Ernährung aktuell

Schwangerschaft: Gesunde Ernährung für Mutter und Kind

Eine Schwangerschaft stellt für die werdende Mutter eine große körperliche Veränderung dar. Die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle. So besteht in der Schwangerschaft für eine Reihe von Nährstoffen ein erhöhter Bedarf. Wurde früher zur Deckung des Mehrbedarfs die Devise "Essen für zwei" herausgegeben, ist man angesichts des zunehmenden Problems von Übergewicht und Adipositas hiervor inzwischen abgerückt. Heute empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lediglich eine zusätzliche Energiezufuhr von 300 kcal/Tag ab dem 4. Schwangerschaftsmonat. Und selbst diese geringe Steigerung der Energiezufuhr versteht sich lediglich als Sicherheitszulage [1]. Umso wichtiger ist eine gute Lebensmittelauswahl für Schwangere, um sich selbst und das Kind ausreichend mit allen Makro- und Mikronährstoffen zu versorgen.

Schwangere müssen und sollen an Gewicht zulegen. Hierfür zeichnet zum einen eine sukzessive Zunahme des Gesamtkörperwassers verantwortlich (Tab. 1). Größtenteils betrifft dies den Extrazellulärraum. So steigt das Plasmavolumen überproportional, wohingegen das Erythrozytenvolumen nur mäßig steigt, so dass es zu einer physiologischen Hämodilution mit einer Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes und einem Absinken des Hämatokrits kommt.


Tab. 1: Zunahme der Flüssigkeitsmenge in verschiedenen Kompartimenten während der Schwangerschaft

Flüssigkeitsräume
Wasserzunahme in ml
20. Woche
30. Woche
40. Woche
Fetus
260
1180
2350
Plazenta
150
370
540
Fruchtwasser
250
600
800
Uterusmuskel
440
670
750
Plasma
500
1000
1000
Erythrozyten
30
100
160
Gewebswasser
500
1000
2000
Gesamt
2130
5020
7600
Quelle: [3]

Zum anderen tragen Veränderungen verschiedener Bereiche des mütterlichen Organismus sowie das wachsende Kind zur Gewichtssteigerung bei (Tab. 2). Zu Beginn der Schwangerschaft steigt besonders das Blutvolumen und das Gewicht der Gebärmutter an. Im dritten Trimenon dominieren das Wachstum des Fetus, der Anstieg des mütterlichen Fettspeichers als Energiereserve für die Stillzeit und die steigende Gewebsflüssigkeit die Zunahme [3].


Tab. 2: Verteilung des mittleren Gewichtsanstiegs bei einer normalen Schwangerschaft.

Gewichtskomponente
Gewicht
Kind
3300 g
Gebärmutter
900 g
Nachgeburt
650 g
Fruchtwasser
800 g
Brüste
400 g
Blutvolumen
1250 g
Gewebswasser
2000 g
Depotfett
1700 g
Gesamte Gewichtszunahme
11.000 g
Quelle: [3]

Wie viel Schwangere zunehmen dürfen

Für die Beurteilung der Gewichtszunahme ist es wichtig, das Ausgangsgewicht der Schwangeren zu berücksichtigen. Während für Frauen mit Untergewicht (BMI < 19) eine Zunahme von 12,5 bis 18 kg bzw. für eine Normalgewichtige eine Steigerung von 11,5 bis 16 kg wünschenswert ist, sollten Frauen mit Übergewicht oder Adipositas nur 7 bis 11,5 kg zunehmen (Tab. 3). Um eine signifikante Erniedrigung des Geburtsgewichts – wie sie im Zweiten Weltkrieg und bei Schwangeren aus Entwicklungsländern beobachtet wurden – zu vermeiden, gilt, dass mindestens 1500 bis 1800 kcal/Tag aufgenommen werden müssen. In Mitteleuropa stellt dies heutzutage kein Problem dar. Von größerer Relevanz ist eine Überernährung der Frauen vor und während der Schwangerschaft. Sie kann schwere Folgen haben, z. B. die Ausbildung eines Gestationsdiabetes, ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten sowie ein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen. Problematisch ist auch, dass trotz der erhöhten Energieaufnahme Defizite in der Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen auftreten können [4].


Tab. 3: Wünschenswerte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft in Abhängigkeit vom prägraviden Body Mass Index (BMI).

Prägravida BMI
(kg/m2)
Klassifikation
Physiologische oder wünschenswerte
Gewichtszunahme (kg)
<19,8
Untergewicht
12,5 – 18
19,8 – 26
Normalgewicht
11,5 – 16
26 – 29
Übergewicht
7 – 11,5
> 29
Starkes Übergewicht
< 7
Quelle: [4]

Wie sich der Stoffwechsel verändert

Während der Schwangerschaft verändern sich Stoffwechselprozesse. Die Hauptenergiequelle des Ungeborenen ist Glucose mit einem Anteil an der Gesamtenergiezufuhr von 90%. Danach richtet sich auch der mütterliche Kohlenhydratstoffwechsel aus. Rund 40% der im mütterlichen Blut angebotenen Glucose werden von der Plazenta benötigt. Die Funktion des Inselzellorgans wird wie alle maternalen endokrinen Organe gesteigert. Dies hat eine Inselzellhyperplasie und einen Hyperinsulismus zur Folge. Damit lässt sich auch die Neigung von Schwangeren zu Hypoglykämie und Ketose erklären. Schwangere vertragen leichte Hungerzustände, etwa durch das Weglassen des Frühstücks, nur schlecht. Daher ist es ratsam, während der Schwangerschaft regelmäßig ausreichend langkettige Kohlenhydrate zu verzehren. Der Bedarf kann mit Getreide, Getreideprodukten, Kartoffeln sowie Gemüse gedeckt werden. Zudem vertragen werdende Mütter eine erhöhte Fettaufnahme schlechter. Da nahezu alle Fettfraktionen durchschnittlich um 50% erhöht sind, besteht physiologisch eine Schwangerschaftshyperlipidämie [5]. Hinsichtlich des Proteinstoffwechsels muss darauf hingewiesen werden, dass für die Stillzeit keinerlei Proteinspeicher angelegt werden. Das Aminosäurespektrum verändert sich nicht, jedoch steigen Plasmaproteine, insbesondere Transferrin an, damit eine ausreichende Eisenbindungskapazität gewährleistet werden kann. Über einen aktiven Transportmechanismus können nahezu alle Aminosäuren über die Plazenta an das Kind weitergegeben werden. Insgesamt sind die Aminosäurespiegel im fetalen Blut höher als bei der Mutter und somit zugunsten des Kindes ausgerichtet [3].

Wie sich der Bedarf an Makronährstoffen ...

Neben einem normalen Ausgangsgewicht und einer angemessenen Gewichtszunahme ist eine ausgewogene Ernährung wichtig, um einen ungestörten Verlauf der Schwangerschaft zu gewährleisten. Gemäß der DGE sollte die Nahrungsenergie zu 50 bis 60% aus Kohlenhydraten, zu maximal 30 bis 35% aus Fett und zu rund 20% aus Protein (ab dem 4. Monat 58 g/Tag) gedeckt werden [3; 4]. Besonders wichtig ist die Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren [3]. Dazu zählen beispielsweise Linolsäure, Alpha-Linolensäure oder Docosahexaensäure (DHA). Diese Fettsäuren sind für die Synthese von Zellmembranen und die Bildung von Eicosanoiden von Bedeutung. Speziell DHA ist als Strukturfett für Gehirn, Nerven und Retina bedeutsam. Bei einer unzureichenden Zufuhr dieser Fettsäure kann es sogar zu irreversiblen Schädigungen kommen [4; 5]. Der Bedarf an mehrfach ungesättigten Fettsäuren kann durch pflanzliche Öle wie Sonnenblumen, Distel- oder Maiskeimöl gedeckt werden. Auch Kaltwasserfische wie Makrele, Hering, Thunfisch oder Lachs können dazu beitragen [3]. In der Gruppe der Kohlenhydrate empfehlen sich Vollkornbrot, Vollkornreis, Vollkornnudeln, Kartoffeln (nicht frittiert), Gemüse und Obst [3]. Komplexe Kohlenhydrate sind besonders wichtig, um mütterliche Glucosebelastungen zu vermeiden [5]. Sie dienen zudem einer ausreichenden Ballaststoffzufuhr, die – bei gleichzeitig ausreichender Flüssigkeitsaufnahme (> 2 l/Tag) – der bei Schwangeren verbreiteten Neigung zur Obstipation entgegen wirkt [3]. Der Anteil an Süßigkeiten sollte nicht mehr als 10% der Kohlenhydratzufuhr bzw. 40 g Zucker betragen.

... und Mikronährstoffen entwickelt

Durch den erhöhten Energieumsatz und die hohe Syntheseleistung während der Schwangerschaft ergibt sich ein erhöhter Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen (Tab. 4). Besonders kritisch, nicht nur während einer Schwangerschaft, sind laut der zweiten Nationalen Verzehrsstudie (NVS II) die Versorgung mit Folsäure, Eisen, Calcium und Jod [6].


Tab. 4: Empfohlene tägliche Nährstoffzufuhr in der Schwangerschaft

Nährstoff
Zufuhr in der Schwangerschaft
Zufuhr für Frauen allgemein
Protein
58 g*
46g
Fett
30 bis 35% der Energie*
30% der Energie
Kohlenhydrate
Kein Mehrbedarf
> 50% der Energie
Vitamin A
1,1 mg-Äquivalent*
0,8 mg Äquivalent
Vitamin D
Kein Mehrbedarf
5 µg
Vitamin E
13 mg Äquivalent
12 mg-Äquivalent*
Vitamin K
Kein Mehrbedarf
60 µg
Vitamin B1
1,2 mg*
1,0 mg
Vitamin B2
1,5 mg*
1,2 mg*
Niacin
15 mg Äquivalent*
13 mg Äquivalent
Vitamin B6
1,9 mg*
1,2 mg
Folat
600 µg Äquivalent**
400 µg Äquivalent
Pantothensäure
Kein Mehrbedarf
6 mg
Biotin
Kein Mehrbedarf
30 – 60 µg
Vitamin B12
3,5 µg
3,0µg
Vitamin C
110 mg*
100 mg
Natrium
Kein Mehrbedarf
550 mg
Chlorid
Kein Mehrbedarf
830 mg
Kalium
Kein Mehrbedarf
2000 mg
Calcium
Kein Mehrbedarf
1000 mg
Phosphor
< 19 Jahre: 1250 mg
> 19 Jahre: 800 mg
700 mg
Magnesium
< 19 Jahre: 350 mg
< 19 Jahre 310 mg
300 – 310 mg
Eisen
30 mg
15 mg
Jod
230 µg
200 µg
Fluorid
Kein Mehrbedarf
3,1 mg
Zink
10 mg*
7 mg

* ab dem 4. Monat 

** Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zusätzlich 400 µg synthetische Folsäure in Form von Supplementen aufnehmen, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Die erhöhte Folsäurezufuhr sollte spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft erfolgen und während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden. 

Quelle: [2]

Der Eisenbedarf ist in der Schwangerschaft trotz Ausbleiben der menstruellen Blutverluste um 15 mg auf 30 mg/Tag erhöht [2]. Das liegt daran, dass für den Fetus zusätzlich 300 mg, für die Plazenta 50 mg und für das vermehrte mütterliche Brustvolumen sogar 450 mg Eisen benötigt werden. Um den erhöhten Eisenbedarf zu decken, eignen sich Fleisch- und Wurstwaren, aber auch Vollkorngetreide wie Hirse, Roggen und Weizen. Auch Hülsenfrüchte und Gemüse, etwa Wirsing, Spinat und Fenchel liefern Eisen. Beachtet werden muss, dass Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln (Nicht-Häm-Eisen; Fe3+) aufgrund von Komplexbildnern wie Phytin- und Oxalsäure erschwert ist. Die Absorption von Häm-Eisen (Fe2+), das in Lebensmitteln tierischer Herkunft enthalten ist, wird durch Calcium gehemmt. Daher sollte eine eisenreiche Mahlzeit nicht mit calciumreichen Lebensmitteln kombiniert werden. Dagegen fördern reduktiv wirkende Substanzen wie Ascorbinsäure und andere organische Säuren die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen. Gute Quellen sind Säfte aus Äpfeln oder Zitrusfrüchten [5]. Oft reicht jedoch die Eisenversorgung über die Nahrung allein nicht aus [2]. Ob eine Substitution erforderlich ist, kann mittels Bestimmung des Hämoglobinwertes ermittelt werden. Dabei liegt aufgrund der physiologischen Hämodilution die Anämiegrenze bei 11 g/dl. Werden Eisenpräparate verwendet, sollte darauf geachtet werden, dass sie gut resorbierbare, zweiwertige Eisenverbindungen enthalten [3].

Der um 30 µg erhöhte Jodbedarf in der Schwangerschaft resultiert aus der vermehrten renalen Durchblutung und einer damit verbundenen erhöhten Jodausscheidung im Urin [2]. Jod ist Bestandteil von Schilddrüsenhormonen. Diese wirken beispielsweise auf den Intermediärstoffwechsel und fördern das Wachstum und die Differenzierung von Organen, etwa bei der Hirnentwicklung des Ungeborenen. Bei einem Jodmangel besteht ein gesteigertes Risiko für Fehlgeburten und auch die postnatale Mortalität ist erhöht. Bei einem starken Jodmangel in der Phase der Hirndifferenzierung entwickelt sich eine schwere Hypothyreose (Kretinismus), die von mentaler Retardierung sowie Sprach- und Hörstörungen geprägt ist. Ebenfalls kann ein Jodmangel zu Kleinwüchsigkeit und Deformierung der langen Röhrenknochen führen. Um einem Jodmangel entgegenzuwirken, sollten Schwangere regelmäßig Seefische wie Kabeljau, Seelachs, Schellfisch oder Scholle verzehren. Auch die Anwendung von jodiertem Speisesalz kann einen Beitrag zur Bedarfsdeckung leisten [5]. Es muss jedoch betont werden, dass der erhöhte Bedarf oft nicht allein durch Lebensmittel gedeckt werden kann. Daher empfiehlt der Arbeitskreis Jodmangel in der Schwangerschaft die ergänzende Einnahme von Jodtabletten (100 bis 150 µg). Diese Supplementierung sollte aber mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden [7].

Obwohl für Calcium kein Mehrbedarf beschrieben ist, muss eine Frau in der Schwangerschaft zwischen 25 und 30 g Calcium bereitstellen. Die Calciumsabsorptionsrate und die renalen Calciumverluste sind bei Schwangeren erhöht. Es liegen jedoch keine Hinweise auf die Anlage eines Calciumdepots vor [2]. Zu niedrige Plasmaspiegel machen sich während der Schwangerschaft durch latente Tetanien bemerkbar, die mit schmerzhaften tonischen Krämpfen einhergehen [5]. Der Bedarf sollte durch fettarme Milch und Milchprodukte sowie calciumreiches Gemüse wie Fenchel, Broccoli und Spinat oder Mineralwasser gedeckt werden [1; 2]. Die Calciumzufuhr sollte sich zudem über den Tag verteilen [5].

Da für die Entwicklung des Ungeborenen ein hoher Folatbedarf besteht, benötigen werdende Mütter 600 µg/Tag. Dies entspricht einem Mehrbedarf von 200 µg. Bereits Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zusätzlich 400 µg synthetische Folsäure, die sog. Pteroylmonoglutaminsäure, in Form von Supplementen aufnehmen. Dies ist wichtig, um Neuralrohldefekten beim Kind vorzubeugen [2]. Der Neuralrohrverschluss findet bereits zwischen dem 15. und 28. postkonzeptionellen Tag statt, so dass zu diesem Zeitpunkt unbedingt wirksame Folsäurespiegel erreicht sein müssen [5]. Daher sollte die Supplementierung spätestens vier Wochen vor Schwangerschaftsbeginn erfolgen und bis zum Ende des ersten Trimenons beibehalten werden [2]. Ist bei einer früheren Schwangerschaft ein Neuralrohrdefekt aufgetreten, sollte sich die perikonzeptionelle Folsäure-Supplementierung auf 4 bis 5 mg/Tag erhöhen. Diese Empfehlungen werden durch Studien gestützt, die zeigen, dass durch eine Supplementierung vor einer Schwangerschaft sowie in der Frühschwangerschaft sowohl das primäre Risiko sowie das Wiederholungsrisiko für einen Neuralrohrdefekt sinken.

Folsäure kommt naürlich auch in Lebensmitteln vor [5]. Der Mehrbedarf während der Schwangerschaft kann jedoch nur unter genauester Lebensmittelkenntnis und -wahl gedeckt werden [8]. Nahrungsfolate setzen sich aus Monoglutamaten und Polyglutamaten im Verhältnis 40 zu 60 zusammen. Während erstere fast vollständig absorbiert werden, weisen Polyglutamate eine wesentlich schlechtere Bioverfügbarkeit auf, da sie zunächst durch eine intestinale Konjugase in Monoglutamatverbindungen abgebaut werden müssen. Insgesamt liegt die Bioverfügbarkeit für Folsäure bei 50% [5]. Gute Folatquellen sind grünes Blattgemüse wie Spinat, Kohlarten, Tomate und Gurken sowie Orangen und Weintrauben. Außerdem sind Vollkornprodukte, Kartoffeln, Fleisch, Leber, Milch und Milchprodukte und Eier gute Lieferanten [2]. Besonders reich an Folsäure sind Keime und Sojabohnen [1; 2]. Beachtet werden muss, dass Folatverbindungen lichtempfindlich und hitzelabil sind, so dass je nach Zubereitungsverfahren mit Verlusten zwischen 50 und 70% gerechnet werden muss.

Für Magnesium besteht zwar kein nennenswerter Mehrbedarf, allerdings können ab der Schwangerschaftsmitte gehäuft Wadenkrämpfe beobachtet werden. Diese lassen sich durch orale Magnesiumgaben bessern.

Typische Schwangerschaftsbeschwerden

Eine Schwangerschaft wird auch von hormonellen Veränderungen begleitet. Viele Frauen haben dann ein verändertes Geschmacksempfinden und unerklärliche Essgelüste [1]. Vor allem zwischen dem 4. und dem 7. Monat können Heißhungerattacken beobachtet werden, die zu wahllosem Essen bzw. zum Verzehr bestimmter Lebensmittel in großen Mengen verleiten. Solange es sich bei den Gelüsten um Lebensmittel mit einer niedrigen Energiedichte handelt (z. B. saure Gurken), stellt dies kein Problem dar. Bei Heißhungerattacken auf Eiscreme oder ähnliches sollte auf die Gewichtsentwicklung geachtet und das Verlangen ggf. gezügelt werden. Weitere typische hormonell bedingte Schwangerschaftsbeschwerden sind Sodbrennen und Obstipation. Sie lassen sich durch eine hormonell (Progesteron-Wirkung) bedingte Tonusminderung der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Trakts erklären. Um einer Obstipation entgegenzuwirken, ist eine ballaststoffreiche Ernährung sowie ausreichendes Trinken sehr wichtig. Wichtig ist auch, dass bei physiologischen Schwangerschaftsödemen die Trinkmenge nicht reduziert werden sollte [3].

Risikoschwangerschaften in Bezug auf die Nahrung

Hinsichtlich eines Nährstoffmangels sind besonders eine Schwangerschaft im Jugendalter, rasch aufeinander folgende Schwangerschaften, ein niedriger Sozialstatus, Missbrauch von Nicotin, Alkohol und Drogen sowie ein erhebliches Untergewicht problematisch. Entsprechende Personengruppen benötigen eine sorgfältige Beratung, um einer Schädigung des Kindes vorzubeugen.

Ist durch die Anamnese ein intrauteriner Fruchttod, eine Fehlgeburt o. ä. bekannt, sollte auch die Ernährung analysiert werden. Im Gegensatz dazu sind bei Mehrlingsschwangerschaften keine besonderen diätetischen Maßnahmen notwendig, da sich der Energie- und Eiweißbedarf nicht unterscheidet [3].

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Während der Schwangerschaft kann Gestationsdiabetes bzw. Schwangerschaftsdiabetes auftreten. Diese Diabetes-Form wird erstmals in der Schwangerschaft diagnostiziert und schließt auch die Erstmanifestation von Diabetes mellitus 1 und 2 ein. Etwa 2,29% der Schwangeren sind davon betroffen. Die steigende Häufigkeit kann mit der steigenden Adipositas-Prävalenz, aber auch durch die verstärkt angewandte Diagnostik erklärt werden. Sind die mütterlichen Blutzuckerwerte erhöht, steigt das Risiko für Fehlbildungen und andere kindliche und mütterliche Komplikationen. Daher ist es wichtig, dass Betroffene hinsichtlich einer ausgewogenen und bedarfsgerechten Ernährung, ihrer Gewichtsentwicklung sowie Bewegung geschult und beraten werden [9].

Es gibt keine spezielle Diät, sondern es gelten die gleichen Regeln wie für andere Schwangere auch.

Schwangerschaft und vegetarische Ernährung

Generell rät die DGE davon ab, während der Schwangerschaft auf tierische Produkte wie Fleisch, Eier und Milch zu verzichten. Mit einer (ovo-)lactovegetabile Ernährung lässt sich der Nährstoffbedarf von Schwangeren bei sorgfältiger Lebensmittelauswahl aber decken. Kaum möglich ist dies dagegen bei einer veganen Ernährung. Besonders kritisch sind dabei die Nährstoffe Vitamin B12, Calcium, Eisen, Jod sowie Protein [5; 10].

Genussmittel: Null-Promille-Grenze für Schwangere

Ein Alkoholabusus während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Missbildungen des Ungeborenen [11]. Ob geringe bis moderate Mengen Alkohol während der Schwangerschaft schädigend auf das Kind wirken, kann bislang nicht eindeutig gesagt werden. Um jegliches Risiko für die Gesundheit des Kindes auszuschließen, sollte daher an der "Null-Promille-Grenze" während der Schwangerschaft festgehalten werden [12]. Für Coffein konnte nur im Tierexperiment eine teratogene Wirkung nachgewiesen werden. Die Effekte sind beim Menschen nur bei einem gewohnheitsmäßigen hohen Kaffeekonsum zu beobachten, so dass nicht gänzlich auf coffeinhaltige Getränke verzichtet werden muss [11].

Schließlich ist es wichtig, auf rohes Fleisch, rohe Eier und alle Rohmilchprodukte zu verzichten, um Toxoplasmose- und Listerioseinfektionen vorzubeugen. Insgesamt ist für Schwangere eine verstärkte Lebensmittelhygiene sehr ratsam [1].


Literatur

[1] Biesalski, H.-K. und Grimm, P. (2001): Taschenatlas der Ernährung. Thieme, Stuttgart 2., aktualisierte Auflage, 128 – 141.

[2] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE); Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE) (Hrsg.) (2008): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Frankfurt/Main 1. Auflage, 3., vollständig durchgesehener und korrigierter Nachdruck.

[3] Quaas, L. (2004): Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit. In Biesalski H.-K.; Fürst, P; Kasper, H.; Kluthe, R.; Pölert, W.; Puchstein, C.; Stähelin, B. (Hrsg.): Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 3., erweiterte Auflage, 224 – 228.

[4] Bung, P. (2006): Schwangerschaft und Ernährung. In: Schneider, H. et al. (Hrsg.): Die Geburtshilfe. Springer Medizin Heidelberg. 3. Auflage, 219 – 234.

[5] Gehrmann-Gödde, S. und Gries, F. (2001): Die Ernährung der Schwangeren unter besonderer Berücksichtigung kritischer Nährstoffe. Der Gynäkologe 3 – 34: 229 – 243

[6] Max Rubner-Institut/ Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (Hrsg.) (2008): Nationale Verzehrsstudie II – Ergebnisbericht, Teil 2. Online-Dokument: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/NVS_ErgebnisberichtTeil2.pdf?__blob= publicationFile ,Status Mai 2011.

[7] Arbeitskreis Jodmangel: www.jodmangel.de, Status Mai 2011.

[8] Röhl, S. und Schücking, B. (2008): Identifikation von Versorgungsmängeln sowie Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung mit Jod und Folsäure vor und in der Schwangerschaft. In: Kirch, W. et al. (Hrsg.): Prävention und Versorgungsforschung Ausgewählte Beiträge des 2. Nationalen Präventionskongresses und 6. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung Dresden, 24. bis 27. Oktober 2007. Springer Medizin Verlag Heidelberg, 807 – 818.

[9] Vollmer, T. (2007): Diabetes mellitus in der Schwangerschaft. In: Wacker, J. et al. (Hrsg.): Therapiehandbuch Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer Medizin Verlag Heidelberg, 137 – 147.

[10] Stötter, M. und Mayrhofer, K. (1996): Veganische Ernährung: Neurologische Symptomatik, schwere Entwicklungs- und Gedeihstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Vitamin B12-Mangel. Akt Ernähr Med 21: 4 – 6.

[11] Elmadfa, I, Leitzmann, C (1998): Schwangere und Stillende. Ernährung des Menschen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 3., Auflage, 451 – 455.

[12] Brönstrup et al. (2009): Auswirkungen eines moderaten Alkoholkonsums in der Schwangerschaft. Ernährungsumschau 2/09, 86 – 91.


Autorin
Katja Aue, M. Sc. Ökotrophologie
E-Mail: katja_aue@web.de



DAZ 2011, Nr. 21, S. 74