Foto: DAZ/Alex Schelbert

25 Jahre PKA

Zukunft auf der Kippe

Eine Bestandsaufnahme zum 25-jährigen Berufsjubiläum der PKA

Ihr Arbeitsplatz liegt im Backoffice der Apotheke, und sie steht selten im Rampenlicht. Umso mehr sollte sie einmal eine Würdigung erfahren: die Berufsgruppe der Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten, kurz PKA. Denn nicht nur der PTA-Beruf feiert in diesem Jahr Geburtstag. Auch die PKA steuert auf ein Jubiläum zu: Vor 25 Jahren, am 1. August 1993, trat – als Weiterentwicklung der bis dahin üblichen Ausbildung zur Apothekenhelferin – die dreijährige Aus­bildungsordnung für PKA in Kraft mit der neu geschaffenen Berufsbezeichnung „Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte“. Das ungeliebte Helferinnen-Image gehörte ab diesem Zeitpunkt der Vergangenheit an. „Althelferinnen“ bezeichnen sich seitdem auch als PKA – völlig legitim, denn die PKA war offiziell die Rechtsnachfolgerin der Apothekenhelferin. | Von Reinhild Berger

Happy birthday, PKA, möchte man spontan jubeln. Doch wenn die ersten Jubelrufe verhallt sind, stellt man ein bisschen enttäuscht fest: Es gibt zum 25. Jahrestag nicht nur Grund zum Feiern. Die Rückschau auf die Zeit seit dem Neustart und erst recht der Blick in die Zukunft offenbaren eine Krise, die sich nicht einfach schönreden lässt. Dieser Beitrag versteht sich als Bestandsaufnahme des PKA-Berufs aus verschiedenen Blickwinkeln und möchte anregen, zukünftige Entwicklungen im Bereich der Apothekenberufe bewusst zu planen und mitzugestalten.

Die Vorgeschichte der PKA in Stichworten

Die Apothekenhelferin zeigte sich im Ersten Weltkrieg erstmals als unverzichtbar: Weil die Männer kriegsbedingt ausfielen, stemmte sie größtenteils die Arbeit in den Apotheken. 1919, also vor fast 100 Jahren, erschien ein erstes Lehrbuch unter dem Titel „Die Apothekenhelferin“. Im März 1940 wurde der Beruf der Apothekenhelferin staatlich legalisiert und erhielt eine offizielle Ausbildungsordnung. Im Jahr 1943 erschien die erste Ausgabe des Lehrbuchs „Knoellinger“, verfasst von Helene Knoellinger (1907 – 1981). Nach dem Zweiten Weltkrieg legte in den westlichen Bundesländern erst das Berufsbildungsgesetz von 1969 die Grundlage dafür, dass der Beruf des „Apothekenhelfers“ (in männlicher Bezeichnung) staatlich anerkannt und als Berufsbild gesetzlich festgelegt wurde. In der ehemaligen DDR wurde der Helferinnenberuf bereits 1952 anerkannt. Seit 1962 endete die Ausbildung in der DDR mit einem Facharbeiterabschluss. Mit dem Einigungsvertrag vom Oktober 1990 wurden Apothekenfacharbeiter den westdeutschen Apothekenhelfern gleichgestellt.

Wandel und Unruhe

In den 1970er-, vor allem in den 1980er-Jahren veränderte sich der Apothekenalltag spürbar und verlangte viele Anpassungsleistungen seitens des Apothekenpersonals. In der „alten“ Bundesrepublik Deutschland verschärfte sich der Wettbewerb zwischen den Apotheken. Freiwahlregale, insbesondere Kosmetiksortimente, hielten Einzug auch in die kleinste Offizin und galten als unverzichtbar. Die Geschäftsbeziehungen zu diversen Großhändlern, die um die Gunst der Apotheken wetteiferten, verlangten zunehmend Kenntnisse in Betriebswirtschaft und kaufmännisches Geschick. Der wirtschaftliche Druck auf die Apotheken durch sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen erzwang in den Apotheken durchgreifende Rationalisierungsmaßnahmen, zu denen das Aushandeln günstiger Einkaufskonditionen und die optimale Vorratshaltung gehörten.

Auch wenn routinierte Fachkräfte neue Aufgabenstellungen gerne annehmen – die Unruhe beim Apothekenpersonal, aber auch bei Ausbildern und Auszubildenden war seit Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr zu übersehen. Die Motivation litt durch die in der Regel strenge Hierarchie, die der Helferin in der Apotheke den untersten Rang zuwies. Die damals größtenteils männlichen Apothekenleiter waren aus heutiger Sicht Patriarchen, die – je nach Charakter – ihre „Mädels“ im Zaum hielten. Der Rotstift bei den Personalausgaben wurde mehrfach gespitzt. Zwar schlossen die Apotheken noch gerne Ausbildungsverträge ab – waren die Azubis doch willige und preisgünstige Arbeitskräfte. Aber wenn die jungen Frauen nach zwei Jahren ausgelernt hatten und auf einen Arbeitsplatz in der Apotheke hofften, setzte man sie an die Luft: zu teuer! Die Apothekengewerkschaft, damals noch mit dem Namen BVA, beklagte eine wachsende Anzahl arbeitsloser Apothekenhelferinnen. Gleichzeitig nahm die Zahl derjenigen, die sich für eine Ausbildung zur Apothekenhelferin interessierten, dramatisch ab.

Aufbruch und „Geburt“ der PKA

Die Bundesapothekerkammer fasste im Jahr 1988 einen Beschluss: Die Ausbildung zur Apothekenhelferin sollte gründlich reformiert und auf drei Jahre verlängert werden. Auf der Hauptversammlung des Deutschen Apothekertags im Oktober 1990 in Düsseldorf wurden zwei entsprechende Anträge verabschiedet. Alle an der Reform Beteiligten trafen sich im Februar 1991 für erste Vorgespräche. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) führte die Feder und erarbeitete gemeinsam mit Sachverständigen aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberschaft einen Entscheidungsvorschlag. Dieser wurde bereits im Juli 1991 vom Bundesgesundheitsminister angenommen – jetzt war der Weg frei für das Ausarbeiten eines neuen Ausbildungsrahmenplans, einer neuen Prüfungsordnung sowie eines Rahmenlehrplans. Die verantwortlichen Gremien arbeiteten zügig und konzentriert. Nach nur zwei Jahren – einer vergleichsweise kurzen Zeit – war die neue Ausbildungsordnung fertig. Im Frühjahr 1993 stand fest: Das „Neugeborene“ erhielt den Namen „Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte“ (siehe Kasten „Das Ringen um einen neuen Namen“).

Das Ringen um einen neuen Namen

Jutta Nörenberg aus Lübeck schreibt im BVA-Info (Vorgänger der ADEXA-Seiten) in DAZ 1991, Nr. 12:
„In der Öffentlichkeit assoziiert der Begriff „Helfer/in“ immer eine Hilfsarbeitertätigkeit, die schon längst nicht mehr der Fall ist und erst recht nicht in Zukunft sein wird. Die Apothekenhelferin ist ein eigenständiger Beruf neben Apotheker/in und PTA. Wenn jetzt die Ausbildungsordnung (…) verändert wird, muss sich das in der Berufsbezeichnung widerspiegeln. Der kaufmännische Bereich wird ein weitaus größeres Gewicht einnehmen als bisher. Das heißt, diese Kraft wird in diesem Bereich selbständig und eigenverantwortlich arbeiten. Somit wird die Bezeichnung Helfer/in ad absurdum geführt. Berufsbezeichnungen mit „Assistenten“ können nicht genommen werden, weil für Assistenten eine schulische Ausbildung vorausgesetzt wird.“

Susanne Tauber aus Schwaikheim schreibt in einem Leserbrief in DAZ 1991, Nr. 51/52:
„Die Bezeichnung „Helfer(in)“ ist (…) nicht mehr zeitgemäß. Wer will schon nur „helfen“? Aus diesem Grund hat doch der restliche Einzelhandel vor einigen Jahren sein Berufsbild geändert. „Bürokauffrau“ hört sich doch anders an als „Büro­gehilfin“. Vielen ist es doch auch in unserer Branche bewusst, denn sonst würde es keinen so großen Mangel an Nachwuchs geben. Vielleicht macht sich der Name „Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA)“ auch besser in Stellenanzeigen (auch für Schulabgänger)?“

Was war wirklich neu?

Die neue Ausbildungsverordnung für PKA inklusive Ausbildungsrahmenplan wurde am 3. März 1993 verabschiedet und vom damaligen Bundesminister für Gesundheit, Horst Seehofer, unterzeichnet. Sie trat am 1. August 1993 in Kraft. In jeder begleitenden Veröffentlichung der Fachpresse wird betont: Die PKA-Ausbildung ist kein völlig neuer Ausbildungsberuf. Vielmehr handelt es sich um eine Neugestaltung des bisherigen Ausbildungsberufs Apothekenhelferin – allerdings mit einer neuen Berufsbezeichnung. Ebenfalls neu waren die Schwerpunkte der Ausbildungsinhalte und die jetzt dreijährige Ausbildungszeit. Der Anteil der pharmazeutischen Warenkunde – für die „alte“ Helferin noch die Basis der Ausbildung – war in der neuen PKA-Ausbildung geschrumpft: Er betrug nur noch ein Viertel. Das Schwergewicht lag ab jetzt deutlich auf den kaufmännischen Fächern wie Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Warenbewirtschaftung, Informationsverarbeitung, Bürowirtschaft, Statistik und Marketing.

Trotz des Wortes „pharmazeutisch“ in der Berufsbezeichnung gehört die PKA – wie zuvor schon die Apotheken­helferin – laut Apothekenbetriebsordnung zum „nicht-pharmazeutischen Personal“ in der Apotheke und darf keine pharmazeutischen Tätigkeiten ausüben.

Die Kommentare in der Fachpresse zur neuen PKA-Aus­bildung halten sich in Grenzen, einige wenige Leserbriefe mahnen vor allem eine bessere tarifliche Bezahlung an: Jede erfahrene Helferin bzw. PKA sei für den Apothekenbetrieb „Gold wert“.

Im Oktober 1993 führte Oberstudiendirektor Wilhelm Asbrand von der Willy-Brandt-Schule in Kassel für die DAZ einige Kurz-Interviews mit PKA-Lehrern und PKA-Auszu­bildenden durch. Generell wird die neue Ausbildung als Aufwertung des Berufs gesehen. Bei den Statements der Schülerinnen (nur weiblich) fällt auf: Die Mehrheit sieht die PKA-Ausbildung als Durchgangsstation: Man wolle als „PTA weitermachen“ oder später Pharmazie studieren. Alle sahen für die Apothekenberufe eine „gute Zukunft“.

Imagegewinn für die PKA?

Die Erwartungen an die PKA als gut ausgebildete kaufmännische Kraft waren groß, vor allem bei denjenigen, die die Reform des Berufsbilds energisch vorangetrieben hatten. In der Tat war die Apotheke Ende der 1990er-, Anfang der 2000er-Jahre ein wahrer „Job-Motor“. Die kontinuierlich steigende Zahl der Apotheken erreichte ihren Höhepunkt. Doch trotz zunehmender kaufmännischer Arbeiten und Marketing-Maßnahmen war es gerade nicht die PKA, die vom Arbeitsplatz-Boom profitierte. Gefragt waren in erster Linie Apotheker und PTA. Der erhoffte Imagegewinn des PKA-Berufs durch die neuen Inhalte und den als attraktiv empfundenen Namen war ausgeblieben. Die Zahl der Auszubildenden dümpelte regelrecht dahin. Im Jahr 2003 war mit bundesweit nur noch 1859 neuen Ausbildungsverträgen ein Tiefpunkt erreicht, der die Verantwortlichen aufrüttelte.

Äußerst kritisch im Hinblick auf den PKA-Beruf waren vor allem die Apotheker in Thüringen und Sachsen. Das fand seinen Ausdruck in einem Antrag der Landesapothekerkammer Thüringen zum Deutschen Apothekertag 2004, der von Kammer und Verband Sachsen unterstützt wurde. Die ABDA sollte aufgefordert werden zu prüfen, inwieweit das Berufsbild der PTA mit wesentlichen Teilen des Berufsbildes der PKA zu einem neuen Beruf zusammengeführt werden könnte. Der Antrag wurde zwar mehrheitlich abgelehnt, doch die Krisenstimmung war nicht zu übersehen.

Achtung, Kurskorrektur

Anfang 2005 heißt es auf den ADEXA-Info-Seiten der DAZ: „Arbeitgeber wissen nicht recht, wie sie PKA einsetzen können oder sollen, Lehrer bemängeln starre Lehrinhalte, die Azubis bleiben vor lauter Frust schon in der Lehrzeit auf der Strecke.“ Es wird berichtet, dass die ABDA Mitglieder der Berufsbildungsausschüsse aus zwölf Bundesländern eingeladen hatte, um über die Situation der PKA zu diskutieren und Perspektiven zu entwickeln. Das Gremium war sich einig, man müsse unter den Apothekern „mehr für die PKA werben“. Gleichzeitig gab es Vorschläge für eine erneute Ausbildungsreform und weitere inhaltliche Verschiebungen zugunsten Kommunikation, Marketing, Management, dem Erwerb sozialer Kompetenzen. Auch die Ausbilder in der Apotheke wurden angemahnt, für besseres Lernen am Arbeitsplatz zu sorgen. Leitfäden und Arbeitsmaterialien könnten erstellt und unterstützend eingesetzt werden. Und den Kammern wurde ins Stammbuch geschrieben, auch für PKA zertifizierte Fortbildungsveranstaltungen anzubieten – um für die Apotheken notwendiges Wissen praxisnah zu vermitteln.

Hilfen für den Apothekenalltag

Ein Schülerpraktikum bietet eine gute Gelegenheit, Bewerberinnen für den PKA-Beruf näher kennenzulernen. Im Internet finden Sie unter www.abda.de/themen/apotheke/berufe/pka/ einen interessanten und nütz­lichen Leitfaden für Schülerpraktikanten.

Auf derselben Internetseite können Sie den Ausbildungsrahmenplan für PKA mit Erläuterungen herunterladen. Außerdem finden Sie ein Muster eines betrieb­lichen Ausbildungsplans für PKA.

Schauen Sie auch auf der Internetseite der für Sie zuständigen Apothekerkammer nach: Auch hier gibt es Merkblätter und hilfreiche Informationen.

Anlauf für die nächste Reform

Mit viel Energie wurde eine erneute Reform der PKA-Ausbildung vorangetrieben. Das erschien plausibel, denn die Anforderungen an die Apotheke wurden in den 2000er-Jahren immer komplexer. Die Neuerungen durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz von 2004, die Umsetzung der Rabattverträge seit 2007 – das alles setzte die Apotheken unter Druck und verlangte qualifizierten personellen Einsatz.

Auch generelle Entwicklungen in der Berufsbildung und in der Berufsbildungspolitik bei den dualen Ausbildungsberufen machten eine Überarbeitung der bestehenden PKA-Ausbildung notwendig. Moderne pädagogische Konzepte unterscheiden zwischen „berufsprofilgebenden“ und „integrativen“ Lernelementen. Hinzu kommt, dass laut bildungspolitischer Vorgaben alle Lerninhalte jetzt handlungsorientiert formuliert werden. Das heißt, dass auch die Ausbildung in einem dualen Beruf wie in anderen schulischen Bereichen nicht mehr vorrangig auf die Vermittlung von Fachwissen abzielt, sondern dass es darum geht, Handlungskompetenzen zu erwerben. Anders ausgedrückt: Die Auszubildenden lernen Methoden, mit denen sie selbst Lösungen für spezifische, berufliche Fragen aufspüren sollen. Handlungskompetenz kombiniert Sozial,- Selbst- und Fachkompetenz, die es erlaubt, den Berufsalltag sicher zu bewältigen.

Neuzeitliche Vorgaben: Lernen in Lernfeldern

Wieder einmal wurde um neue Inhalte für die PKA-Ausbildung gerungen. Die neuzeitlichen pädagogischen Vorgaben zum Erwerb von Handlungskompetenzen verlangten das Ausformulieren sogenannter Lernfelder, die in allgemeinbildenden Schulen bereits vor einigen Jahren ihren Platz fanden. Lernfelder ersetzen die klassische Schulfächerstruktur.

Die neue Ausbildungsordnung für PKA trat am 1. August 2012 in Kraft und löste die alte Verordnung von 1993 ab.

Die neu verordneten Lernfelder lesen sich anspruchsvoll, der aktualisierte Ausbildungsrahmenplan gibt dem Berufsbild Schärfe und Profil. Erklärtes Ziel der neuen Ausbildung ist es, die PKA als Spezialistin im kaufmännisch-organisatorischen Bereich der Apotheke zu positionieren. In der Warenwirtschaft und Beschaffung soll sie ebenso wie in der Büroorganisation eigenständig arbeiten können. Außerdem soll sie über apothekenübliche Waren beraten und Dienstleistungen anbieten können.

Neu aufgenommen wurde in die Ausbildungsordnung die „Mitwirkung bei apothekenspezifischen qualitätssichernden Maßnahmen“ sowie die Berufsbildposition „Kommunikation“ (Lernfeld: „Schwierige und komplexe Gesprächssituationen bewältigen“). Ausgeweitet wurden die Lerninhalte im Bereich Marketing und Kaufmännische Steuerung (Lernfelder unter anderem „Ein Marketingprojekt durchführen“, „Geschäftsprozesse erfassen und kontrollieren“). Die Pflanzenschutzsachkunde wurde komplett gestrichen, auch pharmazeutische Inhalte wurden auf ein Minimum gekürzt, Hilfsarbeiten wie das „Fertigrühren einer Salbe“ wurden bewusst eliminiert, um Hierarchien in der Apotheke abzubauen.

Erfüllen sich die Erwartungen?

Die Apothekenleiter nehmen die Neuerungen nur verhalten auf, die Zahl der Auszubildenden sinkt weiter. Schon zwei Jahre später schlägt ADEXA Alarm: „Die PKA-Ausbildung ist in Gefahr“, heißt es in einem Bericht in der AZ Nr. 28 vom Juli 2014. Eine APOkix-Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts IFH hatte gezeigt: Nur jeder vierte befragte Apotheker bot seit 2012 noch Ausbildungsplätze für PKA an. 60% der befragten Apotheker glaubten, dass man PKA zukünftig nicht mehr brauche. Nur 10% sahen einen wachsenden PKA-Bedarf. ADEXA äußert sich gegenüber der AZ besorgt: Manche PKA-Schulklassen haben nur noch sechs Schüler. Arbeitsagenturen raten vom PKA-Beruf ab, Apotheker erkennen keinen Zusatznutzen für die Apotheke durch eine PKA: „PKA machen nur Lagerhaltung, das können PTA auch“, so beschreibt es der Beitrag in der AZ. Die damalige ADEXA-Vorsitzende Barbara Neusetzer ergreift Partei für die PKA: PTA seien nicht für Logistik und Warenmanagement ausgebildet. Die Apothekenleiter würden ihren PKA zu wenig anspruchsvolle Aufgaben übertragen und ihre Qualifikation nicht richtig nutzen. Neusetzer mahnt eine Kampagne der Bundesapothekerkammer an, die um PKA-Nachwuchs und PKA-Ausbildungsplätze wirbt.

Foto: ABDA
Die PKA als Fachfrau für Kosmetikprodukte Durch Zusatzverkäufe im Kosmetikbereich kann sie das pharmazeutische Personal entlasten.

Die Statistik ist ernüchternd: Während es 2010 noch 5438 Ausbildungsplätze für PKA gab, waren es 2013 nur noch 3903. Im Jahr 2015 sank die Zahl weiter auf 3724. Die zuletzt von der ABDA veröffentlichten Zahlen nennen für 2016 wieder leicht gestiegene 3805. Die in Apotheken beschäftigten PKA nahmen ebenfalls ab: Von 38.355 im Jahr 2006 sank die Zahl kontinuierlich auf 33.193 im Jahr 2016. Das ist ein Minus von fast 14%.

Regelrecht abgestürzt sind die Chancen für PKA und Ausbildungsplätze in den östlichen Bundesländern. So gab es zum Beispiel in Thüringen laut Auskunft der Thüringer Apo­thekerkammer sowohl 2015 als auch 2016 keinen einzigen neuen Ausbildungsvertrag mehr für PKA.

Dr. Egon Mannetstätter, Hirsch-Apotheke Schmalkalden (Thüringen), sagt dazu: Vor allem in den kleineren Apotheken werde die Warenlagerarbeit im Wesentlichen von der PTA mitgemacht. Er begründet das geringe Interesse am PKA-Beruf vor allem mit nicht ausreichend interessanter Arbeit, unattraktiven Arbeitszeiten und dem geringen Verdienst. „Auch die PTA ist unterbezahlt“, sagt Mannetstätter. Wenn sich in der Hirsch-Apotheke, die inzwischen von seiner Tochter Dr. Antje Mannetstätter geleitet wird, eine junge Frau vorstellt mit dem Berufswunsch PKA, werde alles versucht, sie „in die PTA-Richtung zu drängen“.

Nicht aufgeben!

Doch es gibt sie noch, die Fürsprecher für die PKA. Selbst im PKA-abgewandten Thüringen sagt Sabine Kratky, Markt-Apotheke Saalfeld, sie wolle sich nicht grundsätzlich von der PKA verabschieden. Kratky, Vorstandsmitglied der LAK Thüringen, beschäftigt selbst noch eine PKA und meint, es hänge immer von der Struktur einer Apotheke ab, ob der Einsatz einer PKA noch sinnvoll sei oder nicht. In einer Apotheke, die ein Pflegeheim versorgt, könne die PKA gute Vorarbeit leisten. Auch in Apotheken, die viel Kosmetik anbieten, finde eine PKA noch ein ausreichendes Aufgabenfeld. Allerdings hat Kratky durchaus Verständnis dafür, wenn sich die Kollegen momentan „breit absichern“ und daher eher PTA als PKA einstellen: Die politische Situation sei sehr unklar, deshalb müssten die Kollegen ihre Personalpolitik abpuffern. Es seien eben keine Reserven mehr da. Die PKA sei aus ihrer Sicht bedauerlicherweise das Opfer der politischen Sparmaßnahmen. Kratky wies auch darauf hin, dass in den ostdeutschen Apotheken die Personalstruktur grundsätzlich noch immer anders sei als im Westen. In den ostdeutschen Apotheken stehen neben den Apothekern die Pharmazie-Ingenieure für die Beratung und Information zur Verfügung, die PTA werde eher im Bereich Warenwirtschaft eingesetzt. Die Pharmazie-Ingenieure würden jedoch irgendwann – altersbedingt – ausscheiden. Dann seien möglicherweise die Chancen für PKA wieder größer. Kratky bedauerte, dass für PKA zu wenig Fortbildung angeboten werde – ohne Fortbildung könne man sich nicht auf Zukunfts­aufgaben und den unausweichlichen Wandel einstellen.

Trotz vielerlei Frust, der bei der Apothekengewerkschaft abgeladen wird, hält auch ADEXA weiterhin die Fahne hoch für die PKA. „Wir verweigern uns nicht der Realität und wissen, dass Idealismus allein nicht hilft“, sagt Michaela Freudenfeld, die das Referat „Schulen und Unis“ bei ADEXA leitet. „Trotzdem geben wir die Hoffnung nicht auf.“ Nötig wäre, so Freudenfeld, eine große Kampagne für den PKA-Beruf, verbunden mit einer Offensive zur Wertschätzung von Frauen und deren Leistungen innerhalb der Gesellschaft. Denn es sei auch ein gesellschaftliches Problem, dass PKA-Ausbildung und -Beruf nicht als attraktiv gelten. Dass sogar die Arbeitsagenturen vom PKA-Beruf wegen angeblich schlechter Zukunftsaussichten abraten, sei bedauerliche Tatsache. Auch viele Lehrkräfte an den Berufsschulen seien inzwischen frustriert, sagt Freudenfeld. Doch es gebe auch noch die Motivierten, die sich mit schwierigen Klassen und benachteiligten Gruppen erfolgreich auseinandersetzen. Freudenfeld möchte sich mit den aktuellen Gegebenheiten nicht abfinden: „Wir müssen darüber reden, was wir zukünftig wollen, auch die Apothekenleiter müssen sich entscheiden. Auf jeden Fall muss der PKA-Beruf eine deutlich höhere Wertschätzung erfahren.“

Literaturtipp

PKA 26 – Neues Lernen mit Lernfeldern

Das seit Jahren bewährte PKA-Lehrbuch präsentiert sich in seiner 26. Auflage in komplett neuer Struktur. Die Inhalte der Ausbildung sind den 13 Lernfeldern des Lehrplans zugeordnet. Das Farbleitsystem, zahlreiche Kästen sowie die Zusammenfassungen der Kernaussagen führen durch die gesamte Ausbildung bis zur Prüfung. Fertig ausgebildete PKA begleitet das Werk mit seinen zahlreichen Praxis- und Kommunikationstipps sowie dem ergänzenden Fachwissen durch den Berufsalltag.

Gut zu wissen: PKA 26 wird flankiert durch drei Lerntrainer, die jeweils die Lernfelder eines Ausbildungsjahres umfassen. Motivation garantiert: Die Autorinnen packen den Unterrichtsstoff in sehr variable und unterhaltsame Übungsaufgaben.

PKA 26 – Das Lehrbuch für Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte.

Herausgegeben von Martina Busch und Martina Schiffter-Weinle
26., aktualisierte und erweiterte Auflage 2017, Deutscher Apotheker Verlag. 582 Seiten, 437 farbige Abbildungen, 76 farbige Tabellen. 49,80 Euro.
Gebunden: ISBN 978-3-7692-6893-5 
E-Book: ISBN 978-3-7692-7042-6
Deutscher Apotheker Verlag 2017

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„PKA = Phantastisch, kann alles“

Sophia Mouratidis arbeitet seit 26 Jahren als PKA in der Apotheke, sie ist Mitglied im Berufsbildungsausschuss der Landesapothekerkammer (LAK) Baden-Württemberg und ehrenamtliche PKA-Ausbildungsberaterin. Im Gespräch mit ihr merkt man schnell, wie sehr ihr der eigene Beruf am Herzen liegt. „Leider sehen sehr viele Apothekenleiter nicht den Wert einer PKA. Bei mir ist das zum Glück anders: Mein Filialleiter ist froh über mich und meine Arbeit“, sagt Mouratidis. Ihr großer Wunsch ist es, dass über den PKA-Beruf besser aufgeklärt werde – auch bei der Arbeitsagentur. Sie schätzt es, dass die LAK auf Jobmessen gut vertreten sei. Am liebsten wäre es ihr, man könnte aktiv das Gespräch mit Apothekenleitern suchen und fragen, warum sie keine PKA (mehr) ausbilden. Sie vermutet, dass eher Passivität die Ursache dafür sei oder wahrscheinlich einfach Unwissen über die neuen Ausbildungsinhalte – und nicht wirkliche Ablehnung des PKA-Berufs. Diese Passivität führe auch dazu, dass sich letztlich in den Apotheken nur Bewerberinnen melden, die schon an anderen Stellen Absagen erhalten hätten. Mouratidis findet die neue Ausbildungsordnung für PKA durchaus attraktiv und hochwertig. PKA, diese drei Buchstaben stehen in ihren Augen für „Phantastisch, kann alles“. Eine richtig eingesetzte PKA sei auf jeden Fall ein wirtschaftlicher Gewinn für die Apotheke.

Der Zug ist noch nicht abgefahren …

Wertschätzung fängt mit Worten an, sagt Apothekerin Elfriede Hoffmann, Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses der LAK Baden-Württemberg, Filialleiterin in Rottweil. Die PKA werde weitgehend durch negative Merkmale definiert, sagt Hoffmann: Sie gehöre zum nicht-pharmazeutischen Personal und dürfe keine Arzneimittel abgeben. Wie wäre es, die Qualifikation einer PKA positiv auszudrücken? Für Hoffmann ist die PKA das „verkannte Mauerblümchen“ der Apotheke. Es ärgert sie, wenn Kollegen einer guten PKA nahelegen, sie solle „weitermachen“ und „PTA werden“. Hoffmann sieht den PKA-Beruf als eigenständigen, wichtigen Beruf mit vielen Kompetenzen, keinesfalls als Vorstufe zur PTA-Ausbildung. Die Bestellvorgänge in der Apotheke werden, nicht zuletzt durch die Kontingentierungen beim Großhandel, immer komplexer. Eine PKA, die es verstehe, die Vielfalt der Bestellwege für die Apotheke zu nutzen, sei Gold wert. Wichtig findet es Hoffmann, dass die Apotheken sich ihre PKA selbst ausbilden und zwar genau so, wie sie es für sich und ihre speziellen Bedürfnisse brauchen. Trotz aller bestehenden Probleme ist für Hoffmann „Der Zug noch nicht abgefahren“. Es sei zwar fünf vor zwölf, aber mit vereinten Kräften und vor allem dem festen Willen, das Berufsbild für die Apotheke zu erhalten, könne es wieder aufwärts gehen für die PKA.

Nicht nur öffentliche Apotheken brauchen PKA – auch in Krankenhausapotheken kann sie arbeiten und vor allem auch einen Ausbildungsplatz finden. Dr. Ulrich Maier ist PKA-Ausbilder und Leiter der Krankenhausapotheke in Freudenstadt. Seit 30 Jahren schätzt er die PKA als qualifizierte Mitarbeiterin für die Warenlogistik und Rechnungsbearbeitung. Maier sieht es als Problem, dass es für den PKA-Beruf kaum noch Bewerberinnen gibt und die Auszubildenden weite Wege zur Berufsschule in Kauf nehmen müssen, weil es in vielen Städten keine PKA-Schulklassen mehr gebe. Auch Maier wünscht sich positive Werbung für die PKA durch die Apothekerkammern oder auch durch Tage der offenen Tür, wie sie zum Beispiel im Krankenhaus Freudenstadt stattfinden. Er hält die Krankenhausapotheke für einen attraktiven Arbeitsplatz gerade für PKA. In der Klinik gibt es vielfältige Kontaktmöglichkeiten: „Unsere PKA ziehen durchs Haus und organisieren auf den Stationen die Rückgabe von dort nicht mehr benötigten Medikamenten an die Apotheke“, sagt Maier. Außerdem setze er seine PKA auch im Qualitätsmanagement der Apotheke ein. Als Apothekenleiter müsse man Verantwortung abgeben und gleichzeitig Vertrauen in seine Mitarbeiter haben, nur so sei positive Weiterentwicklung möglich.

Die PKA als „unsichtbare Fee“

Apothekerin Bianca Ahrens ist PKA-Lehrerin an der Max-Weber-Schule in Freiburg. Ihre Einstellung zum PKA-Beruf ist ungebrochen positiv: „Für mich ist und bleibt die PKA in der Apotheke trotz zunehmender Automatisierung unersetzlich. Der PKA-Beruf ist äußerst vielseitig; so ist die PKA nicht nur für die Organisation des komplexen Warenlagers zuständig und unverzichtbar als Bindeglied zwischen HV und allem, was dem Kunden in der Apotheke verborgen bleibt. Eine gute PKA kümmert sich als unsichtbare Fee um Defekte, nicht lieferbare Importe und Rabattarzneimittel, hält uns den Rücken frei am Telefon, managt Winter- und Sommerbevorratung, kennt die Außendienstmitarbeiter der Firmen, wartet Milchpumpen und Babywaagen, erstellt Flyer für Aktionstage, dekoriert Schaufenster und arbeitet unzählige Bestands- und Verfallslisten ab. Sie ist vielleicht Fachfrau für Kosmetik oder Kompression, erledigt zahlreiche Botengänge, bereitet Rezeptstapel für die VSA zur Abholung vor, unterstützt in Rezeptur und Labor und kümmert sich um Hygienepläne, also um all die kleinen Dinge, für die die Pharmazeuten keine Zeit haben und die kein Automat der Welt erledigen kann.“

Dass die Realität nicht märchenhaft schön und die „Fee“ eher chancenlos ist, weiß PKA-Lehrerin Ahrens durch viele Gespräche mit ihren Schülerinnen. Sie erlebt, dass die Ausbilder sich zu wenig um ihre Azubis kümmern, dass den jungen Frauen zu wenig oder nichts zugetraut wird. Dass sie nicht gefordert werden, ihnen vieles nicht erlaubt ist und Einblicke verwehrt werden, führt bei den Azubis zu Frust und Enttäuschung.

Ahrens appelliert an alle Ausbilder: „Der PKA-Beruf ist unersetzlich und darf nicht aussterben. Schaffen Sie attraktive und wertschätzende Bedingungen in den Apo­theken für angehende PKA und helfen Sie mit, den Beruf zu erhalten.“

Foto: DAZ/Alex Schelbert
Die PKA als Fachfrau für Logistik Ein professionell gepflegtes Warenlager ist mit­entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg einer Apotheke.

„Werde die Königin des Backoffice“

Einen außergewöhnlichen Einsatz für die Berufsgruppe der PKA zeigt Margit Schlenk, Inhaberin der NM Vital Apotheke in Neumarkt. Unter ihrer Federführung entstand das firmenunabhängige Weiterbildungsangebot „Fach-PKA für Betriebswirtschaft und Marketing in der Apotheke“ mit IHK-Zertifikatsprüfung. „Werde die Königin des Backoffice“ – mit diesem Slogan wirbt sie für eine gezielt auf die öffent­liche Apotheke abgestimmte Weiterqualifizierung und Persönlichkeitsentwicklung von PKA (siehe www.semedi.de). Dass die Apothekerkammern sich aus der Weiterbildung für PKA und auch PTA heraushalten, sieht Schlenk als großen Fehler an – ebenso dass Apothekenmitarbeiter in der Apotheke nicht entsprechend ihrer Kompetenz eingesetzt werden. Der kaufmännische Bereich sei keine Ressource der PTA – und ohnehin werden PTA zahlenmäßig immer knapper. Dass die große Mehrheit der Apotheker sich nicht mehr in der Ausbildung von PKA engagiere, hält Schlenk für einen „Kardinalsfehler, der sich rächen wird“. Nicht gelten lässt Schlenk das Argument, viele PKA oder PKA-Anwärter wären schon den anspruchsvollen kaufmännischen Aufgaben in der Apotheke nicht gewachsen – wie sollten sie je die Weiterbildung zur Fach-PKA bewältigen? „Man darf nie unterschätzen, wie sich eine Person entwickelt. Junge Menschen reifen, wenn man ihnen etwas zutraut und sie fordert“, sagt Schlenk.

Nur wer ausbildet, denkt weiter. Wer sich verweigert, hat das Vertrauen in seine eigene berufliche Zukunft verloren, gibt Schlenk zu bedenken. Natürlich erwartet auch sie, dass die Politik den Apothekern sichere Rahmenbedingungen bietet. Doch Schlenk wehrt sich gegen jede Form der Passivität: „Wir haben sehr viel selbst in der Hand. Wer sich selbst nicht engagiert, darf sich über ungünstige Entwicklungen nicht beschweren.“ Strukturelle Probleme verlangen nach Schlenks Ansicht von den Betroffenen Visionen und Gestaltungswillen. Dazu gehört unbedingt das Engagement im Bereich der Ausbildung, Fort- und Weiterbildung.

Tab.: Zahl der Ausbildungsverträge in den einzelnen Kammerbereichen,Zeitpunkt der Abfrage: Ende Mai/Anfang Juni 2018
Kammerbereich
insgesamt vorliegende Ausbildungsverträge mit laufender Ausbildung1
Anteil der Apotheken, die PKA ausbilden in %, unter der Annahme, dass eine Apotheke nicht mehr als eine PKA ausbildet
Anzahl der Apo­theken insgesamt, 2017
Baden-Württemberg
643
25,2%
2547
Bayern
703 + 32
22,0%
3205
Berlin
121
14,5%
834
Brandenburg
49
8,5%
575
Bremen
36
23,5%
153
Hamburg
74
17,9%
413
Hessen
393
26,2%
1502
Mecklenburg-Vorpommern
25
6,2%
406
Niedersachsen
225 + 163 + 94
12,8%
1960
Nordrhein
793
34,8%
2282
Rheinland-Pfalz
235
23,0%
1022
Saarland
79
25,6%
309
Sachsen
40
4,0%
988
Sachsen-Anhalt
35
5,8%
599
Schleswig-­Holstein
119
17,6%
676
Thüringen
1
0,2%
554
Westfalen-Lippe
279
14,0%
1998

1 Verträge mit Ausbildungsbeginn Sommer/Herbst 2018 sind in der Zahl noch nicht enthalten

2 Ausbildungsort nicht in Bayern, Schulstandort Bayern, Abschlusszeugnis Bayern

3 Beschulung in Bremen, praktische Ausbildung in Niedersachsen

4 Beschulung in Hamburg, praktische Ausbildung in Niedersachsen

Bewertung und Ausblick

Wenn alles so weiterläuft wie bisher, wird die Anzahl der für die Apotheken verfügbaren PKA kontinuierlich und drastisch sinken. Die ohnehin schon angespannte Personalsitua­tion in Apotheken wird sich weiter verschärfen. Doch die immer wieder beschworene Qualitätsoffensive der öffentlichen Apotheken ist untrennbar verbunden mit motiviertem, gut ausgebildetem Personal. Auch wenn man von einer zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens und speziell der Apotheken ausgeht: Viele typische Apotheken­arbeiten verlangen analogen, menschlichen Einsatz. Selbst klassische PKA-Tätigkeitsfelder werden sich in nächster Zeit wohl kaum an Roboter delegieren lassen. Schon eher kann man sich vorstellen, dass es im Bereich Organisation, Einkauf, Marketing zu neuen und weiter gefassten Aufgabenstellungen kommen könnte, die der bisherige Ausbildungsberuf PKA nicht unbedingt abdeckt.

Die aktuellen Konzentrationsprozesse bei den Apotheken (mehr Filialverbünde, größere Einheiten) sowie der Erfolg von Apothekenkooperationen führen schon jetzt dazu, dass immer mehr nichtpharmazeutische Aufgaben von externen Dienstleistern erbracht werden. In den Apotheken selbst erleichtern Kommissionierautomaten mit immer ausgeklügelteren Service-Elementen die Warenwirtschaft ganz erheblich (und machen manche herkömmliche PKA-Arbeit überflüssig). Größere Apotheken mit Zytostatika-Herstellung und angegliedertem Spezialgroßhandel beschäftigen ohnehin kaufmännische Fachkräfte, die nicht für ein PKA-Tarifgehalt zu haben sind. Möglicherweise führt also ein Trend in die Richtung, dass man über eine neue, kaufmännisch und betriebswirtschaftlich ausgebildete Fachkraft für größere Apothekeneinheiten nachdenken muss. Vielleicht eine Fachkraft für Arzneimittel-Logistik, die – gleichwertig an der Seite von Apotheker und PTA – alle logistischen und viele bürokratische Aufgaben wahrnimmt und dem pharmazeutischen Personal den Rücken freihält für die Information und Beratung rund um das Arzneimittel.

Aber bei aller Freude an der Innovation – eigentlich muss man keinen neuen Beruf erfinden. Die herkömmliche PKA-Ausbildung hat schon jetzt das Potenzial, hervorragende Fachkräfte auch für zukünftige Aufgaben heranzuziehen. Wer davon profitieren möchte, muss allerdings investieren: in aktive Personalpolitik, in menschlich-pädagogischen Einsatz, aber auch finanziell. Bei fehlendem Engagement in der Ausbildung und zum jetzigen Billigtarif wird die PKA weiter dahindümpeln.

Es liegt in der Hand der Apothekenleiter, ob der PKA-Beruf die nächsten 25 Jahre überlebt. Erste Schritte wären – bevor man viel Geld in die Hand nehmen müsste (was die Rahmenbedingungen vielleicht nicht zulassen):

  • die aktive Auswahl geeigneter und leistungs­bereiter Bewerber und Bewerberinnen,
  • eine strukturierte Ausbildung im Apotheken­betrieb, intensive Betreuung ohne Abstriche,
  • Frustrationen aushalten, Rückschläge abhaken, die Persönlichkeitsbildung der Auszubildenden geduldig unterstützen, Stärken fördern,
  • Vertrauen aufbauen, selbstständiges Arbeiten zulassen, Feedback geben,
  • und vor allem: Anerkennung und Wertschätzung aus­sprechen!

Ein Spiegel der Wertschätzung wären ein attrak­tiveres Tarifgehalt sowie qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote. Nur so ließe sich die Abwärtsspirale durchbrechen, nur so hätte die PKA die Chancen, die ihrem Berufsbild entsprechen und der Apotheke nützen. |

Autorin

Reinhild Berger, Apothekerin im Ruhestand, bis 2011 Herausgeberin und Chefredakteurin der PTAheute, bis 2016 Herausgeberin des PKA-Lehrbuchs „Knoellinger-Berger“

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