Arzneimittel und Therapie

Das Wüstenvirus zieht weiter

Wissenswertes zum „Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus“ – MERS-CoV

jb | Der aktuelle MERS-Ausbruch in Südkorea, dem bislang 27 (Stand 22. Juni) Menschen zum Opfer gefallen sind, ist die erste größere Verbreitung des Virus außerhalb der arabischen Halbinsel. Zumindest in zwei Fällen wurde eine Infektion der „dritten Generation“ bestätigt. Danachhat eine von dem Indexfall infizierte Person hat eine weitere, dritte Person angesteckt, die selber mit dem Indexfall keinen Kontakt hatte. Bisher waren alle Fälle direkt oder über maximal einen anderen Patienten auf eine Infektion auf der arabischen Halbinsel zurückzuführen. Hinweise auf weitergehende Infektionsketten gibt es jedoch bisher laut Robert-Koch-Institut nicht. Im Folgenden ist das Wichtigste zusammengefasst.

MERS-CoV ist ein verhältnismäßig junges Virus. Erst seit April 2012 ist es bekannt. Seit dem ersten Auftreten wurden über 1000 Fälle im Labor bestätigt. Die meisten davon auf der arabischen Halbinsel, etwa 40% der Infizierten verstarben.

Nachdem aufgrund der engen genetischen Verwandtschaft mit bei Fledermäusen vorkommenden Coronaviren lange Fledermäuse als Infektionsquelle in Betracht gezogen wurden, gelten derzeit Dromedare als wahrscheinlichstes Erregerreservoir. Zum einen konnten bei einem großen Anteil von Dromedaren aus dem arabischen Raum, aber auch aus afrikanischen Ländern, Antikörper gegen das MERS-CoV und auch das Virus selbst nachgewiesen werden. Zum anderen haben Personen, die direkten Kontakt mit den Tieren haben, nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, als solche ohne Dromedar-Kontakt. Viele der als Primärfall eingestuften Fälle hatten Dromedar-Kontakt. Wie genau das Virus vom Tier auf den Menschen übertragen wird und ob dabei auch Tierprodukte eine Rolle spielen, ist derzeit nur unzureichend bekannt.

Für die Reise

Reiseeinschränkungen gibt es derzeit nicht. Folgende Hinweise sollten jedoch bei Reisen beachtet werden:

  • Kontakt zu Dromedaren meiden.
  • Farmen oder Märkte, auf denen sich Dromedare aufhalten, meiden.
  • Keine rohen oder unvollständig erhitzten Kamelprodukte verzehren.
  • Häufig Hände waschen, Abstand zu Personen mit akuten Atemwegssymptomen halten.
  • Die üblichen Regeln der Alltagshygiene beachten.
  • Bei Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen sollte nachgefragt waren, ob sie selbst oder Kontaktpersonen vor Kurzem auf der arabischen Halbinsel oder in Südkorea waren.

Nach einer Inkubationszeit von in der Regel ein bis zwei Wochen beginnt die Erkrankung mit plötzlich auftretenden, Grippe-ähnlichen Symptomen. Häufig leiden die Betroffenen zusätzlich unter Durchfall. Bei schweren Verläufen kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein akutes Atemnotsyndrom übergehen kann. Außerdem kann es zu Nierenversagen kommen. Besonders gefährdet für schwere Verläufe sind Patienten mit chronischen Grunderkrankungen wie Diabetes, aber auch Krebspatienten oder Immunsupprimierte. Eine Infektion kann aber auch symptomlos verlaufen. Nach Ausbruch der Erkrankung ist man infektiös für andere Menschen. Als Übertragungsweg von Mensch zu Mensch werden vor allem Tröpfchen-, aber auch Schmierinfektionen angenommen. Offen ist derzeit noch, wie lange eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich ist, ebenso, wie groß die Gefahr durch symptomfreie Träger ist. Eine zugelassene Kausaltherapie oder ein Impfstoff existieren derzeit nicht. Behandelt wird rein symptomatisch. Die Therapie beschränkt sich daher auf Flüssigkeitsgabe, um die Kreislauffunktion aufrechtzuerhalten und ggf. eine Antibiotika-Therapie, um Sekundärinfektionen zu verhindern. Zudem greift man, was mögliche Therapieansätze betrifft, auf die Erfahrungen zurück, die man vor einigen Jahren mit dem eng verwandten SARS-CoV (Severe Acute Respiratory Syndrome) gemacht hat. Eine Kombinationstherapie aus Interferon alpha-2b und Ribavirin, die die Replikation von MERS-CoV verlangsamt, mildert eventuell den Infektionsverlauf etwas ab. Zudem wurden neutralisierende Antikörper identifiziert, die vielleicht zur passiven Immunisierung eingesetzt werden könnten. Sie stammen aus einer Phagenbank mit humanen Antikörperfragmenten. Desweiteren wurden verschiedene, zugelassene Arzneistoffe in vitro auf ihre antivirale Wirksamkeit gegen MERS-CoV getestet, davon zeigten 27 einen Effekt.

Eine MERS-CoV-Infektion solle in Betracht gezogen werden bei Personen mit schweren Atemwegsinfekten, die in den 14 Tagen vor Ausbruch auf der arabischen Halbinsel waren oder Kontakt zu medizinischen Einrichtungen in Südkorea hatten oder mit Personen, die nachgewiesenermaßen oder wahrscheinlich an MERS erkrankt waren. Bei Verdachtsfällen sollten Kontaktpersonen eine FFP2-Atemschutzmaske tragen. |

Quellen:

http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/MERS-CoV.html

Dingermann T, Zündorf I. Der Feind aus der Wüste: Wie gefährlich ist das MERS-Coronavirus?; DAZ 2014, Nr. 22, S. 52

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