Arzneimittel und Therapie

Kein Einfluss auf kognitive Entwicklung von Säuglingen

Kinder epilepsiekranker Mütter haben doppelt so häufig Fehlbildungen wie Kinder von Frauen ohne Epilepsie. Ob hauptsächlich die Medikation das Fehlbildungsrisiko erhöht oder aber die epileptischen Anfälle selbst, ist nicht eindeutig geklärt. Auffällig ist jedoch eine Zunahme an Fehlbildungen nach einer Kombitherapie oder einer Monotherapie mit bestimmten Antiepileptika. Stillen hat jedoch keinen Einfluss auf die kognitive Entwicklung der Säuglinge. Zu diesem Ergebnis kommt eine vergleichende Studie an Babys, deren epilepsiekranke Mütter bei unterschiedlicher Medikation stillten.

Stillen kann sowohl für Säuglinge als auch für Mütter günstige gesundheitliche Auswirkungen haben: für Kinder besteht ein geringeres Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes mellitus, für stillende Mütter für Mamma- und Ovarialkarzinome. Unklar war bislang, ob das Stillen von Müttern, die eine Antiepileptika-Therapie erhalten, die kognitive Entwicklung der Kinder beeinflusst.

IQ der Säuglinge durch Antiepileptika unbeeinflusst

Kinder epilepsiekranker Mütter haben häufiger Fehlbildungen als Kinder von Frauen ohne Epilepsie (3,3 bis 4,5% gegenüber 1,5 bis 2,5%). Die Zahl ist jedoch abhängig vom Arzneistoff und besonders gefährdet sind Kinder, deren Mütter eine Kombinationstherapie von zwei oder gar mehr Medikamenten erhalten hatten. Valproinsäure scheint das riskanteste antiepileptische Medikament für den Embryo zu sein. US-amerikanische Wissenschaftler untersuchten jetzt in einer Studie den Einfluss des Stillens auf die kognitive Entwicklung von 199 Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft ein Antiepileptikum einnahmen. Die Frauen wurden entweder mit Carbamazepin, Lamotrigin, Phenytoin oder Valproat behandelt. 42% der Kinder wurden gestillt. Nach drei Jahren wurde ein IQ-Test durchgeführt. Die gestillten Kinder erreichten vergleichbare Werte wie die nicht-gestillten Babys (99 gegenüber 98 Punkten).

Die Forscher sind sich der Mängel ihrer vorläufigen Studie durchaus bewusst: Einerseits sind die Fallzahlen der Einzelkollektive für Kinder, deren Mütter unterschiedliche Antiepileptika erhalten hatten, relativ gering. Weitaus aufschlussreicher wären darüber hinaus auch Ergebnisse für Säuglinge, deren Mütter eine Polytherapie erhalten hatten.


Quelle

Meador, K. J.; et al.: Effects of breastfeeding in children of women taking antiepileptic drugs. Neurology 2010; doi: 10.1212/WNL.0b013e3181ffe4a9 vom 24. 11. 2010.


Dr. Hans-Peter Hanssen

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