Wirksam im Mausmodell

Vielversprechender MERS-Impfstoffkandidat

Berlin - 10.09.2015, 11:15 Uhr

Die MERS-Impfstoff-Forschung kommt voran. (Foto: Vit Kovalkcik/Fotolia)

Die MERS-Impfstoff-Forschung kommt voran. (Foto: Vit Kovalkcik/Fotolia)


Die Forschung für einen Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus ist einen Schritt weiter: Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben in Kooperation mit verschiedenen Forschungsgruppen innerhalb des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) einen Impfstoff auf Basis eines Masern-Impfvirus entwickelt, der hoch immunogen und protektiv ist. Auf die aktuell in der Online-Ausgabe des Journal of Virology veröffentlichten Forschungsergebnisse weist das PEI hin.

Das MERS-Coronavirus (Middle East Respiratory Syndrom) kann beim Menschen schwere Infektionen, teilweise mit tödlichem Verlauf, auslösen. Erstmals wurden im Jahr 2012 Infektionen mit dem Virus diagnostiziert. Inzwischen sind mehr als 1000 Infektionen bestätigt, die ihren Ursprung auf der arabischen Halbinsel und dort vor allem in Saudi-Arabien nahmen. Zuletzt war Südkorea von einem inzwischen eingedämmten Ausbruch betroffen. Bislang steht ein zugelassener Impfstoff nicht zur Verfügung.

Forscher des PEI und des DZIF haben nun einen möglichen Ansatz gefunden: Sie bauten ausgewählte genetische Sequenzen des MERS-CoV-Hüllproteins in einen Impfvektor ein, für den bereits umfangreiche klinische Erfahrungen vorliegen – in diesem Fall abgeschwächte Masern-Impfviren. Das Ziel: Nach der Impfung wird eine Immunreaktion sowohl gegen den Impfvektor, als auch gegen den in der genetischen Sequenz kodierten Erregerbestandteil erzeugt. Anschließend wurde das so veränderte Masern-Impfvirus charakterisiert sowie seine Identität und Stabilität nachgewiesen.

Erste Erfolge im Mausmodell

Mit ihrem neuen Impfstoff erzeugten die Forscher in Mäusen eine starke Immunantwort (Antikörperbildung und T-Zellantwort), welche die geimpften Tiere vor der nachfolgenden Infektion mit dem MERS-CoV schützte, berichtet das PEI. „Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die von uns entwickelten rekombinanten Masernviren als Impfstoffplattform für die Entwicklung von Impfstoffen gegen neu auftretende Krankheitserreger geeignet sind“, so Dr. Michael Mühlebach, Leiter des Fachgebiets Produktprüfung immunologischer Tierarzneimittel der Abteilung Veterinärmedizin. Der entwickelte Vektorimpfstoff sei ein vielversprechender Kandidat für eine klinische Prüfung auf dem Weg zu einem MERS-Impfstoff.

Das PEI verweist darauf, dass Forscher des DZIF bereits im Vorfeld an der Identifikation des MERS-Corona­virus und an der Testentwicklung beteiligt waren. „Diese erfolgreiche Forschungsarbeit zeigt die Bedeutung solcher Forschungsverbünde, in die sich ergänzende Expertisen einfließen. Wir versprechen uns davon, dass beim Auftreten neuer Infektions­krankheiten Methoden für eine schnelle Diagnose der Infektionskrankheit ad hoc bereitgestellt und schnell wirksame Impfstoffe zur Bekämpfung entwickelt werden können“, betont PEI-Präsident Prof. Klaus Cichutek.

Originalpublikation: Malczyk AH, Kupke A, Prüfer S et al. (2015). A highly immunogenic and protective MERS-Coronavirus vaccine based on recombinant MV vaccine platform. J Virol Sep 9 [Epub ahead of print].


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