Die Seite 3

Virenalarm

Dr. Doris Uhl, Chefredakteurin der DAZ

Ein Thema, das uns derzeit in Atem hält, ist die Ebola-Epidemie in Westafrika. Ebola ist kein unbekannter Erreger. Seit 1976 erkranken und sterben in Westafrika immer wieder Menschen an den Folgen des durch dieses Virus ausgelösten hämorrhagischen Fiebers. Die Ausbrüche blieben lokal begrenzt – bis zum März dieses Jahres, als es in Guinea zu dem bislang größten Ausbruch kam. Wider Erwarten versiegte er nicht und breitete sich auf die Nachbarstaaten aus. Inzwischen ist mit Nigeria auch das bevölkerungsreichste Land in Westafrika betroffen. Spät – und leider für viele Betroffene zu spät – finden diejenigen endlich Gehör, die schon seit Langem vor Ebola warnen und mehr Hilfe gefordert haben.

Die WHO hat inzwischen auch erkannt, dass die betroffenen Länder allein nicht in der Lage sein werden, die Epidemie einzudämmen. Der weltweite Notstand wurde ausgerufen. Gelder werden bereitgestellt, die medizinische Hilfe aufgestockt. Sogar ein nicht zugelassenes Antikörperpräparat darf eingesetzt werden (siehe Artikel "Notstand Ebola: Internationaler Gesundheitsnotfall auch in Europa?"). Die WHO-Maßnahme macht zudem den Weg frei für völkerrechtlich verbindliche Vorschriften wie Quarantänemaßnahmen, Schließungen von Ländergrenzen und Reisebeschränkungen.

Dessen ungeachtet wächst die Angst, dass das Ebola-Virus den Weg nach Europa findet. Flugrouten-Szenarien zur Virusausbreitung werden bemüht – und auch Deutschland ist dabei. Denn mit der Verbreitung von Ebola in Nigeria ist erstmals ein Land betroffen, von dessen Flughäfen in Lagos und Abuja täglich Direktflüge nach Frankfurt gehen. Doch so angsteinflößend solche Simulationen auch sind, es ist nicht davon auszugehen, dass Ebola in Europa Ausmaße wie in Westafrika annehmen wird.

Bei aller Aufregung um Ebola kann leicht übersehen werden, dass es viele weitere Viren mit Bedrohungspotenzial gibt. So reiht sich Ebola in eine ganze Liste von Viren ein, die ebenfalls hämorrhagisches Fieber auslösen können. Dazu zählen beispielsweise Dengue-, Hanta-, West-Nil-, Lassa-Fieber-, Kim-Kongo-Fieber- und Marburg-Viren. Seit Juni 2012 hält das Middle East Respiratory Syndrome Corona-Virus (MERS-CoV) Saudi-Arabien in Atem, seit Dezember 2013 wütet in der Karibik das Chikungunya-Virus (siehe Artikel "Chikungunya: Unaussprechlich und nicht ungefährlich").

Für die Forschung sind diese Erreger kein Neuland. Das zeigt zum Beispiel das Vorhandensein eines Antikörpercocktails gegen Ebola-Viren. Trotzdem stehen zur Bekämpfung der genannten Erreger weder zugelassene Impfstoffe noch zugelassene antivirale Medikamente zur Verfügung. Denn die Entwicklung marktreifer Impfstoffe und Arzneimittel ist kostspielig, Investitionen werden gescheut. Wenn jetzt wie im Falle von Ebola unter Druck auf experimentelle Medikamente zurückgegriffen werden muss, ist das nicht nur ein riskanter Versuch mit ungewissem Ausgang, es ist auch ein besonderes Armutszeugnis.

Dr. Doris Uhl

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