Arzneimittel und Therapie

Ein dunkler Punkt bei Viagra und Co?

Hinweise auf ein erhöhtes Melanomrisiko

Foto: xavier brosch- Fotolia.com

Die Ursache für Melanome könnte auch im Freizeitverhalten der Viagra®-Anwender liegen.

Die Phosphodiesterase-5 ist Teil eines-Signalwegs, der bei der Entwicklung von Melanomen eine Rolle spielt. Mutationen am Gen für BRAF (diese liegen bei rund der Hälfte aller Melanome vor) führen zu einer Downregulation von PDE-5. Dies hat unter anderem eine Erhöhung des zytosolischen Calcium-Spiegels und in der Folge eine Begünstigung des invasiven Melanomwachstums zur Folge. Das heißt, erniedrigte PDE-5-Konzentrationen könnten das Wachstum von Melanomzellen fördern. Eine Hemmung von PDE-5 erfolgt auch medikamentös durch Sildenafil und weitere PDE-5-Hemmer. Also könnte theoretisch ein Zusammenhang zwischen der Einnahme und dem vermehrten Auftreten von Melanomen bestehen. Darauf machte bereits 2014 eine US-amerikanische Kohortenstudie aufmerksam. Nun widmete sich eine schwedische Studie erneut dieser Frage.

Zur Ermittlung eines möglichen Zusammenhangs wurden Daten aus dem schwedischen Melanomregister mit Verschreibungsdaten für Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil abgeglichen und mit Daten von knapp 20 000 gesunden Probanden in Beziehung gesetzt. Im betrachteten Zeitraum zwischen 2006 und 2012 waren 4065 Melanomerkrankungen diagnostiziert worden. 11% der Betroffenen hatten einen PDE-5-Hemmer eingenommen; in der Kontrollgruppe waren es 8%. Die Ergebnisse einer Multivarianzanalyse zeigen einen geringen, aber statistisch signifikanten Risikoanstieg (OR 1,21; 95% Konfidenzintervall 1,08-1,36) für Anwender von PDE-5-Hemmern. Die Auswertung differenziert dann noch weiter nach Einmal- oder Mehrfachverordnungen (höheres Risiko bei Einmalverschreibungen), Stadium der Melanomerkrankung (höheres Risiko vor allem für die frühen Melanomstadien), die Art des PDE-5-Hemmers (kein Unterschied zwischen Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil), dem Auftreten von Basalzellkarzinomen (Risiko ebenfalls erhöht unter Anwendern von PDE-5-Hemmern) und sozioökonomischen Daten (Anwender von PDE-5-Hemmern hatten eine höhere Bildung, ein höheres Einkommen und ein höheres Melanomrisiko).

Aufgrund der fehlenden Assoziation zwischen der Häufigkeit der Medikamenteneinnahme und dem Auftreten von Melanomen sehen die Studienautoren keinen kausalen Zusammenhang zwischen PDE-5-Hemmern und einem erhöhten Melanomrisiko. Für diese Einschätzung sprechen auch das häufigere Auftreten von Basalzellkarzinomen unter Anwendern von PDE-5-Hemmern, für deren Entwicklung ein anderer Signalweg verantwortlich gemacht wird, sowie die Assoziation zwischen dem sozioökonomischen Status und einem erhöhten Melanomrisiko (der sozioökonomische Status ermöglicht ein bestimmtes Freizeitverhalten wie etwa Urlaub in sonnigen Gegenden). |

Quelle

Loeb S. et al. JAMA 2015;313(24):2449-2455. doi:10.1001/jama.2015.6604.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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