Selbstmedikation

Bläschen an der Lippe sind mehr als ein kosmetisches Problem

Ungefähr 90% der Bevölkerung tragen den Lippenherpes-Virus in sich. Bei einem geschwächten Immunsystem kann der Virus über die Nervenbahnen an die Hautoberfläche an der Lippe wandern und verursacht dort Schwellungen, Rötung und nässende Bläschen. Belastender noch als der klinische Aspekt ist für die Betroffenen offensichtlich die optische Beeinträchtigung.

Die Ansteckung mit dem Herpesvirus erfolgt oft bereits im Kindesalter durch Tröpfcheninfektion. Nach der Erstinfektion zieht sich das Virus in Nervenknoten nahe den Schläfen zurück, wo es verharrt. Lippenherpes-Viren lassen sich nicht mehr aus dem Körper entfernen. Das heißt, wer einmal unter einem Lippenherpes-Ausbruch gelitten hat, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es erneut zu einem Ausbruch kommen kann, wie auf einer Veranstaltung der Novartis Consumer Health GmbH am 15. September in Frankfurt am Main deutlich wurde. So wird bei 20 bis 40% der Träger das Herpesvirus aktiv. Jedoch lässt sich einem Herpes-Ausbruch vorbeugen, indem man persönliche Auslöser identifiziert und vermeidet.

Mögliche Auslöser eines Herpes-Ausbruchs

Im Zentrum des Geschehens steht eine Schwächung des Immunsystems. Diese kann verschiedene Ursachen haben. Darunter sind äußere Auslöser wie Medikamente (Antibiotika, Cortison, Zytostatika, Impfungen, etc,) psychischer oder körperlicher Stress, extreme Klimaschwankungen, Mangelernährung, übermäßiger Alkoholkonsum oder Drogen, Verletzungen oder Nervenreizungen, beispielsweise durch zahnärztliche Behandlungen oder Entzündungen im Wangenbereich. Aber auch innerliche Vorgänge, die zu hormonellen Schwankungen führen wie Schwangerschaft, Menstruation oder Menopause, können das Immunsystem schwächen und einen Herpes-Ausbruch provozieren.

Große psychische Belastung durch Lippenherpes

Laut der Psychodermatologin Dr. Angelika Buske-Kirschbaum von der TU Dresden bewerten Lippenherpes-Betroffene die optische Veränderung oft als belastender als physiologische Symptome wie beispielsweise Schmerzen. Dies belegte jetzt auch die Konsumenten-Umfrage von Novartis Consumer Health, die mit 200 Personen durchgeführt wurde. An dieser Umfrage nahmen 110 Frauen und 90 Männer teil. Die Umfrageergebnisse sind deutlich: 96% der Befragten gaben an, dass die optischen Auswirkungen von Lippenherpes als störend zu bewerten sind. 93% empfinden es als äußerst unangenehm, dass der Lippenherpes die Blicke des Umfeldes auf sich lenkt.

Hausmittel helfen oft nicht

Viele Betroffene haben bei den ersten Symptomen von Lippenherpes keine Medikamente bei sich und versuchen eine Linderung durch sogenannte Haus mittel zu erreichen. Doch von Zahnpasta oder Honig ist unbedingt abzuraten. Diese reizen die Haut zusätzlich und ihre Wirkung auf den Heilungsverlauf ist nicht wissenschaftlich belegt. Zuverlässig ist dagegen der Griff zu den etablierten Wirkstoffen wie Aciclovir oder dem neueren Penciclovir (Fenistil® Pencivir). Sie lindern zuverlässig Schmerzen und Juckreiz und beschleunigen die Krustenbildung beim natürlichen Heilungsverlauf. Penciclovir kann dabei bereits beim ersten Kribbeln angewendet werden, hilft aber auch noch in der hoch ansteckenden Bläschenphase.

Penciclovir zeigt in vivo und in vitro eine hohe Aktivität gegen Herpes-simplex-Viren (Typ 1 und 2) und das Varicella-Zoster-Virus. In virusinfizierten Zellen wird Penciclovir schnell und effizient in ein Triphosphat umgewandelt, das in infizierten Zellen über mehr als zwölf Stunden stabil ist und dort die Replikation der viralen DNA hemmt. Von Novartis wurde eine Cremeform von Penciclovir mit hautfarbenem Pigment entwickelt. Denn die Mehrheit der Befragten in der Studie gab an, dass bisherige Therapieformen wie weiße Lippenherpes-Cremes den psychischen Leidensdruck der Betroffenen nicht verringern, sondern vergrößern: 85% haben das Gefühl, dass die weißen Creme-Rückstände den Lippenherpesausbruch sogar noch auffälliger machen. 94% der Umfrageteilnehmer äußerten den Wunsch nach einer gefärbten Creme.

Die gefärbte Lippenherpes-Creme bietet neben Vorteilen wie der Verkürzung des Heilungsprozesses, Linderung der Schmerzen und einer Wirkung auch noch in der Bläschenphase die Möglichkeit, die unschönen Bläschen aktiv zu behandeln – ganz ohne auffälligen weißen Fleck. In allen Phasen der Lippenherpes-Episoden von der Rötungsphase bis zur Verkrustungsphase fand die gefärbte Creme als eine optisch unauffällige Therapieform große Zustimmung. 94% der Befragten waren überzeugt, dass sie eine gefärbte Creme einer weißen Creme vorziehen würden.


Anwendungstipps


Die Penciclovir-Creme sollte möglichst unmittelbar nach dem Auftreten der ersten Symptome (z. B. Brennen, Juckreiz) angewendet werden. Darüber hinaus haben klinische Studien gezeigt, dass Penciclovir-Creme auch bei einer späteren Anwendung im Bläschen-Stadium den Heilungsprozess beschleunigt und die Schmerzdauer verkürzt. Die für den betroffenen Hautbereich erforderliche Menge kann entweder mit einem sauberen Finger oder mit einem Wattestäbchen aufgetragen werden.

Die Behandlung sollte über insgesamt vier Tage (entsprechend 96 Stunden) andauern. Sollte es während der Behandlung zu einer Verschlechterung der Hauterscheinungen kommen, so ist eine ärztliche Abklärung erforderlich!

Verbreitung des Herpes vermeiden!

Neben der örtlichen Behandlung des Herpes an der Lippe sollten jedoch auf jeden Fall Maßnahmen ergriffen werden, die eine Übertragung auf andere Körperteile oder Personen ausschließt, betonte Apothekerin Dagmar Karl. Es sollte darauf geachtet werden, dass sich die Viren nicht auf andere Körperregionen ausbreiten, wo sie weitaus gefährlicher werden können als auf der Lippe. Die infizierte Stelle ist daher möglichst nicht zu berühren, man sollte auf Küssen verzichten und engen Kontakt mit Kleinkindern meiden. Selbst auf die gemeinsame Nutzung von Geschirr, Besteck und Handtüchern sollte während der infektiösen Phase verzichtet werden. Da auch eine Übertragung beispielsweise auf die Augen möglich ist, sollte man die Verwendung von Kontaktlinsen zumindest zeitweise unterlassen.


Apothekerin Andrea Lubliner



DAZ 2011, Nr. 46, S. 66

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