Wirtschaft

Die Päckchenpacker

Versandapotheken liefern sich einen knallharten Kampf um Marktanteile und Umsatz

Seit 2004 ist es möglich, in Deutschland Arzneimittel auch auf dem Postweg zum Patienten zu schicken. Heute, fast 14 Jahre später, haben sich die Versandhändler vor allem bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zu ernst­haften Wettbewerbern zu Vor-Ort-Apotheken (und Dro­gerien) entwickelt. Doch das Marktsegment ist hart umkämpft. Mittlerweile drängen die Online-Apotheken zunehmend auch in den Rx-Bereich. Ein Blick auf die wichtigsten Marktteilnehmer.  | Von Thorsten Schüller

Nein, von einer innigen Beziehung zwischen stationären Apotheken und Versandapotheken kann man wahrlich nicht sprechen. Skepsis und Misstrauen sind die Begriffe, die das Verhältnis treffender wiedergeben. So spricht die ABDA davon, dass der Versandhandel zu „Widersprüchen im System der Arzneimittelversorgung“ führe und die „Apothekenpflicht infrage“ stelle. Der Versandweg beinhalte zudem Risiken hinsichtlich der Transportzeit oder der Lagerbedingungen. Außerdem fehle die persönliche Interaktion und Kommunikation („Inaugenscheinnahme“) zwischen Apotheker und Patient. Erforderlich sei er jedenfalls nicht, der Versandhandel mit Arzneimitteln – auch nicht für beispielsweise bettlägerige Patienten oder die sogenannten „Spezial­rezepturen“. Erst im Herbst dieses Jahres bekräftigte der Deutsche Apothekertag die Forderung nach einem Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

Doch seit der Versandhandel im Jahr 2004 erlaubt worden ist, hat er sich als feste Größe etabliert. In konkreten Zahlen liest sich das so: Von den rund 20.000 öffentlichen Apotheken in Deutschland haben nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA) mehr als 3000 eine Versandhandelserlaubnis, also etwa 15 Prozent. Allerdings betreiben davon wiederum nur rund sechs Prozent, also 150, einen ernst zu nehmenden Versandhandel. Das heißt, sie haben einen Webshop und werden in Preissuch­maschinen gelistet. Hinzu kommen die Konkurrenten aus anderen EU-Staaten.

Damit gibt es hierzulande auch nicht die „typische“ Versandapotheke, wie der BVDVA anmerkt. Vielmehr biete die Branche ein heterogenes Bild, wobei ein Großteil der Marktteilnehmer den Versandhandel lediglich als Zusatzgeschäft betreibe. Der Verband selbst bezeichnet sie als „Neben­erwerbs-Versandapotheker“.

Ob professionell im großen Stil oder im Nebenerwerb – für Versandhändler gelten klare Regeln: Laut Gesetz dürfen nur vollwertige Vor-Ort-Apotheken auch einen Versandhandel betreiben. Dafür wiederum brauchen sie eine Erlaubnis der zuständigen Landesbehörde. Alle Apotheken, die einen Versandhandel betreiben (und auch sonstige Unternehmen, die aber nur freiverkäufliche Arzneimittel versenden dürfen), werden wiederum in ein nationales Versandhandelsregister eingetragen. In Deutschland wird dieses vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) geführt. Aktuell ist es 156 Seiten lang und dicht beschrieben (die Register für Versandapotheken und die „sonstigen Händler“ finden sich unter www.dimdi.de).

Versandapotheken, die aus dem Ausland Medikamente nach Deutschland versenden, dürfen nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums nur solche Arzneimittel verschicken, die in Deutschland zugelassen sind. Sie müssen demnach in deutscher Sprache gekennzeichnet und auch mit einer Packungsbeilage in deutscher Sprache versehen sein. Um keinen Schwarzen Schafen aufzusitzen, rät das Bundesgesundheitsministerium Verbrauchern, nur bei solchen Unternehmen Arzneimittel zu ordern, die das gemeinsame europäische Versandhandelslogo tragen. Dieses Logo erhalten nur Apotheken, die eine Versandhandelserlaubnis be­sitzen. Durch einen Klick auf das Logo auf der Seite der Versandapotheke öffnet sich das Versandhandelsregister des DIMDI, und der Kunde kann kontrollieren, ob sich die Apotheke immer noch im Besitz einer gültigen Erlaubnis befindet – und ob das Logo echt ist.

Im Gegensatz zu vielen Branchenkollegen stoßen die Versandhändler bei den Patienten durchaus auf offene Ohren. Der BVDVA hat ermittelt, dass 2016 rund 31 Millionen Kunden beziehungsweise 55 Prozent aller Internetnutzer ihre Arzneimittel in Versandapotheken bestellt haben. 2015 waren es noch 49 Prozent und 2012 nur 30 Prozent aller Internetnutzer mit einer Gesamtzahl von 27 Millionen respektive 16 Millionen Kunden. Die Tendenz ist also steigend.

Insgesamt nahmen laut ABDA im vergangenen Jahr 97 Millionen Packungen mit rezeptfreien Arzneimitteln den Versandweg zum Patienten – bei einem Gesamtumsatz von 753 Millionen Euro mit OTC-Präparaten entsprach das 13,4 Prozent des Gesamterlöses in diesem Segment (s. Abb. 1). Doch der Versandhandel mit nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln wächst seit Jahren schneller als der Gesamtmarkt. Legte der Umsatz der Offizin-Apotheken mit OTC-Produkten im Jahr 2016 laut IQvia (früher QunitilesIMS) um gerade einmal 1,8 Prozent zu, waren es im Versand stolze 16,6 Prozent.

Abb. 1: Marktanteile des Versandhandels bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln (ohne Impfstoffe, Rezepturen, Medizinprodukte mit Arzneimittelcharakter) und nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (ohne Ergänzungssortiment, Nicht-Arzneimittel, Tier-Arzneimittel) im Jahr 2016. Quelle: ABDA, Insight Health

Deutlich magerer fiel die Ausbeute bei den rezeptpflichtigen Arzneimitteln aus. Hier brachten es die Versender den Angaben nach auf 7 Millionen Packungen, das waren lediglich 0,9 Prozent der gesamten verkauften Packungen oder 1,3 Prozent des gesamten Umsatzvolumens. Allerdings zeigt sich im absoluten Umsatz von 434 Millionen Euro der über den Versandhandel vertriebenen Rx-Präparate die im Vergleich zu OTC deutlich größere Werthaltigkeit dieses Geschäftes.

Dabei dürfte es nicht bleiben. Das Geschäft mit dem pharmazeutischen Online- und Versandhandel ist heiß umkämpft. Dieser Wettbewerb wird zunehmend auch in das Geschäft der verschreibungspflichtigen Arzneimittel hineingetragen. Vor allem die beiden Platzhirsche, DocMorris und Shop Apotheke, liefern sich hier seit Monaten einen knallharten Schlagabtausch. Beflügelt wird diese Entwicklung insbesondere durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 19. Oktober 2016, wonach ausländische Apotheken Preisnachlässe und Boni auf verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland gewähren dürfen. Durch diese Entscheidung wurde bei den Versandhändlern die Bremse gelöst – nun geben sie Vollgas. So geht beispielsweise Walter Oberhänsli, Vorstandschef der Zur Rose AG, davon aus, dass dieses Urteil „das zukünftige Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln deutlich begünstigt“.

Konsequenterweise kündigte im September die niederländische Shop Apotheke an, die vor allem im Rx-Bereich starke Europa Apotheek übernehmen zu wollen. Erst ein Jahr zuvor hatte Shop Apotheke das Geschäft der belgischen Farmaline übernommen und damit ihre Stellung auf dem europäischen Arzneimittelversandmarkt deutlich gestärkt. Zur Rose, die Schweizer Muttergesellschaft von DocMorris, hat ihrerseits im Oktober bekanntgegeben, zum Jahresende die Eurapon Pharmahandel GmbH übernehmen zu wollen, einen Bremer Versandhändler mit einem Jahresumsatz von 52 Millionen Euro. Bereits jetzt, quasi zur Vorbereitung des Deals, ist DocMorris eine Kooperation mit Kubilay Talu, dem Betreiber von Eura­pon, eingegangen. Jüngst teilte das Unternehmen zudem mit, von dem Werbespezialisten Ströer die Versandapotheke Vitalsana im niederländischen Heerlen übernehmen zu wollen.

Bei allen rechtlichen Fragen, die die Übernahme einer deutschen Versandapotheke durch eine Kapitalgesellschaft aufwirft, ist das Ziel der beiden Platzhirsche dabei das Gleiche: die aktuelle Marktposition behaupten beziehungsweise ausbauen. Die Zur Rose-Gruppe bezeichnet sich als „Europas größte Versandapotheke“, Shop Apotheke als „eine der führenden Online-Apotheken in Europa“.

Allerdings könnten auch diese beiden Dickschiffe eines nicht allzu fernen Tages selbst unter Druck geraten. Denn seit geraumer Zeit spekuliert die Branche darüber, ob ein mächtiger Online- und Vertriebskonzern wie Amazon in dieses Geschäft einsteigen könnte. Das, da sind sich die Marktbeobachter einig, dürfte die Gewichte und Spielregeln in der Branche stark verschieben. Vor einiger Zeit hat die US-Bank Goldman Sachs bereits in einer Untersuchung analysiert, wie ein Eintritt von Amazon in den Gesundheitsmarkt und insbesondere in den Arzneimittelversand im Detail aussehen könnte. Diese Studie beschäftigt sich zwar nur mit den USA, aber dass Amazon auch in Deutschland Interesse am Apothekenmarkt hat, zeigt sich beispielsweise an der Kooperation mit den Bienen-Apotheken in München.


Die größten Arzneimittelversender

Wer sind die wesentlichen Spieler im Markt der Versandapotheken? Diese nach ihrer Größe korrekt zu ordnen ist nicht ganz einfach, denn wenn es um wirtschaftliche Kennzahlen geht, halten sich viele Unternehmen mit Auskünften zurück. Eine Ausnahme bilden die börsennotierten Gesellschaften Shop Apotheke und Zur Rose, die aufgrund ihrer Publizitätspflichten regelmäßige Blicke in ihre Bücher gewähren müssen. Bei den übrigen Versandhändlern muss man teilweise auf dritte Quellen zurückgreifen, beispielsweise eine Umsatzübersicht des Onlineportals Statista. Auch die ABDA und der BVDVA nennen keine konkreten Zahlen zu einzelnen Unternehmen, sondern nur zur Branche insgesamt.

DocMorris

Umsatz 2016: 331 Millionen Euro (Unternehmensangabe), 400 Mitarbeiter; Sitz: Herleen (NL). www.docmorris.de

DocMorris ist eine Art Ur-Modell des deutschen und euro­päischen Arzneimittel-Versandhandels. Gleichzeitig ist es ein noch recht junges Unternehmen, das jedoch bereits auf eine wechselvolle Geschichte zurückblickt. Gegründet wurde DocMorris im Jahr 2000 von dem niederländischen Apotheker Jacques Waterval und dem Deutschen Ralf Däinghaus. Während die Beiden das Unternehmen 2004 (Waterval) beziehungsweise 2009 (Däinghaus) wieder verließen, übernahm 2007 der Pharmahändler Celesio rund 90 Prozent der DocMorris-Anteile – zeitweise war die Onlineapotheke sogar eine 100-prozentige Tochter von Celesio. 2012 verkaufte Celesio DocMorris dann an die Schweizer Zur Rose AG.

Foto: Tobias Zeit / DocMorris
Die DocMorris-Zentrale in Heerlen/Niederlande.

Der Sitz von DocMorris befindet sich seit 2004 in Heerlen unweit der deutschen Grenze. Der Grund für die Wahl des Sitzes im Ausland war die Umgehung des bis 2003 in Deutschland geltenden Verbots des Arzneimittelversandhandels und der Wegfall der in Deutschland herrschenden Preisbindung auf rezeptfreie Medikamente.

Das Unternehmen zeichnet sich seit seiner Gründung je nach Sichtweise durch innovative, mutige beziehungsweise aggressive Schritte aus, die oft die Grenzen des rechtlich Machbaren ausloten.

Zum Portfolio gehören sowohl OTC- als auch Rx-Produkte, wobei das Unternehmen im vergangenen Jahr vom Gesamtumsatz in Höhe von 331 Millionen Euro erstmals über 100 Millionen Euro mit rezeptfreien Arzneimitteln (OTC) erwirtschaftete. Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen zwar große Hoffnungen auf den Rx-Bereich setzt, derzeit aber im OTC-Segment deutlich stärker wächst.

Foto: Tobias Zeit / DocMorris
Technik wie beim Pharmagroßhandel. Hier bei Europas größter Versandapotheke DocMorris.

Der Umsatz dürfte künftig deutlich steigen, denn die Muttergesellschaft Zur Rose will zum einen das Versandgeschäft der Bremer Eurapon als auch die niederländische Vitalsana übernehmen – beide Unternehmen würden bei DocMorris angedockt werden. Vitalsana hat 2016 nach Unternehmensangaben rund 30 Millionen Euro vornehmlich mit OTC-Produkten umgesetzt. Die im niederländischen Heerlen angesiedelte Versandapotheke gehörte bis zu dessen Pleite im Jahr 2012 der Drogeriemarkt-Kette Schlecker und war anschließend im Rahmen eines Management-Buy-Outs von zwei Vitalsana-Managern weitergeführt worden. Von ihnen hatte Werbekonzern Ströer die holländische Apotheke sowie den in Ulm ansässigen Logistiker ApDG für 4,5 Millionen Euro gekauft – und anschließend eine große Werbekampagne für Vitalsana auf den Ströer-Werbeflächen gestartet. DocMorris hat mitgeteilt, im Zuge der Vitalsana-Übernahme eine „strategische Partnerschaft“ mit Ströer einzugehen, um „das Marketing-Erfolgsmodell von Vitalsana“ fortzusetzen.

Shop Apotheke

Umsatz 2016: 177 Millionen Euro (Unternehmensangabe), 349 Mitarbeiter; Sitz: Venlo (NL). www.shop-apotheke.com

Die Shop Apotheke, wie DocMorris ebenfalls in den Niederlanden zu Hause, ist gemessen am Umsatz derzeit die Nummer Zwei auf dem deutschen Arzneimittel-Versandhandelsmarkt. Durch die angekündigte Übernahme der Europa Apotheek B.V. würde das Unternehmen allerdings dicht an DocMorris heranrücken. Zusammengenommen würden die beiden Unternehmen sieben europäische Länder beliefern, 3,1 Millionen aktive Kunden haben und jährlich 318 Millionen Euro umsetzen.

Foto: Shop Apotheke
Nummer Zwei auf dem deutschen Markt: Die Shop Apotheke.

Dabei sind die Bindungen zur Europa Apotheek ohnehin eng. Nach der Gründung der Shop Apotheke 2001 aus der Kölner Fortuna Apotheke heraus wurde diese 2010 an die Europa Apotheek Venlo B.V. verkauft, einer Tochter von Medco Health Solutions. Die Logistik und der Vertrieb wurden daraufhin nach Venlo verlagert. 2012 übernahm das Management der Europa Apotheek das Unternehmen durch einen Management-Buyout. Drei Jahre danach war die Ehe von Shop Apotheke und Europa Apotheek jedoch ­erstmal beendet: 2015 wurde die Shop Apotheke aus der Europa Apotheek B.V-Gruppe ausgegliedert und ein Jahr später – 2016 – an die Börse gebracht. Diese Trennung soll mit der nun angekündigten Fusion wieder rückgängig ­gemacht werden.

Im Jahr 2016 konnte Shop Apotheke durch die Übernahme der in Belgien, Frankreich, Italien und Spanien tätigen Versandapotheke Farmaline seine Präsenz in Europa auf einen Schlag deutlich erweitern, der Umsatz kletterte um über 41 Prozent auf 177,4 Millionen Euro. Allerdings ging das Wachstum zulasten des Nachsteuerergebnisses, das auf ­minus 18,45 Millionen Euro absackte.

Foto: Shop Apotheke
Halle statt Offizin: Logistik ist das Herzstück des Versands. Blick in das Lager der Shop Apotheke.

Europa Apotheek

Umsatz: 144 Mio (Unternehmensangabe); 400 Mitarbeiter; Sitz: Venlo (NL). www.europa-apotheek.com

Wenngleich die im Jahr 2001 gegründete Europa Apotheek umsatzmäßig immerhin die Nummer Drei im hiesigen Arzneimittel-Versandgeschäft ist, sind die Tage ihrer Eigenständigkeit wohl gezählt. Im September 2017 kündigte die Shop Apotheke an, den 2008 an das US-Gesundheits-Unternehmen Medco Health Solutions verkauften Wettbewerber übernehmen zu wollen. Dabei ergänzen sich beiden Unternehmen gut: Während Shop Apotheke vor allem bei OTC-Präparaten und Pflegeprodukten unterwegs ist, erzielt Europa Apotheek den überwiegenden Teil der Einnahmen aus dem Online-Verkauf von Rx-Produkten: 2017 wird das Unternehmen nach eigenen Angaben in Deutschland einen Markt­anteil von 25 Prozent im Rx-Versandhandelsgeschäft erreicht haben. Und während Shop Apotheke vor allem auf jüngere Kunden zielt, zählen zu Europa Apotheek-Käufern viele ältere Patienten mit chronischen Krankheiten und einem regelmäßigen Bedarf rezeptpflichtiger Arzneimittel. Übrigens: Neben Deutschland bedient Europa Apotheek auch den niederländischen Markt.

Medikamente per Klick

Umsatz 2016: 125 Mio Euro (Unternehmensangabe); 170 Mitarbeiter; Sitz: Selbitz. www.medikamente-per-klick.de

Die oberfränkische Versandapotheke „Medikamente per Klick“ nimmt nach eigenen Angaben eine führende Rolle im deutschen Branchenvergleich ein. Laut Statista lag der Jahresumsatz 2016 bei 116 Millionen Euro, nach eigenen Angaben betrug dieser sogar 125 Millionen Euro. Damit ist „Medikamente per Klick“ in der Tat die größte Versandapotheke, die komplett aus Deutschland heraus operiert.

„Medikamente-per-klick.de“ wurde nach eigenen Angaben als eine der ersten Versandapotheken im Jahr 2004 gegründet. 2008 zog das Unternehmen von Bad Steben nach Selbitz um, verbunden mit einer Teilautomatisierung und der Einführung eines Warenwirtschaftssystems. Nach der Vollautomatisierung im Jahr 2010 erwarb das Unternehmen 2016 die Versandapotheken Mediherz und Preisapo.

Foto: Medikamente per Klick
Päckchenpacken bei der Versandapotheke Medikamente-per-Klick.

„Medikamente-per-klick.de“ vertreibt über 300.000 verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Tierarzneimittel und Kosmetikprodukte und verschickt täglich rund 12.000 Pakete. Über drei Offizinapotheken bietet das Unternehmen zudem Rezep­turen und die Eigenherstellung von Produkten an. Auch Medikationspläne gehören zum Leistungskatalog.

Inhaber ist Apotheker Karlheinz Ilius, der auch die Luitpold Apotheke in Bad Steben und die Klick Apotheke in Selbitz betreibt. Nach Unternehmensangaben ist er Mitglied diverser Arzneimittelkommissionen „namhafter Großeinrichtungen“.

Medpex

Umsatz 2016: 115 Millionen Euro (Unternehmensangabe); rund 300 Mitarbeiter; Sitz: Ludwigshafen. www.medpex.de

Mit rund 300 Beschäftigten beliefert die Ludwigshafener Versandapotheke Medpex Patienten in ganz Deutschland. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2005 nach Erhalt der Versandhandelserlaubnis durch Franz Bichler. 2011 hat seine Tochter Christiane Bülow-Bichler das Unternehmen übernommen. Daneben betreibt Bülow-Bichler die Stifts-Apotheke in Ludwigshafen. Nach ihren Worten ist Medpex nicht auf eine Produktgruppe spezialisiert, sondern bietet ein apothekenübliches Vollsortiment an – neben Medikamenten und Gesundheitsprodukten auch Apothekenkosmetika und Wohlfühlprodukte sowie Kontaktlinsen und Arzneimittel für Haustiere. Insgesamt umfasst das Sortiment über 100.000 Produkte, pro Monat versendet das Unternehmen 300.000 Pakete. Medpex wirbt zudem damit, dass Kunden in der Online Apotheke rezeptfreie Medikamente, Wellnessprodukte und Kosmetika bis zu 50 Prozent günstiger als in der Apotheke vor Ort erwerben können.

Apo-rot

Umsatz 2016: 82,8 Millionen Euro (Statista); über 500 Mitarbeiter; Sitz: Hamburg. www.apo-rot.de

Apo-rot ist eine inhabergeführte Hamburger Versandapotheke, die 2004 am Rothenbaum mit zwei Mitarbeitern ihren Betrieb aufnahm. Hauptapotheke ist die 2002 von der Apothekerin Birgit Dumke gegründete Apotheke am Rothenbaum, dem heutigen Stammsitz des Unter­nehmens. 2007 ging Apo-rot erste strategische Kooperationen mit deutschen Apotheken ein, die in den folgenden Jahren ständig erweitert wurden. Damit zählte das Unternehmen im vergangenen Jahr 24 Apo-rot Standorte in Deutschland. 2009 rief das Unternehmen zudem eigene Marken ins Leben.

Foto: Apo-Rot
... Kontrolle ist besser! Hier bei der Apo-Rot-Versand­apotheke.

Als Kernmarkt sieht das Unternehmen Deutschland, liefert aber auch in andere europäische Länder. Seit 2017 versendet Apo-rot in insgesamt über 150 Länder weltweit.

Der Onlineshop umfasst nach Firmenangaben ein Sortiment aus über 400.000 Produkten. Der Fokus liegt dabei auf OTC-Arzneimitteln, Hautpflegeartikeln, Nahrungsergänzungsmitteln und Alternativen Therapien. Dabei werde jede Bestellung pharmazeutisch – zum Beispiel auf mögliche Wechselwirkungen – kontrolliert.

Apo-rot weist zudem darauf hin, wiederholt „als beste Versandapotheke bei Deutschlands größtem Service Ranking ausgezeichnet“ worden zu sein. Für die Zukunft will das Unternehmen, „die Kunden zielgruppengenauer und digital ansprechen, den Service vor Ort und online optimieren und das Portfolio der Apo-rot-Eigenmarken erweitern.“

Shop Apotal

Umsatz 2016: 72,2 Millionen Euro (Statista); über 460 Mitarbeiter; Sitz: Bad Rothenfelde. shop.apotal.de

Als ein Unternehmen der ersten Stunde ist Shop Apotal seit 2004 im Geschäft des Arzneimittel-Versandhandels aktiv. Einst unter dem Namen Bad Apotheke von Heinz-Peter Fichter in Bad Rothenfelde gegründet, betrachtet sich Shop Apotal heute selbst als eine der größten Versandapotheken Deutschlands. Das Unternehmen aus der Nähe des Teutoburger Waldes hat nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Kunden und beschäftigt über 460 Mitarbeiter. Seit rund acht Jahren betreibt Shop Apotal auf seiner Webseite das Portal Apotal TV, das über 1000 Videoproduktionen zu Gesundheitsthemen enthält.

Sanicare

Umsatz 2016: 58,1 Millionen Euro (Statista); 250 Mitarbeiter; Sitz: Bad Laer. www.sanicare.de

Sanicare mit Sitz im niedersächsischen Bad Laer sieht sich mit 1,6 Millionen Kunden ebenfalls als eine der größten deutschen Versandapotheken und ist seit Erteilung der Versandhandelserlaubnis im Jahr 2004 am Markt tätig. Seit dem Tod des Gründers Johannes Mönter führen die Apotheker Volkmar Schein und seit September 2014 Christoph Bertram die Sanicare-Versandapotheke. Seit 2014 wird das Unternehmen zudem in Form einer OHG, der BS-Apotheken OHG, betrieben, zu der neben der Versandhandelsmarke auch Offizin-Apotheken, ein pharmazeutischer Großhandel und weitere Apothekenversandhandlungen gehören.

Beim Marketing zeigt sich Sanicare erfinderisch. So bietet Geschäftsführer Bertram anderen Apotheken das Konzept der „Versandvernetzung“ an. Damit könnten auch diese Apotheken „am Wachstumsmarkt E-Commerce teilnehmen, ohne die sonst damit einhergehende organisatorische Last und den logistischen Prozess zu übernehmen“. Zudem wirbt Sanicare um Kooperationspartner und lockt dabei mit Preisnachlässen von „zusätzlich weiteren drei Prozent Rabatt“ auf freiverkäufliche Waren. Schließlich hat Sanicare eine Heimversorgung im Portfolio, bei der Bewohner pharmazeutisch betreut werden.

Generell setzt das Unternehmen stark auf Digitalisierung. Die, so die Überzeugung der Geschäftsführung, sei unumkehrbar und führe zu mehr Dienstleistungsqualität und Servicetransparenz.

Eurapon

Umsatz 2016: 52,0 Millionen Euro (Unternehmensangabe); 160 Mitarbeiter; Sitz: Bremen. www.eurapon.de

Eurapon ist eine Versandapotheke, die nach eigener Darstellung 2006 mit 36 Mitarbeitern in einem kleinen Speicher in der Bremer Überseestadt startete. 2010 hat der heutige Inhaber Kubilay Talu das Unternehmen übernommen. Als Teil der Euro Apotheke K. Talu e.K. zählt sich Eurapon (Kurzform für „Euro Apotheke Online“) zu den zehn umsatzstärksten Onlineapotheken Deutschlands und verschickt monatlich rund 90.000 Pakete in ganz Europa.

Die Euro Apotheke K. Talu e.K. betreibt neben der Online-Apotheke auch die beiden Bremer Offizin-Apotheken Euro Apotheke und Apotheke im Viertel. Außerdem gehört ein Sterillabor zur Herstellung von Zytostatika zum Unternehmen.

Im Oktober 2017 hat der Schweizer Versandhändler Zur Rose angekündigt, mithilfe seiner Onlineapotheke DocMorris die Eurapon Pharmahandel GmbH übernehmen zu wollen, also den wesentlichen Teil der Logistik sowie der Medikamentenbelieferung für das Eurapon-Versandgeschäft. Zum Zeitpunkt der Ankündigung war DocMorris – quasi als erstem Schritt – bereits eine Kooperation mit Talu eingegangen.

Eurapon erzielte laut Zur Rose 2016 mit ihrem auf rezeptfreie Medikamente ausgerichteten Versandgeschäft einen Umsatz von 52 Millionen Euro und wuchs in den letzten drei Jahren „mit jährlich 30 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt“.

Apo-Discounter

Umsatz 2016: 46,5 Millionen Euro (Statista); über 100 Mitarbeiter; Sitz: Markkleeberg. www.apodiscounter.de

Apo-Discounter ist von Anfang an dabei: Als eine der ersten Online-Apotheken nahm das Unternehmen im Juni 2004 mit dem Erhalt der Versandhandelserlaubnis seine Geschäftstätigkeit auf. Während die Stammapotheke im Leipziger Paunsdorf Center sitzt, befindet sich die Betriebsstätte von Apo-Discounter.de vor den Toren der Stadt in Markkleeberg. Apo-Discounter unter Leitung der Apothekerin Kirsten Fritsch behauptet von sich selbst, „eine der modernsten und innovativsten Versandapotheken Europas“ zu sein und verweist auf eine voll automatisierte Kommissioniertechnik und große Lagerkapazitäten.

Eine Besonderheit von Apo-Discounter sind Kooperationen mit Einzel- und Onlinehändlern. Über Lidl.de verkauft das Unternehmen eine Auswahl an Nahrungsergänzungs­mitteln. Zudem sind die Produkte des Unternehmens im Amazon Marketplace sowie bei Ebay erhältlich.

Umsatz- und Mitarbeiterzahlen gibt das Unternehmen auf Anfrage nicht bekannt. Auf der Webseite von Apo-Discounter heißt es jedoch, dass 2014 erstmals über 100 Mitarbeiter bei der Online-Apotheke arbeiteten.

Mycare

Umsatz 2016: 37,0 Millionen Euro (Statista); über 200 Mitarbeiter; Sitz: Wittenberg. www.mycare.de

Bereits im Jahr 2001 gründeten die Brüder Christian und Matthias Buse einen Versandhandel für Gesundheitsprodukte mit dem Namen Mycare. Grund dafür war nach Angaben des Unternehmens, dass die ursprüngliche elterliche Robert-Koch-Apotheke in der sachsen-anhaltinischen Kreis- und Lutherstadt Wittenberg nur begrenzte Wachstumsmöglichkeiten hatte. Daraus entstand die Idee, Heil- und Pflegemittel nicht nur den Kunden vor Ort anzubieten, sondern deutschlandweit über das Internet.

Als 2004 das Versandhandelsverbot für Arzneimittel aufgehoben wurde, war Mycare ein Internetanbieter der ersten Stunde mit Versandhandelserlaubnis und Vollsortiment. 2009 zog Mycare in ein saniertes Gebäude in Wittenberg mit besserer Logistikstrecke und einem täglichen Aussende­volumen von bis zu 10.000 Paketen.

Ab 2009 war auch die Schauspielerin Andrea Sawatzki jahrelang als Werbebotschafterin für das Unternehmen tätig. Sie wurde 2015 durch die Figur „Die Gesundheit“ abgelöst.

Volksversand

Umsatz 2016: 36,5 Millionen Euro (Statista); Mitarbeiter: k.A.; Sitz: Liberec (Tschechien). volksversand.de

Wie DocMorris, Shop Apotheke und Europa Apotheek hat auch der Onlinehändler Volksversand seinen Unternehmenssitz außerhalb von Deutschland – allerdings nicht in den Niederlanden, sondern in Tschechien.

Seinen Ursprung hat das Unternehmen nach eigenen Angaben im böhmischen Reichenberg (heute Liberec). Dort wurde 1912 von dem Apotheker Karl Nowak die „Apotheke zum goldenen Stern“ gegründet, aus der später die Volksversand-Apotheke hervorging.

Das Unternehmen wirbt damit, durch seine Lage im Herzen Europas „erhebliche Preisvorteile“ an die Kunden weitergeben zu können. Die Ersparnisse bei deutschen Original-Marken-Arznei- und Heilmitteln würden bei bis zu 55 Prozent liegen.

Volksversand weist darauf hin, dass die Auflagen, die die Versandapotheke erfülle, genauso streng seien wie für jede in Deutschland ansässige Apotheke.

Als Geschäftsführer fungiert Roland Kulms, verantwortlich „im Sinne der gesetzlichen Vorschriften“ ist Susanne Schneider. In seinem Webshop präsentiert sich Volksversand als augenscheinlich deutsches Unternehmen; man muss sich dabei schon bis ins Impressum durchklicken, um festzustellen, dass der Firmensitz in Tschechien ist.

Aponeo

Umsatz 2016: 33,9 Millionen Euro (Statista); 85 Mitarbeiter; Sitz: Berlin. www.aponeo.de

Das Berliner Versandhandelsunternehmen Aponeo wurde im Mai 2006 gegründet und wird durch den Apotheker Konstantin Primbas geleitet. Zum Sortiment gehören über 140.000 verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente, Wellness-, Kosmetik- und Bioprodukte, die Zahl der Kunden liegt bei 1,6 Millionen. Als besonderen Service bietet das Unternehmen eine sogenannte Abendzustellung an, in Berlin und Potsdam ist seit 2013 auch die Lieferung am gleichen Tag möglich.

Strategisches Ziel von Aponeo ist es, zunächst im Raum Berlin zu expandieren, wo man bereits die „Nummer Eins“ sei. In den nächsten Jahren will Primbas sein Unternehmen dann nach eigenen Angaben auf einem Platz unter den Top Fünf der deutschen Versandapotheken etablieren. Dabei wolle er eine Kundennähe schaffen, „wie sie die stationäre Apotheke an der nächsten Straßenecke gar nicht bieten kann“.

Juvalis

Umsatz 2016: 28,7 Millionen Euro (Statista); Mitarbeiter: k.A.; Sitz: Bernburg. www.juvalis.de

Mit einem Umsatz, der laut Statista im vergangenen Jahr bei knapp 29 Millionen Euro lag, zählt Juvalis zwar nicht mehr zu den Top Ten unter den größten Versandapotheken, bedient nach eigenen Angaben aber dennoch über eine Million Kunden. Das Unternehmen aus Bernburg an der Saale verweist darauf, dass die „Blaue Apotheke als ehemals fürstlich priviligierte Hofapotheke auf über 300 Jahre Tradition zurückblickt“. Als Inhaber zeichnet der Apotheker & Lebensmittelchemiker Stefan Hülsmann verantwortlich.

Apotheke.de

Umsatz 2016: 21,7 Millionen Euro (Statista); Mitarbeiter: k.A.; Sitz: Markkleeberg. www.apotheke.de

Zwei Onlineauftritte, zwei Unternehmensnamen, aber derselbe Firmensitz und dieselbe verantwortliche Leiterin. Kirsten Fritsch ist die Frau sowohl hinter Apotheke.de als auch hinter Apo-Discounter, beide Betriebsstätten befinden sich in Markkleeberg bei Leipzig. Selbst die Online-Auftritte sind bei näherem Hinsehen vielfach identisch. Nähere Angaben macht Fritsch allerdings nicht.

EU-Versandapotheke

Umsatz 2016: 18,6 Millionen Euro (Statista); Mitarbeiter: k.A.; Sitz: Cottbus. www.eu-versandapotheke.com

Die Cottbuser EU-Versandapotheke mit ihren Schwesternshops Berlinda Versandapotheke und PunkteShop zählt sich – wie viele andere auch – „zu den führenden Onlineapotheken (beziehungsweise Multichannel-Versendern) in Deutschland“. Die Versandapotheke bedient über eine Million Kunden, wirbt mit verschiedenen „Sparaktionen“ und verweist darauf, vom Deutschen Institut für Servicequalität mehrfach in Folge als beste Onlineapotheke in Deutschland ausgezeichnet worden zu sein. Als Inhaberin fungiert die Apothekerin Dr. Bettina Kira Habicht.

Besamex

Umsatz 2016: 18,0 Millionen Euro (Statista); Mitarbeiter: k.A.; Sitz: Marschacht. www.besamex.de

Bereits 2004 wurde in der Winsener „Wir leben-Apotheke am Bahnhof“ die staatlich zugelassene Versandsparte mit Namen „Pharma-Versand-Apotheke“ gegründet. Im Oktober 2009 erfolgte die Umbenennung in Besamex. Seit 2015 wird Besamex vom Apotheker Dirk Düvel geführt, der Unter­nehmenssitz befindet sich im Nahe von Winsen ­gelegenen Marschacht an der Elbe. |

Autor

Thorsten Schüller ist freier Wirtschaftsjournalist und schreibt u. a. für DAZ.online über den Apotheken-, Pharma- und Großhandelsmarkt.

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