief der BVA dazu auf, die Einführung der PTA zu verhindern.

Aber der Beschluss von Bad Wiessee war nicht mehr aufzuhalten. Sieben Jahre, nachdem dort gleichsam das Samenkorn gelegt worden war, trat 1968 das „Gesetz über den Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten“ in Kraft. Die ersten Ausbildungsstätten für PTA, die mancherorts bereits mit den Hufen gescharrt hatten, konnten ihre Tore öffnen.

Dass dieser Weg frei wurde, lag jedoch nicht daran, dass die Apothekerschaft vom PTA-Beruf wirklich überzeugt war. Hintergrund war vielmehr die dringend notwendige und vom Gesetzgeber angestrebte Neuausrichtung des Pharmaziestudiums. In den 1950er- und 1960er-Jahren bestand die Apothekerausbildung noch aus einer zunächst zweijährigen praktischen Ausbildung in der Apotheke, die mit dem sogenannten Vorexamen abgeschlossen wurde. Erst nach dem Vorexamen folgte das Studium (damals sechs Semester) an der Hochschule. Natürlich waren die „Vorexaminierten“, die auch „Vorgeprüfte Apothekeranwärter“ hießen, ebenso wie die Apothekerpraktikanten wichtige und unverzichtbare Mitarbeiter für die Apotheker. Nur mit ihrer Hilfe waren der Betrieb der Apotheken und die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu jener Zeit möglich.

Die neue Approbationsordnung für Apotheker, die Anfang der 1970er-Jahre in Kraft trat, warf die gewohnte Personalordnung in der Apotheke jedoch über den Haufen: Die Apothekerausbildung begann – wie bis heute üblich – unmittelbar an der Hochschule mit einem damals noch siebensemestrigen Studium der Pharmazie. Erst nach Abschluss des Studiums mit dem zweiten Staatsexamen kam der angehende Apotheker als „Pharmaziepraktikant“ (heute „PhiP“) in die Apotheke.

Logisch, dass beim Wechsel von der alten auf die neue Ausbildungsordnung im Personalbereich der Apotheke eine Lücke klaffte, die es zu schließen galt. Deshalb hatten auch die dem PTA-Beruf skeptisch gegenüberstehenden Apothekenleiter keine Argumente mehr: Sie brauchten ganz einfach das Personal. Die Geburtswehen für den PTA-Beruf waren eingeleitet – die Geburt verlief schmerzlos und wurde vermutlich sogar bejubelt.

In der Fachpresse ist dokumentiert, dass die Apothekerkammern sich mehr oder weniger kooperativ an der Einrichtung von PTA-Ausbildungsstätten beteiligten. Es herrschte mehrheitlich die Auffassung, dass ja der Bundesrat die Zustimmung zum PTA-Gesetz gegeben habe. Also müsse er auch die für die Durchführung des Gesetzes erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen. Die Kammern wollten nicht verantwortlich sein für die Kosten, die hauptamtliche Lehrkräfte verursachen würden, geschweige denn sich um deren Altersvorsorge kümmern. Insofern kam eine Mitträgerschaft der Kammern an den PTA-Ausbildungsstätten grundsätzlich nicht infrage. Einige Kammern (in den Berichten der Fachpresse nicht namentlich genannt) zeigten sich allerdings nobel und beteiligten sich finanziell an der Ersteinrichtung von PTA-Ausbildungsplätzen.

Von Anfang an gab es staatliche, öffentliche PTA-Schulklassen sowie private Ausbildungsstätten. Die privaten Schulen erhielten zwar staatliche Fördermittel, mussten aber (und müssen noch heute) Schulgeld erheben. Beide Ausbildungswege haben sich in den letzten 50 Jahren gehalten und bewährt. Aktuell findet man im Internet eine Liste, die insgesamt 93 Ausbildungsstätten für PTA im gesamten Bundes­gebiet aufzählt.

Das Berufsbild von damals

Die Schöpfer des jungen PTA-Berufs hatten ziemlich klare, von der damaligen Zeit geprägte Vorstellungen vom Berufsbild des neuen „mittleren“ Personals: Vorrangig sollte der Apotheker im Labor und bei der Rezeptur entlastet werden. In der Fachpresse des Jahres 1968 heißt es: „Der Apotheker ist der Kopf seines Betriebes. Das PTA-Gesetz sorgt dafür, dass er die nötigen Hände zur Durchführung seiner Aufgabe bekommt.“

Um die „nötigen Hände“ ausreichend zu schulen, lagen die Schwerpunkte der PTA-Ausbildung zunächst ganz wesentlich auf der allgemeinen und pharmazeutischen Chemie sowie chemisch-pharmazeutischen Analysen im Labor. Vom Umfang her an zweiter Stelle standen die pharmazeutische Technologie und pharmazeutisch-technologische Übungen. Uneinig waren sich die Apotheker am Anfang, was die Dauer der praktischen Ausbildung in der Apotheke betrifft. Ein halbes Jahr wurde von manchen als zu kurz erachtet, um die anspruchsvollen Aufgaben zu erlernen, die eine PTA anschließend auszuführen habe. Dennoch blieb es in der Ausbildungsordnung dabei: Der zweijährige Lehrgang an einer PTA-Schule wurde durch eine halbjährige praktische Ausbildung ergänzt. Den Abschluss der Ausbildung bildet (noch heute) eine staatliche Prüfung in zwei Abschnitten.

Dass eine PTA in der Apotheke „unter Aufsicht“ des Apothekers arbeitet, war von Anfang an mehr oder weniger akzeptiert, auch wenn manche Apothekenleiter ihre Aufsichtspflicht sehr großzügig auslegten. So war es durchaus mal Thema einer Apothekertagsdiskussion, ob die Aufsicht auch telefonisch stattfinden könne, was aber keinen Konsens fand.

In den 1970er-Jahren verbrachten „frischgebackene“ PTA wohl auch den größten Teil ihrer Arbeitszeit im Labor und in der Rezeptur. Es war damals üblich, saisonal riesige Mengen an z. B. Stada Hustensäften, Hustentees und Lebertran-Emulsion herzustellen. Auch Augentropfen-Rezepturen waren an der Tagesordnung, von Dermatologen verordnete Salben und Lösungen wurden in manchen Apotheken fast am Fließband hergestellt.

Foto: Berger
Anfangs von den Apothekern noch skeptisch beäugt, eroberten sich die ersten PTA in den 1970er-Jahren ihren Arbeitsplatz in der Apotheke und wurden schnell unverzichtbar.

Die Apothekenleiter fremdelten nur anfangs ein wenig mit der neuen Berufsgruppe. Manche waren verunsichert, wie die halbjährige praktische Ausbildung durchzuführen war, aber hier gab es klare Bestimmungen: Während des Praktikums hatte die PTA-Praktikantin laut Ausbildungsordnung sechs Arzneimittel herzustellen und weitere sechs Arzneimittel nach den Vorschriften des Deutschen Arzneibuchs zu prüfen und diese Arbeiten in einem Tagebuch ausführlich zu beschreiben. Entsprechende Dokumentationsvorlagen wurden von den Fachverlagen angeboten.

Viele PTA „der ersten Stunde“ waren übrigens keine Fremdlinge in der Apotheke: Ehrgeizige Apothekenhelferinnen nutzten die Möglichkeit der PTA-Ausbildung für einen beruflichen und tariflichen Aufstieg. Sie waren mit der Apothekenpraxis also schon bestens vertraut und von Apothekenleitern besonders begehrt.

Selbstmedikation auf dem Vormarsch

Langsam aber sicher veränderte sich dann der Apothekenalltag. Im Jahr 1983 trat aufgrund von Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen die sogenannte Negativliste in Kraft, die ganze Gruppen von rezeptfreien Arzneimitteln aus der Erstattungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen ausschloss. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, aber bis Anfang der 1980er-Jahre wurden tatsächlich noch Laxanzien, rezeptfreie Analgetika, Hustensäfte & Co. auf Kassenrezept verordnet. Mit dem Ausschluss vieler Präparate aus der Erstattungsfähigkeit verlagerten sich nun auch Verantwortlichkeiten: Nicht mehr der Arzt war der Ansprechpartner der Patienten, wenn diese ein Kopfschmerz-, Abführ- oder Erkältungsmittel brauchten, sondern der Apotheker und das pharmazeutische Personal. Die Selbstmedikation nahm an Fahrt auf.

Gleichzeitig kamen immer mehr und auch neue, erklärungsbedürftige Produkte auf den Apothekenmarkt. Kosmetikfirmen entdeckten die Apotheke als kompetente Anlaufstelle für Verbraucher mit Hautproblemen. Das Wissen um die Ernährung vermehrte sich dramatisch, immer mehr Nahrungsergänzungsmittel und Diätetika sowie Präparate zur Gewichtsreduktion drängten in die Apothekenregale. Die rasanten Veränderungen in der Apotheke verlangten erhebliche Anpassungsleistungen. Vor allem Fortbildung war nun gefragt, um die Beratungspflichten gegenüber den Verbrauchern umfassend erfüllen zu können.

Zudem standen die einzelnen Apotheken immer mehr im Wettbewerb miteinander. Marketing-Aktionen, die in Apotheken bisher eher verpönt waren, wurden plötzlich salonfähig. Man lernte, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und mit pharmazeutischen Leistungen zu punkten, um sich von Marktbegleitern zu unterscheiden. In alle neuen Aufgaben waren PTA mit eingebunden. Doch vorrangig im Handverkauf spielten PTA eine immer größere Rolle und wurden unverzichtbar.

Ein Berufsverband entsteht

Natürlich waren die PTA – trotz anfänglicher Ablehnung – als Mitglieder der Apothekengewerkschaft, die damals noch BVA hieß, hoch willkommen. Doch es gab das Bedürfnis, einen eigenen Berufsverband zu gründen. So entstand bereits 1980 im baden-württembergischen Isny der Vorläufer des Bundesverbands PTA (BVpta), der sich Ivpta nannte (Iv für Interessenvertretung). Keimzelle war die PTA-Schule in Isny/Allgäu, und der Ivpta hatte zunächst regionalen Charakter, erregte aber überregionales Aufsehen damit, dass er eine Vertretungsbefugnis für PTA forderte. Allerdings sahen die Verbandsmitglieder sehr schnell ein, dass ihre Politik auf Widerstand stieß und sie ins Abseits stellte. Indem der Ivpta von seinen Vertretungsforderungen wieder abrückte, konnte er neue Verbündete gewinnen.

Auch die PTA-Fachzeitschriften drängten auf den Markt: Im Deutschen Apotheker Verlag gab es bereits in den 1970er-Jahren eine dünne Beilage zur DAZ mit dem Titel PTAheute. Daraus entstand Anfang 1987 die jetzige PTAheute als ­eigenständige Zeitschrift, die bald zur Mitgliederzeitschrift des Ivpta wurde, der 1992 mit dem Namenswechsel auf ­BVpta vom Regional- zum Bundesverband aufstieg. Die Geschäftsstelle des Verbandes wanderte von Isny nach Saarbrücken.

Im Januar 1987 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift PTAheute als eigenständige Zeitschrift.

Weitere PTA-Zeitschriften wie das „PTA-Forum“, das „PTA-Magazin“ und die „PTA in der Apotheke“ zeigten neben dem „Platzhirsch“ PTAheute, wie ernst und wichtig die Berufsgruppe der PTA genommen wurde. Das Interesse, die PTA zu informieren, wuchs auf allen Seiten.

Fortbildung und Kongresse im Aufwind

Verbände und Zeitschriften für PTA waren Ende der 1980er‑, Anfang der 1990er-Jahre auch deshalb so im Aufwind, weil es ein rasant wachsendes Bedürfnis nach Fortbildung gab. Die Beratungsaufgaben in der Apotheke stiegen täglich, der Wettbewerb schwoll mächtig an, jeder wollte der oder die Beste sein. Hier zeigte sich das hohe Pflichtbewusstsein und das berufliche Engagement der meisten PTA: Sie wollten up to date sein. Doch der Markt für Fortbildungsangebote war erst im Entstehen. Es ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, aber eine Tatsache: Für PTA gab es damals nur ganz wenige spezifisch auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Fortbildungs­veranstaltungen. Kein Wunder, dass der erste PTAheute-Kongress, veranstaltet vom Deutschen Apotheker Verlag, im Jahr 1991 in Hamburg ein Zugpferd ohnegleichen war. Damals kamen mehr als 1100 PTA ins Hamburger Kongress­zentrum. Die zahlreichen darauf folgenden PTAheute-Kongresse boten nicht nur Fachwissen, sondern waren zugleich identitätsstiftend für die Berufsgruppe, die immer mehr an Selbstbewusstsein gewann. Das „Wir-Gefühl“ bei den Kongressveranstaltungen war einmalig und zog alle, die dabei waren, in seinen Bann. Die Stärkung des Selbstvertrauens war auch dringend nötig. Viel zu lange waren PTA in den Augen der stark patriarchalisch-verwurzelt denkenden Apotheker nur „die Mädels“, die man zu gerne und absichtlich ein bisschen „auf Abstand“ hielt, um selbst ­größer zu erscheinen. Diese Denkhaltung im Berufsstand wich nur ganz allmählich einer modernen, emanzipierten Einstellung.

Wie gut tat es z. B. auch den PTA, von den Firmen – natürlich in klarer wirtschaftlicher Absicht – umworben zu werden. Immer mehr attraktive Angebote lockten PTA, aber auch Pharmazieingenieure in verheißungsvolle Seminare, in denen neben Produktschulungen auch zahlreiche Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung auf dem Programm standen. Kommunikation, Verkaufspsychologie und (Selbst-)Marketing waren ebenso gefragt wie dermatologisches Fachwissen für mehr Kompetenz bei der Kosmetikberatung. Fortbildungssponsoren aus der Industrie wetteiferten um die Gunst der PTA und Pharmazieingenieure mit tollen Seminaren, teilweise im Ausland, z. B. auf Mallorca, in Portugal, auf den Kanarischen Inseln. Wenn die Chefs die Kurse bezahlten bzw. freie Tage zur Verfügung stellten, war das zweifellos eine hohe Motivation, sich anschließend noch stärker für die Apotheke einzusetzen.

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Die Herstellung von Rezepturen in der Apotheke ist neben dem Handverkauf bis heute ein wichtiges Aufgaben­gebiet der PTA.

1995 wurde als Gegenpol zu den Industrie-gesponserten Angeboten das Weiterbildungsinstitut für PTA (WIpta) in Saarbrücken gegründet, die Gründerinnen waren selbst PTA. Ziel des WIpta war es, industrie- und herstellerunabhängige Weiterbildungskurse zu entwickeln und anzubieten. Die Curricula und Prüfungen waren von der Industrie- und Handelskammer Saarbrücken anerkannt. Obwohl die Kurse viele Jahre erfolgreich liefen und zahlreiche PTA hier eine Weiterbildung abschlossen, konnte das WIpta sein hehres, sponsorenfreies Konzept langfristig finanziell nicht durchhalten und musste seine Aktivitäten einstellen. Für das Image der Apotheke war jedoch jede weitergebildete PTA ein hoher Gewinn. Schließlich waren es bereits in den 1990er-Jahren die PTA, die das Bild der Apotheke nach außen stark prägten. Laut Umfragen des Bundesverbandes der PTA fanden (und finden sicher noch heute) ca. 80 Prozent der Erstkontakte mit dem Apothekenkunden über eine PTA statt – eine Tatsache, die auch das große Engagement der Industrie und Hersteller für den PTA-Beruf erklärt. Denn die PTA ist in den meisten Fällen die Brücke zwischen Kunde und OTC-Produkt. Es liegt in der Verantwortung des Apothekers, diese Brücke in einem qualitativ hochwertigen Zustand zu halten.

Die Ausbildungsreform von 1997

Bleiben wir noch in den 1990er-Jahren: Die deutsche Wiedervereinigung brachte eine Zeit vieler Umbrüche und Neuanfänge. In der ehemaligen DDR gab es einige Apothekenberufe, die die alte Bundesrepublik nicht kannte: Die wichtigste Rolle spielte dabei der Pharmazieingenieur, der allerdings Ende der 1980er-Jahre bereits ein „Auslaufmodell“ war. Die DDR selbst hatte – schon vor der Wiedervereinigung – diesen Ausbildungsgang mit Übergangsfrist eingestellt und durch eine PTA-Ausbildung ersetzt.

Pharmazieingenieure durften zu DDR-Zeiten den Apothekenleiter vertreten und auch kleinere Arzneimittelausgabestellen leiten. Aus Gründen der Besitzstandswahrung behielten Pharmazieingenieure auch im wiedervereinigten Deutschland unter bestimmten Bedingungen und in gewissem Umfang ihre Vertretungsbefugnis. Tariflich unter den approbierten Apothekern eingestuft, machten sie nun der PTA mächtig Konkurrenz. Doch durch die vielen Apothekenneugründungen in den 1990er-Jahren entspannte sich die Situation schneller als gedacht, im Gegenteil, es herrschte eher Personalknappheit – die in vielen Regionen bis heute anhält.

Im Zuge der Neusortierungen beim Apothekenpersonal wurden auch völlig berechtigte Rufe nach einer Reform der PTA-Ausbildung laut. Es war unübersehbar, wie sich das Berufsbild der PTA seit den 1960er-Jahren verändert hatte. Nach langem, aber zielorientiertem Ringen um neue Ausbildungsinhalte erhielt der PTA-Beruf kurz nach seinem 30. Geburtstag von den zuständigen, damals noch in Bonn angesiedelten Bundesministerien (Gesundheit und Wirtschaft) ein „Geschenk“: Am 1. August 1998 trat eine neue, modernisierte Ausbildungs- und Prüfungsordnung in Kraft, an deren Inhalten die in den Verbänden organisierten PTA wesentlich mitgewirkt hatten.

Neu eingeführt wurde das Fach Apothekenpraxis plus EDV. Die Fächer Arzneimittelkunde und Galenik wurden aufgestockt, Übungen zur Drogenkunde und chemisch-pharmazeutische Analysen vom Umfang her reduziert. Innerhalb des weiteren Fächerkatalogs gab es Verschiebungen und zeitgemäße Bezeichnungen sowie auch neue Gebiete, wie z. B. die Medizinproduktekunde. Für die praktische Ausbildung in der Apotheke wurde ein Katalog von Lerngebieten entwickelt, der klare Vorgaben macht. Die Fachverlage lieferten dazu unterstützende Literatur, sodass es an Anweisungen und Arbeitshilfen bis heute nicht mangelt.

2004 und 2007 – Schicksalsjahre für die Apotheke

Das GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), das am 1. Januar 2004 in Kraft trat, krempelte die deutschen Apotheken mächtig um. Damals fiel die Preisbindung für OTC-Arzneimittel, die Krankenkassen erstatteten fortan – mit wenigen Ausnahmen – nur noch verschreibungspflichtige Arzneimittel, und die Apotheken durften erstmals bis zu drei Filialen eröffnen. Ab sofort war auch der Versandhandel mit Arzneimitteln erlaubt. Für Apothekenleiter und pharmazeutisches Personal wuchsen die Beratungsaufgaben, der tägliche Spagat zwischen pharmazeutischer Verantwortung und wirtschaftlichen Zwängen (Preisdruck durch den Versandhandel!) wurde auch durch regelmäßiges Training nicht einfacher.

Das Internet zog in den Alltag der Apothekenkunden ein, der auf diese Weise vorinformierte Patient stellte in der ­Apotheke immer höhere Anforderungen an Verkaufs- und Beratungsgespräche. Die Berufsgruppe der PTA wuchs und wuchs, überstieg schließlich zahlenmäßig die Apotheker. Reden, beraten, erklären, mitdenken, aufklären, versorgen, mitfühlen – diese Tätigkeiten stiegen vom Umfang her noch einmal drastisch an, als im Jahr 2007 die ersten Rabattverträge in Kraft traten. Die Apotheken und ihr pharmazeutisches Personal, vor allem auch die PTA, bewährten sich damals als echte Chaosmanager. Und es ist der Flexibilität und Besonnenheit aller in Apotheken tätigen Personen zu verdanken, dass die Arzneimittelversorgung in dieser dramatischen Anfangsphase der Rabattverträge nicht aus dem Ruder lief.

PTA an der ADEXA-Spitze

Ein Höhepunkt für den PTA-Beruf war 2006 sicher auch die Wahl von Barbara Neusetzer zur ersten Vorsitzenden der Apothekengewerkschaft, die sich 2004 von BVA in ADEXA umbenannt hatte. Erstmals stand eine PTA an der Spitze des Angestelltenverbandes. Auch die zweite Vorsitzende Tanja Kratt war PTA-Kollegin. Kratt ist bis heute in dieser Rolle aktiv, während Neusetzer im Jahr 2017 von Andreas May, auch PTA, abgelöst wurde.

Als erster ADEXA-Vorsitzender gelang es Barbara Neusetzer, beim Deutschen Apothekertag mehrmals auf dem Podium zu stehen und die Anliegen der Apothekenangestellten vorzutragen. Neusetzers Diskussionsstil, ihre Fähigkeit, unterschiedliche Positionen zu moderieren und Meinungen anderer Menschen wertschätzend einzubinden, verhalfen ihr zu beachtlichen Erfolgen und hohem Ansehen.

Auch andere PTA leisten bei ADEXA – ehrenamtlich oder angestellt – bemerkenswerte Arbeit, wie im ADEXA-Info der DAZ regelmäßig dokumentiert wird. Ihre Vorbildfunktion für jüngere Kolleginnen und Kollegen ist nicht zu unterschätzen.

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Der PTA-Beruf leidet unter Nachwuchsmangel. Eine Ausbildungsreform, die den Beruf aufwertet und attraktiver macht, lässt auf sich warten.

Die Verantwortung der PTA steigt

In die Zeit der „Nuller“ und beginnenden „Zehner“ unseres Jahrhunderts gehört auch die zunehmende Zahl von Switches auf dem Arzneimittelmarkt. Viele vormals verschreibungspflichtige Arzneimittel wurden rezeptfrei – und verlangten eine hohe Beratungskompetenz. Die Anforderungen an die Qualität der Rezepturen stieg von Jahr zu Jahr. Umfangreiche Dokumentationspflichten brachte die Neufassung der Apothekenbetriebsordnung von 2012, die in Paragraf 3 auch einen neuformulierten Absatz zum Einsatz des Apothekenpersonals enthält und den Apothekenleiter in die Pflicht nimmt:

„Das Apothekenpersonal darf nur entsprechend seiner Ausbildung und seinen Kenntnissen eingesetzt werden und ist über die bei den jeweiligen Tätigkeiten gebotene Sorgfalt regelmäßig zu unterweisen. Die Unterweisung muss sich auch auf die Theorie und Anwendung des Qualitätsmanagementsystems erstrecken sowie auf Besonderheiten der Arzneimittel, die hergestellt, geprüft oder gelagert werden.“

Speziell zur PTA heißt es im selben Paragrafen:

„Pharmazeutische Tätigkeiten, die von pharmazeutisch-technischen Assistenten (…) oder Personen, die sich in der Ausbildung (…) zum Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten befinden, ausgeführt werden, sind vom Apothekenleiter zu beaufsichtigen oder von diesem durch einen Apotheker beaufsichtigen zu lassen.“

In der Praxis bedeutet das nicht, dass neben jeder PTA zwingend ein Apotheker stehen und ihr auf die Finger schauen muss. Der Apothekenleiter kann, sofern er sich von der Qualifikation seiner Mitarbeiter überzeugt hat, diesen die Berechtigung und Verpflichtung erteilen, bestimmte pharmazeutische Arbeiten, wie z. B. die Information und Beratung zu Arzneimitteln und apothekenpflichtigen Medizinprodukten, selbstständig zu übernehmen. Es ist üblich, dafür ein Formblatt auszufüllen (Vorlagen bei den Apothekerkammern), mit dem die Befugnis auch abgestuft erteilt werden kann und Grenzen aufgezeigt werden. Apothekenleiter und Apothekenmitarbeiter müssen diese Vereinbarung unterschreiben – das gibt nicht nur Rechtssicherheit, sondern drückt auch Anerkennung und Vertrauen aus.

Höhere Ansprüche, weniger Nachwuchs

Nicht nur rechtliche Auflagen haben die Pflichten und Aufgaben der Apotheke und ihrer Mitarbeiter anspruchsvoller und umfangreicher werden lassen. Es gibt auch immer mehr neue Arzneimittel und Therapiekonzepte, die verstanden werden wollen. Das zunehmend digital aufbereitete Wissen über Neben- und Wechselwirkungen ist nicht nur laufend angewachsen, sondern wurde auch ein beliebtes Thema für Nachfragen in Testkäufen. Dass die Apotheken bei Testkäufen anfangs wenig glänzten, war jedoch für verantwortungsbewusste Apothekenleiter eine Motivation, ihr Personal ­immer wieder zu schulen und zu überprüfen. Auch die inzwischen vorgeschriebenen Qualitätsmanagementsysteme schärften das Problembewusstsein. Kein Wunder, dass mit der Vermehrung des pharmazeutischen Wissens und der steigenden heilberuflichen Verantwortung in den letzten Jahren der Ruf nach einer gründlichen Reform der PTA-Ausbildung immer lauter wurde.

Was außerdem zunehmend Sorgen bereitete, war der augenfällig zu geringe PTA-Nachwuchs. Die PTA-Schulen hatten weitaus weniger Bewerber als in den Jahren zuvor, manche Schulen schlossen aus finanziellen Gründen, weil sich einige Bundesländer aus der Finanzierung der PTA-Ausbildung zurückzogen. Apotheker beklagten mangelnde Qualifikationen bei den neuen PTA-Schul-Absolventen. Der BVpta und die Fachgruppe PTA bei ADEXA fürchteten um das Ansehen des PTA-Berufs und forderten dringend, das Berufsbild durch eine zeitgemäße Reform aufzuwerten, um wieder mehr junge Leute, auch Männer, für eine PTA-Ausbildung zu interessieren.

Die Reform stagniert

Bereits 2014 und 2015 entwickelten PTA-Schullehrer, die Berufsverbände und auch die Bundesapothekerkammer ein Konzept für eine Reform der PTA-Ausbildung. Sehr schnell stellten einige der Verantwortlichen fest: die Stofffülle ist derartig gewachsen, dass sie kaum noch in die jetzigen zweieinhalb Ausbildungsjahre hineinpasst. Basiswissen lässt sich nicht so einfach streichen, neue und moderne Inhalte brauchen ihren Platz. Was tun? Die Ausbildung auf drei Jahre verlängern? Allein zu dieser Frage gab es viele Diskussionen und „runde Tische“, man drehte sich dabei im Kreis.

  • Die PTA-Schulen lehnen mehrheitlich aus organisatorischen Gründen eine Verlängerung der Schulzeit auf zweieinhalb Jahre ab.
  • Also die praktische Ausbildung auf ein Jahr erweitern? Hier kommen die Gegenargumente von der Apothekerschaft und auch den Berufsverbänden: Wer soll das bezahlen? Wie lässt sich die Qualität der Ausbildung sichern?

Aus Nordrhein-Westfalen, das besonders stark von den finanziellen Kürzungen bei den Schulen betroffen war, kamen Vorschläge, die PTA-Ausbildung in ein duales System einzugliedern. Die theoretische Ausbildung könnte dabei an Berufskollegs erfolgen, die Schülerinnen und Schüler würden parallel ein bis zwei Tage pro Woche praktisch in einer Apotheke arbeiten. Die Kultusministerkonferenz soll inzwischen über dieses Ausbildungsmodell diskutiert haben, es gibt aber noch kein endgültiges Meinungsbild. Auch die Bundesapothekerkammer schweigt.

Eigeninitiative ist gefragt

Zum Glück gibt es viele engagierte PTA-Schullehrer, die sich dem Lauf der Zeit nicht verschließen. Auch ohne offizielle Reform haben sie die Ausbildungsinhalte an den Schulen bereits verschoben und modernisiert. Private Schulen werben mit Zertifizierungen. Der Umgang mit digitalen Medien ist für die jungen Menschen von heute ohnehin eine Selbstverständlichkeit und Teil ihres Lebens. Das praktische halbe Jahr in der Apotheke führt zwangsläufig an aktuelle Fragestellungen heran. Wer sich als fertig ausgebildete PTA weiter spezialisieren will, findet heute eine Fülle an Angeboten. Lebenslange Eigeninitiative ist gefragt, um up to date zu bleiben, das gilt heute für fast alle Berufe.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Der PTA-Beruf muss sich vor der digitalen Revolution ebenso wenig fürchten wie andere Gesundheitsberufe. Der bekannte Philosoph Richard David Precht erklärte im Februar 2018 auf dem Zukunftskongress des Apothekerverbands Nordrhein, dass Berufe wie Arzt und Apotheker in einer digitalen Gesellschaft punkten können: „Die künstliche Intelligenz kann niemals die persönliche Ansprache, das Zuhören und Beraten, das Betreuen ersetzen“, sagte Precht. Der Philosoph prophezeit den „Empathieberufen“ eine stabile Zukunft.

Die digitale Technik wird diese Berufe unterstützen und ihr Ansehen sogar stärken. Als Fachperson, die medizinisch-pharmazeutisches Wissen für den Laien einordnen und bewerten kann, wird die PTA auch die nächsten 50 Jahre gut überleben.

Foto: DAZ/Schelbert
Das einfühlsame Beratungsgespräch wird auch im digitalen Zeitalter unverzichtbar bleiben. Als Angehörige eines „Empathie-Berufs“ hat die PTA eine sichere Zukunft – fachliche Fortbildung vorausgesetzt.

Ein Wermutstropfen bleibt

Nicht verschweigen möchte ich den Wermutstropfen, der auf der PTA ebenso lastet wie auf allen anderen Berufsgruppen der Apotheke: die nicht der Verantwortung und Aufgabenstellung angemessene tarifliche Bezahlung. Auch wenn bei Personalnot viele Apothekenleiter tiefer in die Tasche greifen und gutes Personal übertariflich entlohnen – der Tarifvertrag ist das Spiegelbild eines Berufes und zeigt dessen gesellschaftliche Bewertung. Hier die eigenen Interessen wirksamer in die Öffentlichkeit zu tragen, sich stärker politisch zu artikulieren, die Leistungen der Apotheke sichtbar nach außen zu tragen und nicht länger scheu zu verstecken – das wäre eine Zukunftsaufgabe, für die es sich einzusetzen lohnt. Wer sich aufopfert, löst bestenfalls Mitleid aus, wird aber immer als schwach wahrgenommen. Wer mehr Geld und Anerkennung will, muss stark und überzeugend auftreten. Für Einzelpersonen oder kleine Belegschaften ist das leichter gesagt als getan. Der Schlüssel zur Macht liegt in starken Berufsverbänden. Je höher die Mitgliederzahlen und der Organisationsgrad, umso gewichtiger kann der Auftritt sein. Mehr als 100.000 Angestellte in Apotheken könnten, wenn sie wollten, machtvoll in Erscheinung treten, auch gegenüber der Politik. Es gibt noch viel zu tun – in den nächsten 50 Jahren. Der erste Schritt für jede einzelne PTA könnte die Verbandsmitgliedschaft sein. |

Autorin

Reinhild Berger, Apothekerin im Ruhe­stand, ehemalige Herausgeberin und Chefredakteurin der PTAheute.

* Diese Rückschau bezieht sich auf die Entwicklung der Situation in der „alten“ Bundesrepublik Deutschland. Auf dem Gebiet der früheren DDR verlief die Entwicklung anders. Der PTA-Beruf wurde dort erst Ende der 1980er-Jahre, kurz vor der Wiedervereinigung, eingeführt.

Die PTA wird in diesem Beitrag aus Gründen einer besseren Lesbarkeit meist in der grammatikalisch weiblichen Form erwähnt, der Apotheker und Pharmazieingenieur in der männlichen Form, obwohl auch hier die Frauen überwiegen. Das jeweils andere Geschlecht ist gedanklich immer mit eingeschlossen.

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