Arzneimittel und Therapie

Mütterliche Valproinsäure-Einnahme senkt kindlichen IQ

Eine Interimsanalyse weist auf verringerte kognitive Fähigkeiten dreijähriger Kinder hin, deren Mütter während der Schwangerschaft Valproinsäure eingenommen hatten. Daher sollte Valproinsäure bei Epileptikerinnen mit Kinderwunsch zurückhaltend eingesetzt werden.

In den USA kommen jährlich rund 25.000 Kinder zur Welt, deren Mütter aufgrund ihrer Erkrankung während der Schwangerschaft ein Antiepileptikum eingenommen hatten. In diesen Fällen ist das kindliche Risiko für angeborene Missbildungen und kognitive Beeinträchtigungen generell erhöht, allerdings kommen die meisten Kinder gesund zur Welt. Aktuelle Richtlinien machen im Hinblick auf das potenzielle teratogene Risiko gängiger Antiepileptika keinen Unterschied, obwohl neuere Berichte auf das vermehrte Auftreten angeborener Missbildungen unter der mütterlichen Einnahme von Valproinsäure hinweisen.

In einer prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie (NEAD-Study, neurodevelopment effects of antiepileptic drugs) wurde nun der Einfluss unterschiedlicher Antiepileptika auf die kognitiven Fähigkeiten der Kinder untersucht. In dieser amerikanisch/englischen Studie wurden zwischen 1999 und 2004 schwangere Frauen eingeschlossen, die während der Gravidität Carbamazepin, Lamotrigin, Phenytoin oder Valproinsäure im Rahmen einer Monotherapie eingenommen hatten. Das Ziel der Studie ist ein Vergleich der Gehirnfunktion der Kinder im Alter von sechs Jahren. Eine geplante Interimsanalyse wurde bei den nunmehr dreijährigen Kindern durchgeführt.

Für diese Zwischenanalyse lagen die Daten von 309 Kindern im Alter von drei Jahren vor. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Valproinsäure eingenommen hatten, wiesen einen geringeren IQ auf als die Kinder, deren Mütter ein anderes Antiepileptikum erhalten hatten. Nach Berücksichtigung verschiedener Parameter (mütterlicher IQ, Alter der Mutter, Dosis des Antiepileptikums, Gestationsalter, mütterliche Einnahme von Folaten vor der Konzeption) wurden folgende IQ-Werte der Kinder ermittelt:

  • mütterliche Einnahme von Lamotrigin: kindlicher IQ 101
  • mütterliche Einnahme von Phenytoin: kindlicher IQ 99
  • mütterliche Einnahme von Carbamazepin: kindlicher IQ 98
  • mütterliche Einnahme von Valproinsäure: kindlicher IQ 92.

Für Valproinsäure bedeutet dies im Hinblick auf den kindlichen IQ ein Minus von 9 Punkten im Vergleich zu Lamotrigin (95%-Konfidenzintervall 3,1 bis 14,6; p = 0,0009). Die Beziehung zwischen dem IQ des Kindes und der Valproinsäure-Einnahme der Mutter war dosisabhängig. Zwischen dem IQ der Kinder und dem IQ der Mütter, die Carbamazepin, Phenytoin oder Lamotrigin eingenommen hatten, bestand ebenfalls eine Beziehung, die bei der mütterlichen Einnahme von Valproinsäure nicht nachgewiesen wurde.

Frauen, die aufgrund ihrer Erkrankung ein Antiepileptikum einnehmen, sollten bereits vor der Konzeption sorgfältig beraten werden. Ein Absetzen der Medikation oder ein Therapiewechsel während der Gravidität sind zu vermeiden. Die antiepileptische Therapie während der Schwangerschaft richtet sich nach der Form der Epilepsie und dem Risikopotenzial des Antiepileptikums. Eventuell kongenitale Missbildungen können bereits pränatal erkannt und häufig nach der Geburt chirurgisch behoben werden. Für kognitive Beeinträchtigungen gilt dies nicht. Daher sollte Valproinsäure nicht als Mittel der ersten Wahl bei Frauen mit Kinderwunsch eingesetzt werden.

Quelle

Meador K., et al.: Cognitive function at 3 years of age after fetal exposure to antiepileptic drugs. N Engl J Med 360 (2009) 1597-1605.

Tomson T.: Which drug for the pregnant woman with epilepsy? N Engl J Med 360 (2009) 1667-1669.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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